Pressestimmen
"Eine detaillierte und intelligente Fallstudie über ein Unternehmen, welches mit allen herkömmlichen Regeln des Wirtschaftens brach und damit einen solchen Erfolg hatte, den sich niemand hätte vorstellen können."
Boston Globe
"Dieses Insider-Buch gibt darüber Auskunft, wie eBay zu dem wurde, was es heute darstellt: Ein Unternehmen, das in unser Bewusstsein und unseren Alltag eingezogen ist und dabei - im Gegensatz zu all den anderen dubiosen Internet-Firmen - die Boomzeiten der New Economy nicht nur gut überlebt hat, sondern darüber hinaus auch äußerst profitabel ist."
Chicago Tribune
"Cohen ist ein tiefgründiger Journalist, der in diesem Buch kunstvoll die Entwicklung des Unternehmens eBay mit Geschichten von einzelnen Personen rund um diesen Marktplatz verbindet: so zum Beispiel die Geschichte von einer Hausfrau aus Indiana, die zunächst nur alte Videospiele verhökerte, jedoch innerhalb kürzester Zeit zu einer der größten Lieferantin von Verpackungsmaterial für andere eBay-Verkäufer avancierte."
Washington Post Book World
"Wie Adam Cohen überzeugend darstellt, hatte eBay die richtige Grundidee; aber diese allein macht eben noch kein erfolgreiches Unternehmen aus. Die Stärke von "Mein eBay" liegt in der Art und Weise, wie es uns die Entwicklung dieses Unternehmens näher bringt: von einem klapprigen Netzwerk bis hin zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Wunderkind des Internets."
New York Observer
Boston Globe
"Dieses Insider-Buch gibt darüber Auskunft, wie eBay zu dem wurde, was es heute darstellt: Ein Unternehmen, das in unser Bewusstsein und unseren Alltag eingezogen ist und dabei - im Gegensatz zu all den anderen dubiosen Internet-Firmen - die Boomzeiten der New Economy nicht nur gut überlebt hat, sondern darüber hinaus auch äußerst profitabel ist."
Chicago Tribune
"Cohen ist ein tiefgründiger Journalist, der in diesem Buch kunstvoll die Entwicklung des Unternehmens eBay mit Geschichten von einzelnen Personen rund um diesen Marktplatz verbindet: so zum Beispiel die Geschichte von einer Hausfrau aus Indiana, die zunächst nur alte Videospiele verhökerte, jedoch innerhalb kürzester Zeit zu einer der größten Lieferantin von Verpackungsmaterial für andere eBay-Verkäufer avancierte."
Washington Post Book World
"Wie Adam Cohen überzeugend darstellt, hatte eBay die richtige Grundidee; aber diese allein macht eben noch kein erfolgreiches Unternehmen aus. Die Stärke von "Mein eBay" liegt in der Art und Weise, wie es uns die Entwicklung dieses Unternehmens näher bringt: von einem klapprigen Netzwerk bis hin zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Wunderkind des Internets."
New York Observer
Focus, 22. November 2004
"Für seine Recherchen traf Cohen mehrfach den Ebay-Gründer Pierre Omidyar und bezog einen Schreibtisch in der US-Firmenzentrale. Unterhaltsam rekapituliert der 42-Jährige Anekdoten und Wendepunkte des Unternehmens."
TV Movie, 16. Dezember 2004
"Buch Top-Tipp. Toll geschriebene Geschichte einer brillanten Idee mit sympathisch-schrägen Typen - genial!"
Financial Times Deutschland, 24. November 2004
"Was hat Ebay, was die anderen Dotcom-Firmen nicht haben? Ein Erfolgsgeheimnis wird enthüllt."
