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Mein teures Studium: Studentin, 19 Jahre, Nebenjob: Prostituierte
 
 
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Mein teures Studium: Studentin, 19 Jahre, Nebenjob: Prostituierte [Broschiert]

Laura D. , Sabine Herting
3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Ich habe noch nie ein so ehrliches Buch über Prostitution gelesen wie das von Laura D. Hier geht es endlich einmal nicht um Mystifizierung und Verharmlosung – Stil: „Prostitution ist ein Beruf wie jeder andere“ – hier geht es um die Realität und die Folgen der Prostitution, die Körper und Seele der Frauen zerstört.“ (Alice Schwarzer )

"Mit ihrer Beschreibung einer dramatischen gesellschaftlichen Entwicklung ist es einer 20jährigen Studentin gelungen, ganz Frankreich wachzurütteln." (The Times )

"Das Buch wirft brisante, gesellschaftspolitisch relevante Fragen auf. Ein Phänomen, das nicht am Rande, sondern mitten in der Gesellschaft angesiedelt ist." (Katja Gasser, ORF Fernsehen )

Kurzbeschreibung

Eine französische Studentin löst eine brisante internationale Debatte aus

Nur ein einziges Mal, schwört sich die 19jährige Studentin Laura: Als ihr finanziell das Wasser bis zum Hals steht, lässt sie sich auf das Internet-Angebot eines »reifen« Mannes ein. Das leicht verdiente Geld ist verlockend; Laura gleitet in ein Doppelleben zwischen Hörsaal und Prostitution ab. Scham und Angst werden zu alltäglichen Begleitern. Als sie einem Kunden im normalen Leben begegnet, gerät sie in Panik und ihr gelingt der Absprung.

Laura D. bricht mit einem Tabu. Eine ganz normale junge Frau erzählt ungeschminkt, wie sie ihren Körper verkauft. Etwa 40.000 Studentinnen prostituieren sich in Frankreich. Auch in Deutschland geht man davon aus, dass Studentenprostitution längst kein Einzelfall mehr ist.

Das erste Bekenntnis eines studentischen »Escort-Girls«

Klappentext

"Ich habe noch nie ein so ehrliches Buch über Prostitution gelesen wie das von Laura D. Hier geht es endlich einmal nicht um Mystifizierung und Verharmlosung - Stil: "Prostitution ist ein Beruf wie jeder andere" - hier geht es um die Realität und die Folgen der Prostitution, die Körper und Seele der Frauen zerstört."
Alice Schwarzer

"Mit ihrer Beschreibung einer dramatischen gesellschaftlichen Entwicklung ist es einer 20jährigen Studentin gelungen, ganz Frankreich wachzurütteln."
The Times

"Das Buch wirft brisante, gesellschaftspolitisch relevante Fragen auf. Ein Phänomen, das nicht am Rande, sondern mitten in der Gesellschaft angesiedelt ist."
Katja Gasser, ORF Fernsehen

