Dieses Buch habe ich nur durch Zufall in die Hände genommen, aber der Klappentext war so interessant das ich es nun gelesen habe und tief beeindruckt bin.
Erzählt wird die Geschichte von Stella und Ivo: 2 Menschen, die nicht miteinander und nicht ohne einander leben können. Die sich als Kinder begegnet sind, als Stella`s Vater Frank mit Ivo`s Mutter Emma eine Affäre begann, die auch die beiden Kinder geprägt und sich miteinander hat verbinden lassen. Als nach Emma`s gewaltsamen Tod Ivo von Frank adoptiert wird, ist er der neue Bruder in der Familie der Tissmars und auch Leni die ältere Schwester von Stella nimmt das neue Familienmitglied auf. Die Ehe der Eltern von Stella wird geschieden, die Mutter geht nach Amerika in ein neues Leben und zu einem neuen Mann. So bleiben die Kinder in Deutschland bei Frank und dessen Großtante Tulja, die auch bei Ivo dann die Mutterstelle vertritt.
Ivo, der nach dem Tod seiner Mutter fast ein Jahr lang nicht mehr spricht so das es sich Stella zur Aufgabe gemacht seine Stimme zu werden. Sie spricht, weint und trauert für ihn und alleine dadurch zeigt sich die tiefe seelische Verbindung der beiden auf, denn nur sie kann seine Gefühle, Gesten und Blicke verstehen und verbal zum Ausdruck bringen was Ivo mitteilen möchte.
Stella ist 15 als ihr klar wird, das sie Ivo liebt und von da an, ist nichts mehr wie es war und diese Liebe nimmt einen Verlauf, der für beide Seiten so schmerzhaft und zerstörerisch wird, das einer gehen muß um sich zu retten und für beide ein neues Leben zu ermöglichen...
Doch 7 Jahre später kommt Ivo zurück und von dem Tag an ist Stella nicht mehr sie selbst. Ihre Ehe und ihr Sohn können auch dieses Mal nichts aufhalten und so nimmt eine neue, alte große Liebe wieder ihren Anfang...
Welch eine gewaltige Geschichte habe ich da gelesen! Die Autorin beschreibt mit großem und vorallem realistischem Einfühlungsvermögen 2 Menschen, die aneinandergekettet sind durch Liebe und Schuld! Wobei sich dem Leser erst im Laufe des Buches erschließt, woraus diese in ihren Augen große Schuld besteht. Denn immer wieder läßt Nino Haratischwili Rückblenden einfließen, die die Kindheit der beiden aufzeigt um dann in die Gegenwart zu Ivo`s Rückkehr zu wechseln.
Das fand ich sehr gelungen, denn beide Handlungsstränge sind intensiv beschrieben so das ich als Leserin das gleiche Wechselbad der Gefühle durchlebt habe wie Stella und Ivo und der Rest der Familie, der sich große Sorgen um die beiden macht.
Ich habe mit ihnen gelitten, geliebt und getrauert und großes Gefühlskino in Buchform genossen.
Dieser Roman ist geschrieben in einem sehr klaren, eleganten und tiefem Stil, der mich von der ersten Seite an hat lesen lassen fast ohne aufzuhören. Alles um mich herum war vergessen und ich bin ganz in der Geschichte von Stella und Ivo aufgegangen und auch jetzt noch, nach dem Ende des Buches denke ich darüber nach, wie man als Mensch mit solch einer Liebe umgehen kann. Ob es möglich gewesen wäre diesen großen Gefühlen auszuweichen oder nicht, ohne dabei so großen seelischen Schmerz zu erfahren, wie Stella und Ivo..
Fazit: Ein sehr berührendes und intensives Buch, von dem ich froh bin, es entdeckt zu haben.