Kurzbeschreibung
Als Pierre Omidyar ihnen seine Idee für Online-Auktionen erklärte, hielten ihn selbst seine besten Freunde für verrückt. Warum sollte irgendjemand über das Internet mit vollkommen Fremden Geschäfte machen? Wenige Jahre später ist aus eBay ein globaler Marktplatz und Pierre Omidyar zum Multimilliardär geworden. In "Mein eBay" erzählt Adam Cohen eBays Geschichte zum ersten Mal aus nächster Nähe. Der renommierte Journalist der New York Times erhielt für seine Recherchen einen Mitarbeiterausweis und einen Arbeitsplatz im eBay-Hauptquartier im Silicon Valley und konnte von den frühen Aushilfen bis zu CEO Meg Whitman alle Beteiligten befragen. Cohen geht nicht nur dem Erfolgsrezept von eBay auf den Grund, sondern widmet sich auch der leidenschaftlichen Gemeinschaft von Nutzern, die sich um eBay herum entwickelt hat - von der ehemaligen Hausfrau, die aus dem Verkauf von Luftpolsterfolie ein florierendes Geschäft machte, über die Sammler historischer Bügeleisen bis zu einer jungen Mutter, die ihr Gedächtnis verlor, nach Alaska zog und von dort als "Pongo" zur Heldin der eBay-Gemeinschaft wurde. Die "Geschichten vom Marktplatz der Welt" vermitteln dem wirtschaftlich Interessierten das Erfolgsrezept des unbestrittenen Stars der Internet-Ökonomie, erinnern augenzwinkernd an den Geist der Boomjahre und bringen dem eBay-Fan die Geschichte seiner Gemeinschaft näher.
Auszug aus "Mein eBay" - Geschichte und Geschichten vom Marktplatz der Welt von Adam Cohen. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der Legende nach begann alles mit PEZ.
Im Sommer 1995 saß Pierre Omidyar zu Hause in Campbell beim Abendessen mit seiner Verlobten, Pam Wesley. Wesley sammelte PEZ-Spender und beklagte sich, dass sie, seit sie von Boston ins Silicon Valley gezogen waren, niemanden mehr zum Tauschen hatte. Omidyar kam die Idee, dass das Internet vielleicht helfen könnte. Um seiner Verlobten zu helfen, schrieb er das Programm, aus dem schließlich eBay werden sollte.
Diese PEZ-Geschichte ist immer und immer wieder erzählt worden, wenn es um die Entstehung von eBay ging. Es ist jedoch, wie Omidyar eingesteht, die romantisierte Version der Gründungsgeschichte. In Wahrheit war Omidyar in jenem Sommer 1995, wie jeder Entwickler in einem Umkreis von 100 Meilen um San Jose, besessen vom Internet und von der Frage, wie man es nutzen konnte.
Omidyar war nicht wegen des Internet in den Westen gekommen. Er wollte für den Macintosh programmieren, die Computerplattform, für die er sich seit der High School begeisterte. Doch im Silicon Valley des Jahres 1995 lag das Internet einfach in der Luft, es war die alles beherrschende Vision. Zu dieser Zeit war das Internet allgemein auf dem Vormarsch. Anbieter wie AOL, CompuServe und Prodigy brachten Millionen Amerikaner ins Netz. Die Seiten von Jerry Yang und David Filo, zwei Studenten der Stanford-Universität, wurden unter dem Namen Yet Another Hierarchical Officious Oracle mehr als eine Million Mal am Tag aufgerufen: Yahoo!. Die letzten Zweifel über die kommerziellen Möglichkeiten des neuen Mediums wurden zumindest für einige Jahre ausgelöscht, als Netscape im August an die Börse ging. Der Startschuss für die Internet-Revolution war gefallen.
Omidyar war bereit. Er war seit seinen frühen Studentenjahren online gewesen, als das Internet noch das Online-Äquivalent eines High-School-Labors war, in dem strebsame Ingenieur-Studenten in den Newsgroups Witze austauschten, deren Pointen 3,141159 lauteten, und bis in die Morgenstunden die Geschichte der Klingonen aus Star Trek diskutierten. An der Uni war Omidyar selbst Mitglied einer Usenet-Newsgroup für Macintosh-Programmierer gewesen.
Mitte der 90er-Jahre entstand jedoch ein neues Internet. Die Newsgroups wurden von etwas viel Bunterem an den Rand gedrängt: dem World Wide Web, das es plötzlich jedem mit einem PC und einem Modem ermöglichte, weltweit auf Dokumente und Computer zuzugreifen. Dieses neue Internet, durch das die Buchstaben www in die Alltagssprache gelangten, verband Menschen auf der ganzen Welt nicht mehr durch statische Nachrichten in den Newsgroups, sondern interaktiv und in Echtzeit. Jedem, der sich mit diesem neuen Internet beschäftigte, war sofort klar, dass es die Welt verändern würde.
