Da ich mich schon früh dafür entschied, zweirädrige Fortbewegungsmittel zu bevorzugen, sah ich Wohnwagen und Caravans meist nur von außen. Nur beim legendären Citroën Typ H mit den markanten geriffelten Seitenpartien kann ich mich einigermaßen als Experten betrachten. Denn dieses Kultfahrzeug hatte sich mein Freund und Mitglied unserer wenig erfolgreichen Band angeschafft. Allerdings sah es im Innern völlig anders aus als das feuerrote Exemplar, dem in diesem Bildband die Ehre erwiesen wird. In der grauen Riesenkiste meines Jugendfreundes standen keine frischen Blumen und keine bunten Schälchen auf glatt polierten Tischoberflächen. Vor den großen Fenstern hingen keine gebügelten Vorhänge. Und Kleider wurden nicht sorgfältig in eigens angefertigte Wandschränke versorgt, sondern lagen in Kisten oder am Boden. Dafür stand in jeder Ecke eine riesige Lautsprecherbox, die im Citroën eine Konzertbeschallung vom feinsten ermöglichten.
Ich erwähne den Caravan meines Jugendfreundes, weil solche Exemplare in diesem Buch keine Aufnahme fanden. Jane Field-Lewis und Chris Haddon, selber leidenschaftliche Anhänger von Retro-Caravans, interessieren sich auch mehr für Interieurs als für technische Angaben fahrender Heime. Wer aus biografischen Gründen einen natürlichen Abwehrreflex gegen einen Schöner Wohnen-Stil, Nippsachen oder bestickte Kissen hat, wird diesem Buch kaum fünf Sterne erteilen. Zumal die Fotografin Tina Hiller ihre Kamera tatsächlich auf alles richtet, was mehr Ordnung in Caravans bringt und an frühere Zeiten erinnert. Zudem fuhr der Putzteufel offenbar immer mit, als sie mit den beiden Autoren über 5'500 Kilometer zurücklegte, um besondere und schmucke Caravans ausfindig zu machen. Bei manchen Modellen hätte ich mir gewünscht, dass Jane Field-Lewis ihren Beruf als Stylistin und den Hang zum Aufräumen mal vergessen hätte. Eine braun gefleckte Banane oder ein gebrauchtes Küchenhandtuch mehr hätten ihren 287 schönen Bildern zusätzliches Leben eingehaucht.
Vorgestellt werden über 30 Caravans. Und eine Ahnung, was die Liebhaber rollender Unterkünfte erwartet, geben die sechs Kapitelüberschriften. Sie lauten: Old Retro - Das einfache Leben - Schräg und schön - Amerikanische Schönheiten - Klassiker - New Retro. Zu meinem Favoritenkreis gehören der Austin Loadstar, Debbie, BMC Princess, Myrtle, Cuthbert und natürlich der Airstream. Eher peinlich wäre es mir, wenn man mich in einem Toyota Devon, VW Hochdach oder Fiat 238 Weinsberg erwischen würde. Aber zur Qualität dieser Hommage an Caravans gehört auch, dass so ziemlich jeder Geschmack berücksichtigt wurde. Nur für die Anhänger der neusten Modelle hat es nichts.
Mein Fazit: Nach dem Bestseller "Mein wunderbarer Wohnwagen" legen Jane Field-Lewis und Christ Haddon nach. Am Konzept, sich auf Sichtbares zu beschränken und Technisches höchstens in Nebensätzen zu erwähnen, haben die englischen Caravan-Fans festgehalten. Und selbst die neue Fotografin wurde offenbar so gebrieft, dass ihre Bildsprache kaum von der zu unterscheiden ist, die schon bei den Wohnwagen überzeugte. Die über 30 Caravans wurde allerdings innen und außen so geputzt und poliert, dass mich das Buch an Publikationen erinnert, in denen 24 Stunden im Tag schöner gewohnt wird. Die nützlichen Adressen auf den Seiten 157 und 158 nützen übrigens nur Lesern in Großbritannien etwas.