George Stevens' "Shane" (1953) gehört wohl neben John Fords "The Searchers" zu den besten Western der Filmgeschichte. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe von Farmern, die sich im Süden der USA ein neues Zuhause aufbauen wollen. Ihre Bedürfnisse sind gering und sie erhoffen sich, dass aus der Siedlung einmal eine Stadt wird - mit einer Schule und einer Kirche.
Dem Rinderzüchter Ryker sind die Farmer ein Dorn im Auge, weil er sein Vieh durch ihre Gebiete zum Wasser treiben muss. Er und seine Leute schikanieren sie, wo es geht, um sie fortzujagen.
Der Film beginnt mit einem Mann (Alan Ladd), der einen Berg herunterreitet. Er scheint aus dem Nichts zu kommen. Er trägt weiße Buckskins und einen mit Perlen verarbeiteten Revolver. Er trifft auf Joe Starret (Van Heflin), den Sprecher der Farmer, der ihn für einen von Rykers Männern hält. Es entspinnt sich ein Disput, jedoch merkt Starett bald, dass der Fremde, der sich Shane nennt, nichts im Schilde führt. Starret fragt ihn, ob er bleiben und für ihn arbeiten wolle. Shane willigt ein und tauscht seine Buckskins am nächsten Tag gegen Farmerkleidung ein.
Es entsteht eine eigentümliche Familie. Staretts Frau Marion (Jean Arthur) scheint eine Faszination für Shane zu empfinden, obwohl sie es missbilligt, dass er dem Sohn Joey das Schießen beibringt. Eine noch tiefere Zuneigung scheint Joey selber zu empfinden (in Jack Schaefers Roman ist die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt). Für ihn wird Shane zu einer Heldenfigur unendlichen Ausmaßes, so dass er gar nicht mehr sagen kann, wen er mehr liebt, seinen Vater oder Shane.
In dem Konstrukt von Gefühlsregungen erscheint die Beziehung Starett/Shane zunächst ziemlich unklar. Erst gegen Ende wird es deutlich, als Starett zum Duell mit Ryker und dem angeheuerten Killer Wilson (Jack Palance) aufbrechen will, und er zu Marion sagt: "Auch wenn ich sterbe, wird jemand für dich und Joey sorgen".
George Stevens "Shane" als Klassiker zu bezeichnen, ist vielleicht sogar untertrieben. Es ist im Prinzip "der Western". Die erforderten Prügeleien und Schießereien sind sorgsam choreographiert, gerade die Prügelei zwischen Starett und Shane ist besonders eindrucksvoll, da sie durch einen Stall von Rindern fotografiert ist, die aufgrund des Lärms durchdrehen und versuchen über den Zaun zu springen. Der finale Shoot-out zwischen Shane und Wilson/Ryker ist häufig kopiert worden, etwa in Don Siegels "The Shootist" (mit John Wayne), aber nie mehr in der Motivation und Präzision erreicht worden.
Die in Technicolor geschossenen Bilder, in denen sich im Hintergrund die Berge wie Riesen auftürmen, haben etwas biblisches an sich, das durch die gewaltlose Haltung der Farmer und ihr Gottvertrauen noch verstärkt wird. Ein Film wie in Öl gemalt.