Natürlich beschäftigte sich das gesamte Silicon Valley damit. In jenem Sommer schienen die Leute von nichts anderem mehr zu reden. Programmierer und Unternehmer zerbrachen sich die Köpfe über die besten Anwendungen für die neue Technologie und machten Pläne, um ihren Businessplan zu platzieren. Arzneimittel, Bücher oder Möbel verkaufen, Nachrichten, Lebensmittel oder Tierfutter ausliefern, Glücksspiel, bekannte Persönlichkeiten oder Pornographie integrieren: Die Millionen oder Milliarden würden schon fließen. Im Vergleich zu den großen Plänen, die in diesem Sommer im Silicon Valley die Runde machten, hatte die Anwendung, die Omidyar vorschwebte, die Attraktivität einer Schulaufgabe.
Zu jeder anderen Zeit, an jedem anderen Ort wäre der Versuch, einen vollkommenen Markt zu schaffen, als obskures Vorhaben erschienen. Mitte der 90er-Jahre waren die Finanzmärkte jedoch genauso Teil der neuen Kultur im Silicon Valley wie die Mikrochips. Jeden Tag gingen neue Unternehmen an die Börse und brachten immer mehr frisch gebackene Millionäre hervor. Omidyar hörte immer wieder davon, wie Insider, oft Freunde oder Familien der Gründer, durch Aktiengeschäfte reich wurden, zu denen der normale Investor keinen Zugang hatte. Dies war bei Börsengängen üblich, erschien ihm jedoch unfair.
Omidyar hatte diesen Prozess am eigenen Leib erlebt. Einige Jahre zuvor hatte er den Fortschritt einer angesagten neuen Videospiel-Firma namens 3DO verfolgt. Wie viele Techniker glaubte Omidyar an die Vision, für die Videospiel-Industrie einen Standard zu entwickeln. Als 3DO im Mai 1993 seinen Börsengang
ankündigte, zeichnete er über seinen Makler 3DO-Aktien. Er hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass 3DO dessen Vorstandsvorsitzender Trip Hawkins später von der Zeitschrift People zu den 50 Schönsten gezählt wurde einer der erfolgreichsten Börsengänge des gesamten Booms werden würde. Die Aktien von 3DO eröffneten mit einem Kurs von 15 Dollar, doch als Omidyar sein Depot prüfte, stellte er fest, dass der Kurs bereits um 50 Prozent nach oben geschossen war, bevor sein Auftrag ausgeführt worden war. Am Ende ging alles gut: Omidyar konnte seine Anteile mit einem guten Gewinn verkaufen. Es störte ihn aber, dass es so in einem freien Markt nicht zugehen sollte: Bevorzugte Käufer erhielten einen Preis und normale Leute mussten für dieselbe Aktie nur Augenblicke später einen erheblichen Aufschlag bezahlen.
Omidyars Lösung waren Online-Auktionen. Er hatte noch nie an einer Auktion teilgenommen und wusste nicht viel darüber. Er stellte sich lediglich einen interessanten Mechanismus vor, der auf natürliche Weise einen fairen und korrekten Preis für Aktien und alle möglichen anderen Güter hervorbringen würde. Anstatt eine Kleinanzeige zu schalten und zu sagen: Ich habe dieses Ding zu verkaufen, gib mir 100 Dollar dafür, startet man eine Auktion und legt lediglich einen Minimalpreis fest, erläuterte Omidyar. Wenn mehr als eine Person Interesse hat, sollen sie es untereinander auskämpfen. Am Ende des Kampfes, fuhr Omidyar fort, wird der Verkäufer definitiv den fairen Marktpreis für sein Gut erhalten, was auch immer dieser an einem beliebigen Tag gewesen sein mag.
Da er noch immer für General Magic arbeitete, musste Omidyar den vollkommenen Markt in seiner Freizeit programmieren. Er bastelte an den Abenden und Wochenenden ständig an irgendwelchen Internet-Anwendungen herum. Er hatte bereits ein Programm für E-Mail-Schach geschrieben, das er kostenlos im Internet anbot. Außerdem hatte er die Programmierung für eine Anwendung abgeschlossen, die er WebMail Service nannte und mit der Nutzer kleiner Taschencomputer wie des Newton über E-Mail Zugriff auf das Internet bekamen. Zuletzt hatte er
WebMail Watch Service fertig gestellt, ein Programm, das Websites
beobachtete, für die sich die Nutzer interessierten, und diese benachrichtigte, wenn sich etwas änderte.
