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Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch [Gebundene Ausgabe]

Paul Lendvai
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Aktueller kann eine Handreichung für Europas Regierungschefs und Beamtenriegen kaum sein. Paul Lendvai, der österreichische Publizist mit Budapester Wurzeln, leuchtet das verdüsterte Innenleben der jungen ungarischen Demokratie aus. ...Orban und die Situation in seinem Lande richtig einzuschätzen wird nicht nur für Barroso in Brüssel zu den Aufgaben der nächsten Monate gehören. Dabei kann Lendvais Buch die derzeit kein anderes zum Ratgeber für europäisches Geschick werden." --"Die Zeit" Nr. 44, 28.10.2010

Es ist höchste Zeit, den Kommissaren und Regierungschefs Europas dieses Buch in die Hand zu drücken. Zumindest werden sie dann später nicht sagen können, sie hätten es nicht gewusst. --Tages-Anzeiger, 8.11.2010

Wenn ein Ungar an seiner Heimat leidet, dann richtig. Paul Lendvai arbeitet sich an, wie er es nennt, "seinem" Ungarn ab. Herausgekommen ist eine brillante Analyse der Krisennation. --Falter 45/10

Kurzbeschreibung

Zwanzig Jahre nach der Wende erlebt Europa einen dramatischen Szenenwechsel in Ungarn. Zum ersten Mal wird das Land mit einer Zweidrittelmehrheit von einer national-rechtskonservativen Partei regiert. Die Rechtsradikalen stiegen zur drittstärksten Kraft im Parlament auf. Die Sozialisten haben die Hälfte ihrer Wähler verloren.
Wie konnte der einst bewunderte Schrittmacher der Reformen in der kommunistischen Welt zum besorgniserregenden Krisenherd mit starken rechtsradikalen Kräften werden? Wird der Wahlsieger, Ministerpräsident Viktor Orbán durch einen nationalbetonten Kurs die zwischenstaatlichen Spannungen in Mitteleuropa verschärfen? Was ist der Hintergrund der starken fremdenfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Töne in den Medien? Wird die neue Regierung die Wirtschaftskrise bewältigen und den weiteren Aufstieg der Rechtsextremisten verhindern können?
Im Spiegel der Begegnungen mit Schlüsselfiguren aus Politik undWirtschaft, Kultur und Medien beschreibt Paul Lendvai, einer der renommiertesten Ostexperten Europas, Ungarn im Umbruch und bringt dem Leser die verblüffende Geschichte der letzten 20 Jahre seines Heimatlandes ohne Tabus und Vorurteile näher.

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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mario Pf. HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Innerhalb von kaum 20 Jahren hat sich das Ungarnbild in der europäischen Öffentlichkeit radikal geändert. Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind Europas, dem nachgesagt wird es könnte durch eine Krise die ganze südosteuropäische Region erschüttern. Wie es dazu kommen konnte stellt die meisten Beobachter vor eine unangenehme Frage, denn die wenigsten haben dem für die Donaumonarchie und das mitteleuropäische Machtgefüge einst so bedeutendem Land bis zu den Schreckensnachrichten um ein Aufflammen von Antisemitismus, Rassismus und einer regen Wiederverwendung von Pfeilkreuzler-Symbolik Aufmerksamkeit geschenkt. Dass Ungarn im Zuge der Wahlen des Jahres 2010 und der Finanzkrise ins Licht einer breiteren europäischen Öffentlichkeit zurückgekehrt ist überrascht jedenfalls nicht mehr, hat sich der Musterschüler in eine für die Europäische Union recht unvorteilhafte Lage manövriert.

Wie es soweit kommen konnte beleuchtet der Osteuropa-Experte Paul Lendvai in seinem neuesten Buch, das sich mit einer Geschichte Ungarns seit der Wende bis ins Jahr 2010 auseinandersetzt und damit auch Lendvais frühere Werke über seine ursprüngliche Heimat, wie "Ungarn: Eine tausendjährige Geschichte" fortsetzt. So manches Thema das Lendvai in seinem aktuellsten Werk über Ungarn aufarbeitet ist dem interessierten Leser teils auch bereits in der von Lendvai mitherausgegebenen und als Chefredakteur maßgeblich mitgeprägten "Europäischen Rundschau" begegnet. MEIN VERSPIELTES LAND fasst diese Artikel jedoch nicht als Sammelband zusammen, sondern ist eine keineswegs selbstverständliche Eigenproduktion Lendvais, der dafür selbst zur Feder gegriffen hat und das verleiht dem Werk gleich eine ganz besondere Note, denn es folgt damit einem deutlichen roten Faden und homogenen Stil.