Über den Autor

Laura D., geboren 1988, wurde durch eine Anzeige ermutigt, von ihren Erfahrungen zu berichten: Die Soziologin Eva Clouet suchte für ihre Diplomarbeit über Studentenprostitution nach Betroffenen. Ihre Ergebnisse hat Clouet in ihrem Nachwort zu „Mein teures Studium“ zusammengefasst. Lauras Tagebuch sorgte in Frankreich, aber auch international für enorme Aufregung. Das Buch sprang sofort nach Erscheinen auf die Bestsellerliste.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Er steht jetzt vor mir, die Hose zu seinen Füßen. Ich stehe in Unterwäsche vor ihm und sehe, wie er mich lange anstarrt. Ich weiß, in knapp einer Minute wird er mich bitten, mich zu ihm zu setzen, und danach wird mein Körper mir eine Stunde lang nicht gehören. Eine Stunde für hundert Euro.
Ich heiße Laura, ich bin neunzehn Jahre alt. Ich studiere Sprachen und muss mich prostituieren, um mein Studium zu finanzieren.
So ergeht es nicht nur mir. Offenbar machen es vierzigtausend Studentinnen wie ich. Das alles folgte einer seltsamen Logik, ohne dass mir wirklich bewusst wurde, worauf ich mich einließ.
Mir wurden keine Silberlöffel in die Wiege gelegt. Luxus und Wohlstand habe ich nie kennengelernt, doch bis zu diesem Jahr hat es mir an nichts gefehlt. Mein Wunsch zu lernen, meine Überzeugungen haben mich immer denken lassen, meine Studienjahre würden die schönsten, die unbekümmertsten meines Lebens werden. Nie hätte ich gedacht, dass mein erstes Jahr an der Universität sich in einen wahren Albtraum verwandeln würde, der mich aus meiner Heimatstadt flüchten lassen sollte.
Mit neunzehn Jahren prostituiert man sich nicht für ein Taschengeld. Man verkauft nicht seinen Körper, um sich Kleider leisten zu können oder einen Kaffee zu bezahlen. Man tut es nur aus der Not heraus und redet sich ein, es sei nur vorübergehend, nur für eine Zeit lang, um die Rechnungen, die Miete und das Essen bezahlen zu können. Studentische Prostituierte trifft man nicht auf der Straße an. Sie sind auch nicht drogenabhängig oder Illegale, und nicht alle stammen aus der Unterschicht. Sie können weißhäutig sein, Französinnen, und aus Familien mit bescheidenem Einkommen stammen. Gemeinsam ist ihnen nur der Wunsch, ihr Studium in einem Land zu absolvieren, das ihnen immer mehr Geld für dieses Studium abknöpft. Die Geschichte, die Sie lesen werden, ereignet sich in einer französischen Großstadt. Ich habe sie V. genannt, um meine Eltern zu schützen. Sie dürfen es nicht erfahren. Niemals. Ich bin ihre liebe kleine, geradezu vorbildliche Tochter. Dickköpfig, ja, aber keine Hure.
Selbstverständlich kann man mir vorwerfen, dass ich nicht meinen erbärmlichen Job behalten habe, um aus der Tretmühle auszusteigen. Die meisten studentischen Prostituierten haben, so wie es auch bei mir der Fall war, einen kleinen Nebenjob, und dennoch gelingt es ihnen nicht, aus den roten Zahlen zu kommen. Die Prostitution und ihre enormen Tarife sind eine viel zu große Versuchung, wenn man kein Geld hat und es dringend auftreiben muss.
Dies ist meine Geschichte, und selbst wenn es mir nicht leichtgefallen ist, sie preiszugeben, war meine Hauptmotivation, das Ausmaß der Heuchelei aufzudecken, die die studentische Prostitution umgibt. Die finanzielle Unsicherheit der heutigen studentischen Lebensbedingungen darf nicht länger ignoriert werden. Bis jetzt wissen zu wenige Leute von der Existenz dieses Unwesens.
Dieses persönliche Bekenntnis hat das Ziel, ein Bewusstsein herzustellen und Veränderungen herbeizuführen, damit mittellose Studentinnen niemals mehr ihren Körper verkaufen müssen, um ihr Studium bezahlen zu können. Damit nicht nur der Menschenhandel mit Prostituierten in anderen Ländern Entsetzen auslöst, sondern sich die Bemühungen auch auf die Fälle in Frankreich konzentrieren.
Und schließlich, damit man so etwas nie mehr zulässt, damit man nicht länger die Augen davor verschließt.