Als das Labor-Day-Wochenende nahte, beschloss Omidyar, an diesem langen Wochenende sein Programm für den vollkommenen Markt zu schreiben. Am Freitagnachmittag zog er sich in sein Arbeitszimmer, das zweckentfremdete Gästezimmer im zweiten Stock seines bescheidenen Reihenhauses, zurück und begann zu programmieren. Bis zum Montagabend war seine erste Auktions-Website fertig. Sie war nicht schön anzuschauen. Mit ihrer schwarzblauen Schrift auf langweilig-grauem Hintergrund erinnerte sie stark an die alten Usenet-Newsgroups. Omidyar hatte keine Ahnung, was die Leute wohl verkaufen wollen würden. Also richtete er einfach Kategorien ein, die ihm in den Sinn kamen: Computer-Hardware und -Software, Elektronik-Artikel, Antiquitäten und Sammlerstücke, Bücher und Comics, Automobile sowie Verschiedenes. Das Programm, das Omidyar geschrieben hatte, ermöglichte drei Dinge: Artikel anbieten, Artikel ansehen und Gebote abgeben. Der Name, den er wählte, war genauso pragmatisch wie die Website!
selbst:
AuctionWeb.
Weil AuctionWeb nicht mehr als ein Hobby war und er den Dienst kostenlos anbieten wollte, musste Omidyar die Kosten möglichst gering halten. Er entwickelte das Programm, indem er kostenlose Programmteile, die er im Internet fand, zusammenbaute, und er betrieb die Website von zu Hause über seinen normalen Internet-Service-Provider für 30 Dollar im Monat. Anstatt eine komplett neue Website aufzusetzen, hängte er AuctionWeb an eine, die er bereits betrieb: Im Frühjahr hatte er seine Arbeit als freiberuflicher Berater und Entwickler unter dem Namen Echo Bay Technology Group zusammengefasst. Der Name bezog sich weder auf das Naturschutzgebiet Echo Bay in Nevada noch auf irgendeine andere real existierende Echo Bay. Es hörte sich einfach cool an, erinnert er sich. Als er dann jedoch die Domain EchoBay.com registrieren wollte, musste er feststellen, dass er ein paar Monate zu spät kam: Die kanadische Firma Echo Bay Mines, die in Nevada nach Gold suchte, benutzte echobay.com bereits
für ihr Unternehmen. Omidyar entschied sich für die seines Erachtens beste Alternative: eBay.com.
Zu dem Zeitpunkt, als er AuctionWeb startete, betrieb Omidyar auf eBay.com bereits drei andere Websites. Die eine war für ein kleines Biotech-Start-up, für das seine Verlobte Pam Wesley als Unternehmensberaterin gearbeitet hatte. Eine weitere war für die Gruppe der Ehemaligen der Tufts-Universität im Raum San Francisco, deren Vorsitzende Pam war. Die dritte gehörte Omidyar: Ebola Information widmete sich dem Ebola-Virus. Er präsentierte darauf Bilder des Virus, die er auf der Website des Gesundheitsministeriums fand, und verlinkte auf Nachrichten und Fakten zum Virus und zu Ebola-Ausbrüchen. Um zu AuctionWeb zu gelangen, mussten die Nutzer ebay.com/aw in ihren Browser eingeben. Gaben sie nur ebay.com ein, gelangten sie auf die Homepage, auf der sie neben eBays AuctionWeb auch auf die drei anderen Websites, inklusive der furchtbaren Krankheit, hingewiesen wurden.
Am letzten Tag seines langen Wochenendes, nachdem AuctionWeb voll funktionsfähig war, begann Omidyar mit der Öffentlichkeitsarbeit: Er platzierte eine Anzeige in einer Newsgroup, die neue Websites verfolgte, und eine weitere auf der Neuigkeiten-Seite des nationalen Zentrums für Supercomputer-Anwendungen. Seine Anzeigen erschienen neben Ankündigungen für Battery World, dem Treffpunkt für Batteriebedarf, und CARveat Emptor, einer Website, die Beratung rund um das Automobil anbot. Omidyar textete in seiner Anzeige: Viel Spaß beim Kaufen und Verkaufen im Web!, und: Versteigern Sie selbst oder steigen Sie in eine laufende Auktion ein. Doch beide Anzeigen erschienen mit Verspätung: Der Moderator kümmerte sich am Feiertag nicht um die Newsgroup, sodass die Anzeige dort erst am nächsten Tag erschien, und bei den Neuigkeiten gab es eine Warteliste, sodass es dort bis Oktober dauern sollte, ehe die Ankündigung erschien. Am ersten Tag hatte AuctionWeb also keinerlei Werbung, und selbst wenn: Am letzten Feiertag des Sommers hätte sich wohl ohnehin kaum jemand dafür interessiert. Vor diesem Hintergrund war Omidyar auch nicht enttäuscht, als er feststellte, dass AuctionWeb an seinem allerersten Tag keinen einzigen Besucher angelockt hatte.