In MEIN VERSPIELTES LAND zeichnet Lendvai primär die Entwicklung Ungarns seit dem Fall des Eisernen Vorhangs nach und orientiert sich dabei am Aufstieg und Fall der jeweiligen Regierungen und ihrer Ministerpräsidenten. Doch er verfolgt auch die Wurzeln der Faktoren welche zu den Krisen der letzten Jahre und Jahrzehnte geführt haben, etwa der ungarischen Spielart von Geschichtsverklärung und Fremdenfeindlichkeit, welche sogar zur Gründung der Ungarischen Garde durch die rechtsradikale Partei Jobbik geführt hat oder die durch Viktor Orbáns Regierungsbündnis forcierte Übernahme der Medien in den letzten Jahren, sowie den Zerfall der großen Sammelpartei MDF und den Untergang der durch Korruption und interne Machtkämpfe gebeutelten Sozialisten/Postkommunisten.

Was Lendvais Werk so besonders macht, er verknüpft Zeitgeschichte mit brandaktueller Politik und stützt sich dabei auf Quellen die nur jenem erlesenen Korrespondentenkreis zugänglich sind, die des Ungarischen mächtig sind, womit er sich von frei von der Leber weg philosophierenden Kollegen gleich einmal abhebt. Lendvai versteht Ungarn wie kaum ein anderer und er nutzt dieses Wissen auf die denkbar beste Art, nämlich um es an die interessierten Leser weiterzugeben. Was Lendvais MEIN VERSPIELTES LAND auszeichnet ist dass der Autor mehr als bloß seine Hausaufgaben gemacht und sich auf die entsprechenden Quellen gestürzt hat. Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen journalistischen Tätigkeit und Beschäftigung mit den Geschehnissen in Lendvais Heimatland. Somit durfte Lendvai bereits mit vielen der von ihm vorgestellten Persönlichkeiten bereits persönlich sprechen und nicht nur das eine oder andere Interview führen. Dass Lendvais Buch bei all dem dennoch sehr gut verständlich und kompakt geblieben ist überrascht, doch darf zugleich als Einladung dienen sich mehr mit dem so fremden Nachbarn auseinanderzusetzen.

Fazit:
Ein eindrucksvolles Buch über Ungarns Wandel seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Packend erzählte Zeitgeschichte kombiniert mit höchst informativen politischen Facts.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Zu den Völkern, die unter den Traumata des vergangenen Weltkriegsjahrhunderts am nachhaltigsten leiden, gehören nicht nur die Deutschen sondern auch die Ungarn - allerdings mit einem bezeichnenden Unterschied. Während die Deutschen die ständige öffentliche Erinnerung an ihre geschichtlichen Verfehlungen wie eine Monstranz vor sich hertragen, kann man bei den Ungarn über alle politischen Lager hinweg eine immerwährende Klage über das himmelschreiende Unrecht vernehmen, dass ihnen angetan wurde.

Tatsächlich hat der Diktatfriede von Trianon im Jahre 1920 das großungarische Reich auf ein Drittel seiner Größe reduziert. Er hat zwar die unterdrückten Slowaken, Rumänen, Kroaten und Serben befreit, aber auch Millionen Ungarn, fast ein Drittel der ungarischen Nation, fremden Staaten inkorporiert. Übertragen auf deutsche Verhältnisse muss man sich das so vorstellen, als wären nach dem ersten Weltkrieg 20 Millionen Deutsche fremden Staaten zugesprochen worden. Kein Wunder, dass die gesamtge ungarische Geschichte seit 1920 unter dem Einfluss dieser nationalen Amputation stand. Bis auf den heutigen Tag und selbst noch inerhalb der Europäischen Union vergiften die Nationalitätenkonflikte, die Ungarn mit seinen Nachbarstaaten Slowakei und Rumänien ausficht, das politische Klima im Donauraum.

