Kurzbeschreibung
Authentisch und erfrischend anders: Monika von Ramins unentbehrlicher Begleiter durch die "kritischen Jahre".
Mit trockenem Humor, herzerfrischender Offenheit und viel Selbstironie zeigt die Autorin, dass auch der letzte Tampon Frauen nicht vor frecher Mode, neuen Beziehungen und schlechter Laune schützt.
Auszug aus Mein letzter Tampon von Monika von Ramin. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Lass dich bloß nicht beim Älterwerden erwischen
Irgendwann hat es dich unerwartet erwischt. »Liebling, es ist so furchtbar heiß
hier, kannst du das Fenster aufmachen?« Sowie du den Satz ausgesprochen hattest,
dräute dir, dass du jetzt dran bist. Natürlich hast du erst mal eine Grippe in
Erwägung gezogen. »Leider nicht«, sagte das Fieberthermometer. Und dann bist du
zu deinem Frauenarzt gestiefelt und der hat, so schien es dir, dein Todesurteil
gesprochen: »Wechseljahre.«
Den Gedanken an die Menopause (ein noch ekligeres Wort als Wechseljahre) hattest
du genauso verdrängt wie den an deine eigene Beerdigung. Du hattest um Frauen,
die in den Wechseljahren waren und (unerhört!) darüber auch noch redeten, immer
einen großen Bogen gemacht. Du, nein du würdest einfach von den Wechseljahren
nichts merken. Punktum. Ende.
Und plötzlich fiel es dir wie Schuppen aus den Haaren: diese ständigen
Kreislaufstörungen, neulich die Panikattacke, das Herzrasen damals im
Restaurant, als du dachtest, vom Stuhl zu fallen. Ach ja. Dein erheblich
gestiegener Verbrauch an Kopfschmerztabletten. Ach so. Die kleinen Pölsterchen,
die sich um deine Hüften geschmiegt haben. Nein, die kamen nicht davon, dass du
aufgehört hast zu rauchen. Und es waren auch nicht deine Sorgen, die dich in den
letzten Monaten um den Schlaf gebracht haben.
Und jetzt? Jugend ade! Die nächste Panikattacke kündigte sich umgehend an. Die
Angst, die du so lange erfolgreich verdrängt hattest, überfiel dich innerhalb
von Minuten. Gehöre ich jetzt zum alten Eisen, hast du dich gefragt. Was wird
mein Mann dazu sagen? Also hast du erstmal beschlossen, weder deinem Mann noch
irgendwem sonst etwas von deinen Wechseljahren zu sagen.
Helden in den Wechseljahren
Auch Männer kommen in die Wechseljahre, weigern sich jedoch beharrlich, diese
zur Kenntnis zu nehmen. Sonst würden sie Zeitungen zum Thema herausgeben. Die
Forschungsetats lägen in der Größenordnung der AIDS-Hilfe und sie würden sich
Plaketten anstecken mit einem Lorbeersymbol, das sie als Angehörige eines
magischen Zirkels ausweist. Symposien zum Thema »Mit Erfolg zum
Schweißausbruch«, Seminare »Synergien der Depression«, Kongresse wie die
»menocom« oder die »bloodex« würden in ihren Terminkalendern stehen. Karl
Lagerfeld hätte schon längst den Sensorfächer designed, der in die Anzugtasche
passt und beim Anstieg der Körpertemperatur für Kühlung sorgt. In jedem guten
Restaurant würde der Kellner unaufgefordert weiße Handtücher zum Aperitif
reichen. Und die Helden würden sich mit der Anzahl ihrer nächtlichen
Schweißausbrüche gegenseitig übertrumpfen. Bettdecken mit automatisch sich
öffnenden Ventilen wären neben Hosen und Schuhen mit unendlichen
Klettbandverschlüssen der absolute Renner und ich schwöre dir, die
Raumtemperatur in allen Konferenzsälen dieser Welt würde garantiert nicht über
sechzehn Grad liegen. Die neuesten Hormontabletten würden das Medienecho von
Viagra übertreffen. Und Tausende von Vorstands-Assistenten würden immer Tampons
in ihren Aktenkoffern rumschleppen für den Fall, dass es den Boss bei der
Aktionärsversammlung erwischt. Und du, du kannst nicht mal mit deiner besten
Freundin darüber reden!
Liebling, mach das Fenster auf
Schluss damit! Mach das Fenster auf und lass frischen Wind herein. Du hast noch
mindestens die Hälfte deines Erwachsenenlebens vor dir. Da hilft kein Jammern
und Verkriechen, da helfen nur neue Ideen, Interessen und Ideale. Und eine dicke
Portion Humor.
Wie heißt doch der uralte Poesiealbumsspruch: Wenn du lachst, lacht die Welt mit
dir, wenn du weinst, dann weinst du allein.