Im Sommer 1995 saß Pierre Omidyar zu Hause in Campbell beim Abendessen mit seiner Verlobten, Pam Wesley. Wesley sammelte PEZ-Spender und beklagte sich, dass sie, seit sie von Boston ins Silicon Valley gezogen waren, niemanden mehr zum Tauschen hatte. Omidyar kam die Idee, dass das Internet vielleicht helfen könnte. Um seiner Verlobten zu helfen, schrieb er das Programm, aus dem schließlich eBay werden sollte.
Diese PEZ-Geschichte ist immer und immer wieder erzählt worden, wenn es um die Entstehung von eBay ging. Es ist jedoch, wie Omidyar eingesteht, die romantisierte Version der Gründungsgeschichte. In Wahrheit war Omidyar in jenem Sommer 1995, wie jeder Entwickler in einem Umkreis von 100 Meilen um San Jose, besessen vom Internet und von der Frage, wie man es nutzen konnte.
Omidyar war nicht wegen des Internet in den Westen gekommen. Er wollte für den Macintosh programmieren, die Computerplattform, für die er sich seit der High School begeisterte. Doch im Silicon Valley des Jahres 1995 lag das Internet einfach in der Luft, es war die alles beherrschende Vision. Zu dieser Zeit war das Internet allgemein auf dem Vormarsch. Anbieter wie AOL, CompuServe und Prodigy brachten Millionen Amerikaner ins Netz. Die Seiten von Jerry Yang und David Filo, zwei Studenten der Stanford-Universität, wurden unter dem Namen Yet Another Hierarchical Officious Oracle mehr als eine Million Mal am Tag aufgerufen: Yahoo!. Die letzten Zweifel über die kommerziellen Möglichkeiten des neuen Mediums wurden zumindest für einige Jahre ausgelöscht, als Netscape im August an die Börse ging. Der Startschuss für die Internet-Revolution war gefallen.
Omidyar war bereit. Er war seit seinen frühen Studentenjahren online gewesen, als das Internet noch das Online-Äquivalent eines High-School-Labors war, in dem strebsame Ingenieur-Studenten in den Newsgroups Witze austauschten, deren Pointen 3,141159 lauteten, und bis in die Morgenstunden die Geschichte der Klingonen aus Star Trek diskutierten. An der Uni war Omidyar selbst Mitglied einer Usenet-Newsgroup für Macintosh-Programmierer gewesen.
Mitte der 90er-Jahre entstand jedoch ein neues Internet. Die Newsgroups wurden von etwas viel Bunterem an den Rand gedrängt: dem World Wide Web, das es plötzlich jedem mit einem PC und einem Modem ermöglichte, weltweit auf Dokumente und Computer zuzugreifen. Dieses neue Internet, durch das die Buchstaben www in die Alltagssprache gelangten, verband Menschen auf der ganzen Welt nicht mehr durch statische Nachrichten in den Newsgroups, sondern interaktiv und in Echtzeit. Jedem, der sich mit diesem neuen Internet beschäftigte, war sofort klar, dass es die Welt verändern würde.
Natürlich beschäftigte sich das gesamte Silicon Valley damit. In jenem Sommer schienen die Leute von nichts anderem mehr zu reden. Programmierer und Unternehmer zerbrachen sich die Köpfe über die besten Anwendungen für die neue Technologie und machten Pläne, um ihren Businessplan zu platzieren. Arzneimittel, Bücher oder Möbel verkaufen, Nachrichten, Lebensmittel oder Tierfutter ausliefern, Glücksspiel, bekannte Persönlichkeiten oder Pornographie integrieren: Die Millionen oder Milliarden würden schon fließen. Im Vergleich zu den großen Plänen, die in diesem Sommer im Silicon Valley die Runde machten, hatte die Anwendung, die Omidyar vorschwebte, die Attraktivität einer Schulaufgabe.
