Paul Williams, anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Buddhismusforschung und lange Zeit auch bekennender Buddhist, teilt in diesem Buch die Gründe mit, die für seine Abwendung vom Buddhismus und schließlich seine Bekehrung zum Katholizismus maßgeblich waren. Im engeren Sinne biographische Details stehen dabei im Hintergrund: Der Autor ist Philosoph, und als solcher betrachtet er Buddhismus und Christentum.
Im äußeren Erscheinungsbild werden gemeinhin zahlreiche Parallelen zwischen buddhistischer und christlicher Religiosität wahrgenommen. Die hohe ethische Haltung des Buddhismus steht außer Frage, und das Ungenügen der Welt wird von Buddhisten wie Christen erkannt. Viele im Westen meinen, daß im mystisch-spirituellen Bereich der Buddhismus dem Christentum sogar überlegen sei. Im Kernbestand der Lehre aber liegen Unterschiede vor, wie sie größer kaum gedacht werden können: Gott, der über der Welt steht, sie erschaffen hat und erhält, wird im Buddhismus geleugnet. Auch die Seele, und damit die Personhaftigkeit des Indiviuums wird von Buddhisten abgelehnt. Der Einmaligkeit des Lebens steht eine Abfolge von Wiedergeburten gegenüber. Undsoweiter.
Williams grenzt die beiden Religionen, um die es hier geht, scharf gegeneinander ab. Das ist nur natürlich, denn wer seinen früheren Glauben ablegt und sich einem anderen zuwendet, vollzieht für sich klare und strenge Grenzziehungen. Er will ja herausstellen, was für seine eigene Konversion maßgeblich war.
Eine solche Betrachtungsweise mag vielleicht als verkürzt, ja verkürzend erscheinen. Als Wissenschaftler weiß Williams zwar, daß die beiden Religionen nicht in allem und überhaupt wie monolithische Blöcke gegen einander stehen: Gerade über die auf den Buddha Amida bezogene Ausformung der buddhistischen Religiosität, in der seit langem Parallelen zum Christentum bemerkt worden sind, hat Williams zum Christentum gefunden. Und doch ist es für einen Konvertiten legitim, Grenzziehungen deutlicher herauszustellen: Auch der Theologe wird das tun, wenn er über die Fundamente seines Glaubens nachdenkt, und auch der Buddhist, der den Dharma gegen andere verteidigt oder sonstwie bejahend vertritt. Dieses Buch ist zwar nüchtern geschrieben, freundlich und niemals verletzend. Im Grunde aber darf und will es nicht als neutrale religionskundliche Studie über Buddhismus, Christentum oder beides im Vergleich gelesen werden, sondern, wie Williams selbst wiederholt sagt: als Apologie, als Verteidigung für seine eigene Konversion. Ein sehr persönliches Buch also, und eine Kritik am Buddhismus.
Worum geht es bei dieser Kritik vor allem? Buddhisten behaupten häufig, daß ihre Denkweisen vernunftgemäß oder wissenschaftskonform seien, die Dogmen der Christen aber logische Widersprüche aufwiesen. Williams will demgegenüber zeigen, daß durchaus bestimmte buddhistische Auffassungen logisch unbefriedigend sind, und umgekehrt christliche Lehrsätze mit der Vernunft übereinstimmen. Williams schließt sich dabei der Denkweise des hl. Thomas von Aquin an und bekennt den Katholizismus in der lehramtlich vertretenen Form; für Williams' Abwendung vom Buddhismus waren vor allem die moralischen Implikationen der Wiederverkörperungslehre maßgeblich.
Ob Williams' Argumente letztlich überzeugen können, muß jeder Leser selbst beurteilen. Williams will nur die Überlegungen vortragen, die für ihn persönlich maßgeblich waren. Seinen vielen buddhistischen Freunden, deren Kreis er mit seiner Konversion verlassen hat, will er damit zeigen, daß sein Schritt wohlüberlegt war. Darüber wollte Williams in diesem Buch Rechenschaft geben - nicht mehr, und nicht weniger. Wie er einleitend schreibt, war es keineswegs seine Absicht, mit diesem Buch Buddhisten zu bekehren. Jeder muß sich da seine eigenen Gedanken machen. Für manche aber sind Williams' Gedanken dabei sicherlich hilfreich.
Das Buch ist das fair und sachlich geschriebene Dokument einer Konversion, und dabei doch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Buddhismus; es ist für die am interreligiösen Dialog Beteiligten, aber auch für jene, die selbst noch auf der Suche sind, sehr zu empfehlen.