Ich würde mich weder als ausgeprochenen Kinski- noch als reinen Herzog-Fan bezeichnen - Ein Kinski-Herzog-Fan bin auf jeden Fall. Das liegt daran, dass Kinski zwar ein hervorragender Schauspieler war, aber die Zahl seiner wirklich guten und anspruchsvollen Rollen sehr überschaubar bleibt, da er in unzähligen Trash-Produktionen mitgewirkt hat. Herzog ist unbestritten einer der besten deutschen Regisseure. Seine wichtigsten Werke hat er meiner Meinung nach gemeinsam mit Kinski gemacht. Das soll aber nicht heissen, dass z.B. "Herz aus Glas" unbedingt schlechter ist. Es ist nur so, dass die gemeinsamen Filme der beiden 'Feinde' eine ganz eigene und herausragende Qualität besitzen
'Mein liebster Feind' ist keine Dokumentation, die die Lebensgeschichte eines Schauspielers erzählt. Der Film ist wohl eher als eine späte Aufbereitung der Hassliebe zweier schwieriger Menschen zu verstehen. Dem Zuschauer wird nach den ersten zehn Minuten sehr schnell klar, dass sich die ganze Sache nicht ausschließlich um Klaus Kinski dreht. Herzog versteht es meisterhaft, auch sich selbst zu inszenieren, wobei er geschickt auf Understatement setzt. Seine ruhige, fast dozierende Art zu erzählen steht im krassen Gegensatz zu den zahlreichen Filmausschnitten, in denen sein 'liebster Feind' voller Energie und Leidenschaft schauspielert, schreit, kreischt, pöbelt und sich gehen lässt. Diese geschickte Art der Darstellung unterstreicht das Bild der zwei entgegengesetzten Pole, das sowohl Regisseur als auch Schauspieler zu Lebzeiten Kinskis in einem fast exhibitionistischen Eifer der Öffentlichkeit geliefert haben.
Bei allem Respekt kaufe ich Herzog den gefassten, nachsichtigen und lieben Typen nicht ganz ab, den er selbst in 'Mein liebster Feind' darstellt. Das hat zwei Gründe: Einerseits macht er in den Interviews häufig den Eindruck, dass er sich am liebsten selbst reden hört, andererseits könnte man ihm durchaus vorwerfen, dass er den toten Kinski für seinen Film ausbeutet. Immerhin sind es wohl gerade die gezeigten Ausbrüche Kinskis, die den Film für einige Zuschauer erst interessant machen dürften. Ich will hier Herzog allerdings nicht diskreditieren; jeder Zuschauer möge sich sein eigenes Bild von ihm machen. Man muss ihm auch positiv anrechnen, dass er in dieser Dokumentation sehr um Ausgleich bemüht ist. Allem voran Claudia Cardinale und Eva Mattes verstehen es in ihren Erinnerungen, den sensiblen und liebenswerten Klaus Kinski hervorzuheben. Die sehr schöne Schlußeinstellung, die Kinski entspannt und lächelnd mit einem Schmetterling zeigt, gewährt dem Zuschauer einen kurzen und intimen Blick auf einen Menschen, der viel mehr war als nur ein unkontrollierbarer Egomane.
Letzendlich ist 'Mein liebster Feind' eine hochinteressante Dokumentation über zwei Menschen, die durch ihre Leidenschaft zum Film fast untrennbar miteinander verbunden waren, doch auf der anderen Seite wie Feuer und Wasser zueinander standen.
Wer sich übrigens für weitere Einblicke in die Beziehung zwischen Kinski und Herzog interessiert, sollte unbedingt Kinskis Autobiographie "Ich brauche Liebe" (früherer Titel der ungekürzten Ausgabe: "Erdbeermund") lesen. Zwei Warnungen vorneweg: Dieses Buch ist eine undurchschaubare Verschmelzung von Fiktion und Wahrheit und das Wort Autobiographie gehört in dicke Anführungsstriche. Der andere Punkt ist, dass die gemachten Pornographievorwürfe nicht unerwähnt bleiben sollten. Empfindsame Leser sollten diesen Titel lieber meiden. Letztendlich trägt Kinski sein Innerstes, wie auch in 'Paganini', schonungslos nach außen.
Kurz noch zur DVD: Die Bild- und Tonqualität ist absolut in Ordnung. Bonusmaterial ist bis auf ein paar Trailer und Infotexte kein weiteres vorhanden. Die DVD ist auf jeden Fall ein wertvolles Sammlerstück für Kinski- und/oder Herzog-Fans. Auch Zuschauern, die sich allgemein für das Filmemachen oder deutsches Kino interessieren, sei die Scheibe wärmstens ans Herz gelegt.