Zu jeder anderen Zeit, an jedem anderen Ort wäre der Versuch, einen vollkommenen Markt zu schaffen, als obskures Vorhaben erschienen. Mitte der 90er-Jahre waren die Finanzmärkte jedoch genauso Teil der neuen Kultur im Silicon Valley wie die Mikrochips. Jeden Tag gingen neue Unternehmen an die Börse und brachten immer mehr frisch gebackene Millionäre hervor. Omidyar hörte immer wieder davon, wie Insider, oft Freunde oder Familien der Gründer, durch Aktiengeschäfte reich wurden, zu denen der normale Investor keinen Zugang hatte. Dies war bei Börsengängen üblich, erschien ihm jedoch unfair.
Omidyar hatte diesen Prozess am eigenen Leib erlebt. Einige Jahre zuvor hatte er den Fortschritt einer angesagten neuen Videospiel-Firma namens 3DO verfolgt. Wie viele Techniker glaubte Omidyar an die Vision, für die Videospiel-Industrie einen Standard zu entwickeln. Als 3DO im Mai 1993 seinen Börsengang
ankündigte, zeichnete er über seinen Makler 3DO-Aktien. Er hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass 3DO dessen Vorstandsvorsitzender Trip Hawkins später von der Zeitschrift People zu den 50 Schönsten gezählt wurde einer der erfolgreichsten Börsengänge des gesamten Booms werden würde. Die Aktien von 3DO eröffneten mit einem Kurs von 15 Dollar, doch als Omidyar sein Depot prüfte, stellte er fest, dass der Kurs bereits um 50 Prozent nach oben geschossen war, bevor sein Auftrag ausgeführt worden war. Am Ende ging alles gut: Omidyar konnte seine Anteile mit einem guten Gewinn verkaufen. Es störte ihn aber, dass es so in einem freien Markt nicht zugehen sollte: Bevorzugte Käufer erhielten einen Preis und normale Leute mussten für dieselbe Aktie nur Augenblicke später einen erheblichen Aufschlag bezahlen.
Omidyars Lösung waren Online-Auktionen. Er hatte noch nie an einer Auktion teilgenommen und wusste nicht viel darüber. Er stellte sich lediglich einen interessanten Mechanismus vor, der auf natürliche Weise einen fairen und korrekten Preis für Aktien und alle möglichen anderen Güter hervorbringen würde. Anstatt eine Kleinanzeige zu schalten und zu sagen: Ich habe dieses Ding zu verkaufen, gib mir 100 Dollar dafür, startet man eine Auktion und legt lediglich einen Minimalpreis fest, erläuterte Omidyar. Wenn mehr als eine Person Interesse hat, sollen sie es untereinander auskämpfen. Am Ende des Kampfes, fuhr Omidyar fort, wird der Verkäufer definitiv den fairen Marktpreis für sein Gut erhalten, was auch immer dieser an einem beliebigen Tag gewesen sein mag.
Da er noch immer für General Magic arbeitete, musste Omidyar den vollkommenen Markt in seiner Freizeit programmieren. Er bastelte an den Abenden und Wochenenden ständig an irgendwelchen Internet-Anwendungen herum. Er hatte bereits ein Programm für E-Mail-Schach geschrieben, das er kostenlos im Internet anbot. Außerdem hatte er die Programmierung für eine Anwendung abgeschlossen, die er WebMail Service nannte und mit der Nutzer kleiner Taschencomputer wie des Newton über E-Mail Zugriff auf das Internet bekamen. Zuletzt hatte er
WebMail Watch Service fertig gestellt, ein Programm, das Websites
beobachtete, für die sich die Nutzer interessierten, und diese benachrichtigte, wenn sich etwas änderte.
Als das Labor-Day-Wochenende nahte, beschloss Omidyar, an diesem langen Wochenende sein Programm für den vollkommenen Markt zu schreiben. Am Freitagnachmittag zog er sich in sein Arbeitszimmer, das zweckentfremdete Gästezimmer im zweiten Stock seines bescheidenen Reihenhauses, zurück und begann zu programmieren. Bis zum Montagabend war seine erste Auktions-Website fertig. Sie war nicht schön anzuschauen. Mit ihrer schwarzblauen Schrift auf langweilig-grauem Hintergrund erinnerte sie stark an die alten Usenet-Newsgroups. Omidyar hatte keine Ahnung, was die Leute wohl verkaufen wollen würden. Also richtete er einfach Kategorien ein, die ihm in den Sinn kamen: Computer-Hardware und -Software, Elektronik-Artikel, Antiquitäten und Sammlerstücke, Bücher und Comics, Automobile sowie Verschiedenes. Das Programm, das Omidyar geschrieben hatte, ermöglichte drei Dinge: Artikel anbieten, Artikel ansehen und Gebote abgeben. Der Name, den er wählte, war genauso pragmatisch wie die Website!
selbst:
AuctionWeb.