Kapitel i
Der Bescheid

4. September 2006
Ich schlendere über den Uni-Campus von V. Heute ist kein gewöhnlicher Tag, denn ich schreibe mich für LEA (Langues Étrangères Appliquées), für Angewandte Fremdsprachen, Spanisch und Italienisch, ein.
Vor zwei Wochen habe ich die schriftliche Aufforderung erhalten, ich müsse unbedingt um 14 Uhr 30 im Sekretariat der Universität erscheinen, dort meine Unterlagen abgeben und meinen Studentenausweis entgegennehmen. Ich war ungeheuer aufgeregt und habe eilig alle nötigen Papiere zusammengesucht. Es ist viel Papierkram, doch ich habe es geschafft. Am tollsten war es, das Abiturzeugnis dazuzulegen, denn es symbolisiert sehr konkret das Ende eines Lebensabschnitts. Ich bin auch rasch zur Metrostation gelaufen, um Fotos zu machen. Ich setzte ein breites Lächeln auf, das Lächeln einer Siegerin.
Als ich an diesem Morgen aufstand, habe ich mir, weil ich pünktlich in der Universität sein wollte, die Metroverbindung genau angesehen. Ich wollte keinesfalls die Einschreibung versäumen. Ich habe sogar die öffentliche Verkehrsgesellschaft betrogen, da ich nicht genügend Geld für den Fahrschein hatte. Ich habe mir geschworen, es das Jahr über nicht mehr zu tun und mir eine Dauerkarte zu kaufen, auch wenn sie horrend teuer ist. Ich war fest davon überzeugt, dass die Universität vieles in meinem Leben ändern würde.
In der Metro hielt es mich nicht auf meinem Platz, ich war zu aufgeregt bei dem Gedanken, den Ort kennenzulernen, wo ich studieren und viel Zeit verbringen würde. Mein Walkman, dessen Stöpsel ich normalerweise immer in den Ohren habe, konnte meine Erregung nicht bremsen. Ich vergewisserte mich sogar dreimal, dass ich wirklich alle Unterlagen für die Einschreibung dabeihatte. Ich wollte auf keinen Fall dort ankommen und mir anhören müssen: »Tut mir leid, Mademoiselle, Ihre Unterlagen sind nicht vollständig, Sie können Ihren Studentenausweis nicht bekommen. Sie müssen noch mal wiederkommen.« Nein, Studentin würde ich heute und an keinem anderen Tag.
Ich war so nervös, dass ich fast meine Haltestelle verpasst hätte. Im letzten Moment haben mich die fröhlichen Stimmen einiger Jugendlicher aus meinen Träumereien geweckt. Als sie sich gegenseitig hinausschubsten, erinnerte ich mich, dass auch ich hier aussteigen musste. Ich werde mich an meinen neuen Status gewöhnen müssen: Ich bin jetzt Studentin und keine Schülerin mehr. Ich bin achtzehneinhalb.
Punkt 14 Uhr kam ich auf dem Campus an. Da ich, als ich aus der Metro stieg, nicht genau wusste, wo ich hinmusste, folgte ich einer Gruppe Studenten. Mir blieb noch etwas Zeit, also spazierte ich herum, um mich mit dem Ort vertraut zu machen.
Ich schaue auf einem Plan am Metroausgang nach, wo genau ich mich befinde, damit ich mich nicht verlaufe. Der Campus ähnelt einem richtigen Dorf. Es gibt sogar Schilder, die den Weg zu den verschiedenen Gebäuden weisen. Auf dem Plan mache ich meinen zukünftigen Studienort ausfindig: »Geisteswissenschaften, Gebäude F«. Gebäude F, das ist also mein Standort für dieses Jahr. Ich kann es kaum erwarten, ihn kennenzulernen, wie ein alter Hase die Stufen hinauf- und hinunterzugehen und zu wissen, welche Abkürzung man nimmt, um zu ihm zu gelangen. Ich kann es kaum erwarten, zu dieser Welt zu gehören.
Ich beschließe, einen schnellen Blick zu riskieren, ehe ich mich einschreibe. Ich kann unmöglich wieder nach Hause fahren, ohne gesehen zu haben, wo ich mich im Laufe der nächsten drei Jahre auf meinen Abschluss vorbereiten werde. Als ich davorstehe, muss ich wegen der Septembersonne, einem Nachklang des Sommers, blinzeln. Der Bau ist eher banal, doch das ist mir egal. Heute ist er in meinen Augen gleichbedeutend mit Zukunft.
Ich gebe zu, ich habe mich ein bisschen aus Trotz für das Sprachenstudium entschieden. Ich wollte etwas in Richtung Marketing machen und auf eine Schule gehen, die mir eine erstklassige Ausbildung böte. Ich war immer schon sehr dynamisch und übernehme gerne Verantwortung. Es gefällt mir, dauernd unter Druck zu stehen und mich der Herausforderung zu stellen, die das Verkaufen mit sich bringt. Ich glaube, ich wollte auch so schnell wie möglich eine klare Vorstellung von der Arbeitswelt haben. Ich wollte, dass man mich bestmöglich auf meinen zukünftigen Beruf vorbereitet. Ich suchte den totalen Bruch zum Schülerdasein, das mir wegen seines Protektionismus und der Kindereien eine Last war. Und, seien wir ehrlich, nach einer Wirtschaftsschule eine Arbeit zu finden erweist sich oft als sehr viel...

