Reinhold Messner vorzustellen hieße Eulen nach Athen, Kohlen nach Newcastle zu tragen. Beziehungsweise Schnecken nach Metz zu treiben oder Krokodile nach Ägypten zu bringen. Der wohl bekannteste Bergsteiger der Welt bedarf an dieser Stelle keiner weiteren Vorstellung.
In seinem neu aufgelegten Buch sind es deshalb vor allem die Interviews, die Spannung erzeugen. Zum Nachdenken anregen. Zum Innehalten. Zum Kopfschütteln. Oder zum Zustimmen. Herausragend ist dabei sicher jenes Interview, welches im Oktober 2002 der Stern Redakteur Arno Luik mit Messner führte. Vor allem der respektlosen, provokanten, polemischen, direkten Fragen wegen. Messners Antworten fallen ebenso aus: Andere haben "durch mich profitiert. Wie Peter Habeler, mit dem ich auf dem Mount Everest gestanden bin. Ich habe mein Haus verpfändet, um den Everest zu finanzieren. Er hat sich seines mit dem Gipfelerfolg gebaut."
Auf rund 380 Seiten lässt Messner die wesentlichen Stationen seines Lebens vorüberziehen. Erklärt seinen Weg, seine Ansichten, seine Positionen. Deutlich, unmissverständlich, polarisierend. Das ist, fraglos, einer seiner vielen Stärken - die Übertreibung und Zuspitzung. Folgerichtig versteht er seine Bücher auch als einen "Stolperstein auf der Straße der eingefahrenen Denkgewohnheiten."
Und das Bergsteigen? Reinhold Messner: "Die Berge sind da. Also steige ich hinauf. Jeder gibt den Bergen seinen Sinn. Das Klettern lächerlich ist, weil es affenartigen Verhaltensmustern unterliegt, gefällt mir. Lieber Affe als Mittelmaß."
In Summe ein Buch, das schon alleine der Interviews wegen lesenswert ist.