Weil AuctionWeb nicht mehr als ein Hobby war und er den Dienst kostenlos anbieten wollte, musste Omidyar die Kosten möglichst gering halten. Er entwickelte das Programm, indem er kostenlose Programmteile, die er im Internet fand, zusammenbaute, und er betrieb die Website von zu Hause über seinen normalen Internet-Service-Provider für 30 Dollar im Monat. Anstatt eine komplett neue Website aufzusetzen, hängte er AuctionWeb an eine, die er bereits betrieb: Im Frühjahr hatte er seine Arbeit als freiberuflicher Berater und Entwickler unter dem Namen Echo Bay Technology Group zusammengefasst. Der Name bezog sich weder auf das Naturschutzgebiet Echo Bay in Nevada noch auf irgendeine andere real existierende Echo Bay. Es hörte sich einfach cool an, erinnert er sich. Als er dann jedoch die Domain EchoBay.com registrieren wollte, musste er feststellen, dass er ein paar Monate zu spät kam: Die kanadische Firma Echo Bay Mines, die in Nevada nach Gold suchte, benutzte echobay.com bereits
für ihr Unternehmen. Omidyar entschied sich für die seines Erachtens beste Alternative: eBay.com.
Zu dem Zeitpunkt, als er AuctionWeb startete, betrieb Omidyar auf eBay.com bereits drei andere Websites. Die eine war für ein kleines Biotech-Start-up, für das seine Verlobte Pam Wesley als Unternehmensberaterin gearbeitet hatte. Eine weitere war für die Gruppe der Ehemaligen der Tufts-Universität im Raum San Francisco, deren Vorsitzende Pam war. Die dritte gehörte Omidyar: Ebola Information widmete sich dem Ebola-Virus. Er präsentierte darauf Bilder des Virus, die er auf der Website des Gesundheitsministeriums fand, und verlinkte auf Nachrichten und Fakten zum Virus und zu Ebola-Ausbrüchen. Um zu AuctionWeb zu gelangen, mussten die Nutzer ebay.com/aw in ihren Browser eingeben. Gaben sie nur ebay.com ein, gelangten sie auf die Homepage, auf der sie neben eBays AuctionWeb auch auf die drei anderen Websites, inklusive der furchtbaren Krankheit, hingewiesen wurden.
Am letzten Tag seines langen Wochenendes, nachdem AuctionWeb voll funktionsfähig war, begann Omidyar mit der Öffentlichkeitsarbeit: Er platzierte eine Anzeige in einer Newsgroup, die neue Websites verfolgte, und eine weitere auf der Neuigkeiten-Seite des nationalen Zentrums für Supercomputer-Anwendungen. Seine Anzeigen erschienen neben Ankündigungen für Battery World, dem Treffpunkt für Batteriebedarf, und CARveat Emptor, einer Website, die Beratung rund um das Automobil anbot. Omidyar textete in seiner Anzeige: Viel Spaß beim Kaufen und Verkaufen im Web!, und: Versteigern Sie selbst oder steigen Sie in eine laufende Auktion ein. Doch beide Anzeigen erschienen mit Verspätung: Der Moderator kümmerte sich am Feiertag nicht um die Newsgroup, sodass die Anzeige dort erst am nächsten Tag erschien, und bei den Neuigkeiten gab es eine Warteliste, sodass es dort bis Oktober dauern sollte, ehe die Ankündigung erschien. Am ersten Tag hatte AuctionWeb also keinerlei Werbung, und selbst wenn: Am letzten Feiertag des Sommers hätte sich wohl ohnehin kaum jemand dafür interessiert. Vor diesem Hintergrund war Omidyar auch nicht enttäuscht, als er feststellte, dass AuctionWeb an seinem allerersten Tag keinen einzigen Besucher angelockt hatte.