Die ungarische Kränkung als Generalmelodie der Nationalgeschichte zwischen 1920 bis 2010 ist eines der Hauptthemen des vorliegenden Buches: Ungarn ist in der Sichtweise des Autos seit 1920 eine gebrochene und deswegen uneberechenbare Nation geworden. Das ist umso prekärer, weil sich diese Verstümmelung an einem Nationalcharakter ereignet hat, der seit Stephan dem Großen für sich selbst Züge der Außergewöhnlichkeit und der Erwählung in Anspruch nahm. Dass bei einer solchen Verfasstheit Antisemitismus, Minderheitenfeindlichkeit und Chauvinismus nicht weit sind, findet der Autor wenig überraschend. Wie oft die Ungarn dabei nach Lendvais Meinung ihr Land "verspielt" haben, ist auf den ersten Blick gar nicht auszumachen - sie haben es verspielt als unterlegene Kriegspartei im Ersten Weltkrieg, die haben es wieder verspielt als Bündner der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg, sie haben es drittens verspielt, als der Kommunismus das Land zwei Generationen lang verproletarisierte, und sie haben es nach der großen Wende von 1989 wieder verspielt, als sie ihren ökonomischen Vorsprung innerhalb der EU-Beitrittskandidaten durch eine verantwortungslose Verschuldungspolitik wieder aufgaben.

Die letzte Phase der ungarischen Gegenwartsgeschichte führte in der Bewertung des Autors geradewegs zum überwältigenden Wahlsieg der Fidesz-Partei und zum Aufstieg des charismatischen Politikers Vikor Orban, der noch im letzten Jahr mit seinen Verfassungsänderungen und seiner radikalen Neubesinnung auf die Werte von Tradition und Nation die postnationalen Eliten Europas nachhaltig schockierte. Folgt man dem Autor, dann ist diese letzte Volte auch wieder nur eine Variante des ewigen Verspielens von Schicksalschancen, die wie ein Fluch über Ungarn liegt.

Ich habe das vorliegende Buch im Vorfeld einer Ungarnreise mit großem Interesse gelesen. Es ist ansprechend aufgemacht, gut lesbar geschrieben und über ein sehr umfangreiches Namensregister vorbildlich erschlossen. Vor allem die Beschreibung der ökonomischer Zusammenhänge der späten Kadar-Zeit, der Neunziger Jahre und des drohenden Staatsbankrottes im Vorfeld der Wahlen von 2010 gehören zum Besten, was ich über diese Sachverhalte bisher gelesen habe. Politisch macht Lendvai aus seiner Sympathie für die Linke keinen Hehl, aber geht niemals soweit, seine Fakten einseitig und parteiisch auszuwerten. Dass sich die Ungarn inmitten der europäischen und weltgeschichtlichen Umbrüche des 21. Jahrhunderts auf ihre eigene Geschichte besinnen und dies auch ausdrücklich in ihre neue Verfassung schreiben, ist dem Autor als Kosmopoliten allerdings ein einziger Gräuel - denn nur so ist der merkwürdige letzte Satz des vorliegenden Buches zu verstehen."Am Chauvinismus ist nicht so sehr die Abneigung gegen fremde Nationen wie die Liebe zur eigenen unsympatisch."(S.228)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Langweilig und flach 3. Juli 2011
Von Clio
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn der Tagesanzeiger meint, es sei " höchste Zeit, den Kommissaren und Regierungschefs Europas dieses Buch in die Hand zu drücken. Zumindest werden sie dann später nicht sagen können, sie hätten es nicht gewusst", dann tut es mir Leid für die Regierenden. Es wäre zu hoffen, sie hätten bessere Informationsquellen.

Man fragt, was dieses Buch sein soll. Ein geschichtlicher Abriss? Dann ein solcher ohne Tiefgang und Erklärungswert. Die bloße Beschreibung der jeweiligen Ministerpräsidenten Ungarns ist ermüdend und letztlich sinnlos.

Wer gehofft hat, einen etwas tieferen Einblick in die neuere Entwicklung Ungarns seit den Wendejahren zu erhalten, wird enttäuscht. Dass das Buch auch noch langweilig geschrieben ist, macht das Ganze leider nicht besser. Ein Fehlkauf.
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