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Er steht jetzt vor mir, die Hose zu seinen Füßen. Ich stehe in Unterwäsche vor ihm und sehe, wie er mich lange anstarrt. Ich weiß, in knapp einer Minute wird er mich bitten, mich zu ihm zu setzen, und danach wird mein Körper mir eine Stunde lang nicht gehören. Eine Stunde für hundert Euro.
Ich heiße Laura, ich bin neunzehn Jahre alt. Ich studiere Sprachen und muss mich prostituieren, um mein Studium zu finanzieren.
So ergeht es nicht nur mir. Offenbar machen es vierzigtausend Studentinnen wie ich. Das alles folgte einer seltsamen Logik, ohne dass mir wirklich bewusst wurde, worauf ich mich einließ.
Mir wurden keine Silberlöffel in die Wiege gelegt. Luxus und Wohlstand habe ich nie kennengelernt, doch bis zu diesem Jahr hat es mir an nichts gefehlt. Mein Wunsch zu lernen, meine Überzeugungen haben mich immer denken lassen, meine Studienjahre würden die schönsten, die unbekümmertsten meines Lebens werden. Nie hätte ich gedacht, dass mein erstes Jahr an der Universität sich in einen wahren Albtraum verwandeln würde, der mich aus meiner Heimatstadt flüchten lassen sollte.
Mit neunzehn Jahren prostituiert man sich nicht für ein Taschengeld. Man verkauft nicht seinen Körper, um sich Kleider leisten zu können oder einen Kaffee zu bezahlen. Man tut es nur aus der Not heraus und redet sich ein, es sei nur vorübergehend, nur für eine Zeit lang, um die Rechnungen, die Miete und das Essen bezahlen zu können. Studentische Prostituierte trifft man nicht auf der Straße an. Sie sind auch nicht drogenabhängig oder Illegale, und nicht alle stammen aus der Unterschicht. Sie können weißhäutig sein, Französinnen, und aus Familien mit bescheidenem Einkommen stammen. Gemeinsam ist ihnen nur der Wunsch, ihr Studium in einem Land zu absolvieren, das ihnen immer mehr Geld für dieses Studium abknöpft. Die Geschichte, die Sie lesen werden, ereignet sich in einer französischen Großstadt. Ich habe sie V. genannt, um meine Eltern zu schützen. Sie dürfen es nicht erfahren. Niemals. Ich bin ihre liebe kleine, geradezu vorbildliche Tochter. Dickköpfig, ja, aber keine Hure.
Selbstverständlich kann man mir vorwerfen, dass ich nicht meinen erbärmlichen Job behalten habe, um aus der Tretmühle auszusteigen. Die meisten studentischen Prostituierten haben, so wie es auch bei mir der Fall war, einen kleinen Nebenjob, und dennoch gelingt es ihnen nicht, aus den roten Zahlen zu kommen. Die Prostitution und ihre enormen Tarife sind eine viel zu große Versuchung, wenn man kein Geld hat und es dringend auftreiben muss.
Dies ist meine Geschichte, und selbst wenn es mir nicht leichtgefallen ist, sie preiszugeben, war meine Hauptmotivation, das Ausmaß der Heuchelei aufzudecken, die die studentische Prostitution umgibt. Die finanzielle Unsicherheit der heutigen studentischen Lebensbedingungen darf nicht länger ignoriert werden. Bis jetzt wissen zu wenige Leute von der Existenz dieses Unwesens.
Dieses persönliche Bekenntnis hat das Ziel, ein Bewusstsein herzustellen und Veränderungen herbeizuführen, damit mittellose Studentinnen niemals mehr ihren Körper verkaufen müssen, um ihr Studium bezahlen zu können. Damit nicht nur der Menschenhandel mit Prostituierten in anderen Ländern Entsetzen auslöst, sondern sich die Bemühungen auch auf die Fälle in Frankreich konzentrieren.
Und schließlich, damit man so etwas nie mehr zulässt, damit man nicht länger die Augen davor verschließt.

