Den Sprung über den großen Teich zu machen, ist das eine - darüber ein gutes Buch zu schreiben, etwas ganz anderes. Julia Krausen ist nur ersteres gelungen.
Sie bietet nicht mehr als dürre Informationshäppchen zu allerlei Themen, die man sich auf einschlägigen Websites genauso gut besorgen kann. Größtes Manko: Die Autorin verwechselt ihre eigene Erfahrungen mit Wissen. Und weil das so ist, gelangt sie zum Beispiel unter dem Rubrum "Was sind US-Territorien" zu der überraschenden Ansage: "Neue Gebiete können durch Kauf oder durch Annexion erworben werden." Wie jetzt - Annexion? Der Sündenfall von 1898 (Anschluss von Hawaii) wird ganz nebenbei zum politischen Prinzip erklärt, für das der in Honolulu geborene Barack Obama, den die Autorin unter dem Stichwort "Präsident" im grammatikalischen Nirwana landen lässt, sicher nur eines übrig hätte: ein klares Dementi.
Das Buch, das Nutzwert bieten will (aber noch nicht einmal Seitenzahlen hat), ist nicht logisch sortiert, etwa wenn unter der Überschrift "Vorbereitungen in Deutschland" erklärt wird, wie man in den USA den Führerschein macht. Das Kapitel "Auswanderer berichten" - eine billige Zweitverwertung der Fernseh-Doku-Soap "Mein neues Leben" - wirkt wie ein Fremdkörper.
Im Kapitel "Kulturelles" wimmelt es von Plattitüden. Zum Beispiel erfahren wir, dass die Regale im Supermarkt voll mit allem sind, was das Herz begehrt: "In einer Reihe stehen Gurken am Stück, geschnitten oder in Scheiben." Oha, jetzt wissen wir wenigstens, in welcher Hinterwelt wir in Deutschland noch immer leben.
Last not least: Das Werk ist schlecht redigiert und enthält zahlreiche Druckfehler, weggelassene Interpunktionszeichen, Kauderwelsch. Die Autorin, die sich nicht entscheiden kann, ob sie von "der USA" (im Singular) oder "den USA" (im Plural) spricht, schreibt Sätze wie diesen: "Das soziale Leben spielt sich - sofern das Wetter es zulässt - im Freien ab." Was will sie uns damit sagen, vielleicht gar etwas Schlüpfriges?
Fazit: Eine Anfängerarbeit, die sich nur für Leute lohnt, die über die Vereinigten Staaten (der Plural ist übrigens richtig) überhaupt noch nie etwas gehört oder gelesen haben.