Der 1932 in Chemnitz geborene Schauspieler Michael Degen überlebte den Nationalsozialismus mit seiner Mutter im Berliner Untergrund. Nach seiner Ausbildung am Deutschen Theater in Berlin ging er 1949 für einige Jahre nach Israel. Seine Mutter hatte ihn gebeten, dort nach seinem älteren Bruder zu suchen, der 1940 über Dänemark und Schweden aus Deutschland fliehen konnte. Da sie entgegen ursprünglicher Absichten nun doch nicht nach Israel auswandern wollte, kehrte auch der Autor nach Deutschland zurück. U.a. unter der Regie von Ingmar Bergmann, Peter Zadek und George Tabori trat er an allen großen Bühnen auf. Seine 1999 bei Econ erschienene Autobiographie "Nicht alle waren Mörder" wurde zum Bestseller.
Der Autor hat bereits als Siebzehnjähriger einiges erlebt. Auf dem Seewege von Marseille kommend betritt der Michael aus dem Jeckenland das Heilige Land. Zahlreiche Herausforderungen harren seiner. Kaum an Land erhält er ungefragt die israelische Staatsbürgerschaft und wird zum Miltärdienst einberufen. Doch er will nicht Soldat sein, er will seinen Bruder zu finden. Ganz auf sich allein gestellt muß er all seinen Mut und seine Kraft aufbringen, um sich in diesem fremden Land durchzuschlagen, das ihm bald zur zweiten Heimat wird. Bei seinen anschaulichen und packenden Schilderungen erfährt der Hörer viel über Israel, das Land im Aufbruch, in das von überall her Menschen strömen. Über die Erzählung vieler persönlicher so bewegender wie amüsanter Erlebnisse hinaus wie mit dem Großonkel, den Frauen Luba und Judith oder am Theater in Tel Aviv gelingt Degen ein lebendiges, bewegendes Bild der Gründerjahre Israels. Gegenwartsschilderungen wechseln sich dabei stets ab mit Rückblenden auf die Tragik der letzten Jahre in Deutschland.
Michael Degen liest überaus eindringlich die von Herzblut getränkten Texte über Begebenheiten aus seinem Leben. Seine wandlungsfähige Stimme gibt dem Hörer das Gefühl, nicht nur eine, sondern mehrere Personen vor sich zu haben. Dabei erfährt der Hörer so viel, daß er gar nicht anders kann, als das Hörbuch ein zweites Mal abzuhören, um all die interessanten Details des Judentums und des Lebens in Israel aufzusaugen. Das Schöne am Medium Hörbuch ist, daß einem über die bewegenden geschriebenen Worte des Autoren auch seine Stimme ans Herz wachsen kann. Es fällt daher schwer, sich nach den knapp 7 mitreißenden Hörstunden aus Degens deutsch-israelischer Welt zu verabschieden. Den 6 Cds ist ein Booklet beigefügt, das einen Blick auf die israelische Küste zeigt, so wie sie sich dem jungen Michael 1949 dargeboten haben könnte.
Fazit: Faszinierende Mischung verschiedenster Eindrücke eines deutschen Juden in Israel und Deutschland. Überaus empfehlenswertes Hörbuch über ein Leben, wie es dramatischer und praller kaum sein könnte.