Kapitel i
Der Bescheid

4. September 2006
Ich schlendere über den Uni-Campus von V. Heute ist kein gewöhnlicher Tag, denn ich schreibe mich für LEA (Langues Étrangères Appliquées), für Angewandte Fremdsprachen, Spanisch und Italienisch, ein.
Vor zwei Wochen habe ich die schriftliche Aufforderung erhalten, ich müsse unbedingt um 14 Uhr 30 im Sekretariat der Universität erscheinen, dort meine Unterlagen abgeben und meinen Studentenausweis entgegennehmen. Ich war ungeheuer aufgeregt und habe eilig alle nötigen Papiere zusammengesucht. Es ist viel Papierkram, doch ich habe es geschafft. Am tollsten war es, das Abiturzeugnis dazuzulegen, denn es symbolisiert sehr konkret das Ende eines Lebensabschnitts. Ich bin auch rasch zur Metrostation gelaufen, um Fotos zu machen. Ich setzte ein breites Lächeln auf, das Lächeln einer Siegerin.
Als ich an diesem Morgen aufstand, habe ich mir, weil ich pünktlich in der Universität sein wollte, die Metroverbindung genau angesehen. Ich wollte keinesfalls die Einschreibung versäumen. Ich habe sogar die öffentliche Verkehrsgesellschaft betrogen, da ich nicht genügend Geld für den Fahrschein hatte. Ich habe mir geschworen, es das Jahr über nicht mehr zu tun und mir eine Dauerkarte zu kaufen, auch wenn sie horrend teuer ist. Ich war fest davon überzeugt, dass die Universität vieles in meinem Leben ändern würde.
In der Metro hielt es mich nicht auf meinem Platz, ich war zu aufgeregt bei dem Gedanken, den Ort kennenzulernen, wo ich studieren und viel Zeit verbringen würde. Mein Walkman, dessen Stöpsel ich normalerweise immer in den Ohren habe, konnte meine Erregung nicht bremsen. Ich vergewisserte mich sogar dreimal, dass ich wirklich alle Unterlagen für die Einschreibung dabeihatte. Ich wollte auf keinen Fall dort ankommen und mir anhören müssen: »Tut mir leid, Mademoiselle, Ihre Unterlagen sind nicht vollständig, Sie können Ihren Studentenausweis nicht bekommen. Sie müssen noch mal wiederkommen.« Nein, Studentin würde ich heute und an keinem anderen Tag.
Ich war so nervös, dass ich fast meine Haltestelle verpasst hätte. Im letzten Moment haben mich die fröhlichen Stimmen einiger Jugendlicher aus meinen Träumereien geweckt. Als sie sich gegenseitig hinausschubsten, erinnerte ich mich, dass auch ich hier aussteigen musste. Ich werde mich an meinen neuen Status gewöhnen müssen: Ich bin jetzt Studentin und keine Schülerin mehr. Ich bin achtzehneinhalb.
Punkt 14 Uhr kam ich auf dem Campus an. Da ich, als ich aus der Metro stieg, nicht genau wusste, wo ich hinmusste, folgte ich einer Gruppe Studenten. Mir blieb noch etwas Zeit, also spazierte ich herum, um mich mit dem Ort vertraut zu machen.
Ich schaue auf einem Plan am Metroausgang nach, wo genau ich mich befinde, damit ich mich nicht verlaufe. Der Campus ähnelt einem richtigen Dorf. Es gibt sogar Schilder, die den Weg zu den verschiedenen Gebäuden weisen. Auf dem Plan mache ich meinen zukünftigen Studienort ausfindig: »Geisteswissenschaften, Gebäude F«. Gebäude F, das ist also mein Standort für dieses Jahr. Ich kann es kaum erwarten, ihn kennenzulernen, wie ein alter Hase die Stufen hinauf- und hinunterzugehen und zu wissen, welche Abkürzung man nimmt, um zu ihm zu gelangen. Ich kann es kaum erwarten, zu dieser Welt zu gehören.
Ich beschließe, einen schnellen Blick zu riskieren, ehe ich mich einschreibe. Ich kann unmöglich wieder nach Hause fahren, ohne gesehen zu haben, wo ich mich im Laufe der nächsten drei Jahre auf meinen Abschluss vorbereiten werde. Als ich davorstehe, muss ich wegen der Septembersonne, einem Nachklang des Sommers, blinzeln. Der Bau ist eher banal, doch das ist mir egal. Heute ist er in meinen Augen gleichbedeutend mit Zukunft.
Ich gebe zu, ich habe mich ein bisschen aus Trotz für das Sprachenstudium entschieden. Ich wollte etwas in Richtung Marketing machen und auf eine Schule gehen, die mir eine erstklassige Ausbildung böte. Ich war immer schon sehr dynamisch und übernehme gerne Verantwortung. Es gefällt mir, dauernd unter Druck zu stehen und mich der Herausforderung zu stellen, die das Verkaufen mit sich bringt. Ich glaube, ich wollte auch so schnell wie möglich eine klare Vorstellung von der Arbeitswelt haben. Ich wollte, dass man mich bestmöglich auf meinen zukünftigen Beruf vorbereitet. Ich suchte den totalen Bruch zum Schülerdasein, das mir wegen seines Protektionismus und der Kindereien eine Last war. Und, seien wir ehrlich, nach einer Wirtschaftsschule eine Arbeit zu finden erweist sich oft als sehr viel einfacher als mit einem Universitätsabschluss. Und zudem...

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