Dass die Lebensgeschichte von Bertha Benz (1849 - 1944) noch nicht früher erzählt worden ist, liegt daran, dass sie wenig Persönliches hinterlassen hat, so schreibt die Autorin Angela Elis im Nachwort. Weder Bertha noch Carl Benz (1844 - 1929) haben Tagebuch geschrieben. Es gibt nur wenige Briefe. Umso mehr ist die Recherchearbeit zu bewundern, die umfangreichen Fakten, die in diesem Buch zusammengefasst sind.
Angela Elis beschreibt zunächst die erste Begegnung von Bertha und Carl Benz bevor sie sich in getrennten Kapiteln der Kindheit, Jugend und Ausbildung von Beiden zuwendet. Danach folgen die gemeinsamen Ehejahre. Das letzte Kapitel ab Seite 299 beschreibt die Witwenjahre.
Bertha Benz ist von einem unerbittlichen Willen getrieben, so schreibt Angela Elis. Frühsommer 1869: Die Ideen von Carl Benz schlagen "wie ein Blitz bei ihr ein, erhellen ihr Gemüt und wecken ihre Lebensgeister" (S. 99). Der zurückhaltende Carl Benz als Flucht aus dem "weltverlorenen" Pforzheim? Und doch, erstaunlicher Weise wird aus den Beiden ein gut funktionierendes Team. Sie ergänzen sich. Er grübelt über Innovationen nach, begeistert Bertha mit seinen technischen Ausführungen. Sie unterstützt ihn. Beide sind gefesselt von der Idee eines Fortbewegungswagens ohne Pferde. Ein Traum, der die Nacht überdauert. Dieses Motto zieht sich quer durch das Buch, wird von der Autorin immer wieder erwähnt. Leider manchmal auf recht umständliche Art und Weise. Diese Zeilen stammen aus einem Brief von Bertha an Carl. Anstatt direkt zu zitieren, hört es sich im Buch auf den Seiten 32f so an:
Mit Worten, denen man die Hast der Niederschrift ansah, teilt sie ihm mit, dass sie seine Bedenken nachvollziehen könne und dass sie wisse, aus welchem Holz er sei; und wie umsichtig sie es fände, dass er sich um ihre Zukunft und die Frage, ob sie mit ihm glücklich werden könne, Gedanken mache. Nun aber sei es genug der Bedenken, weil er den Funken der Begeisterung für seine Maschinen in ihr entzündet habe. Das Feuer brenne längst. Sie schreibt, sie will auf keinen Fall mehr so weiterleben wie bisher, denn seitdem sie ihn kenne, öde sie an, was ihr gestern noch wichtig war. Das Entscheidende aber sei, sie habe einen Traum von ihm und sich und von dem Wagen ohne Pferde gehabt. Und dieser Traum, das spüre sie genau, sei länger als die Nacht. Damit sei alles gesagt, ab jetzt solle er ihr einfach vertrauen, und das sei wirklich das Wichtigste, das Vertrauen, und dann möge er bitte nicht länger zögern und die Verlobung mit ihr planen.
Etc. etc.
Persönlich empfand ich diese Formulierungen als sehr gekünstelt, sehr umständlich. Hätte man hier nicht direkt aus dem Brief zitieren können? Andernorts (vor allem weiter hinten) hat die Autorin durchaus auch direkt zitiert. Die entsprechenden Stellen sind eingerückt und durch kursive Schrift leicht erkennbar. Leider gibt es weitere Textpassagen, die ähnlich umständlich formuliert wurden. Möglicherweise wollte Angela Elis den Stil der damaligen Zeit imitieren. Persönlich empfand ich diese Passagen jedoch als etwas zäh. Ein Beispiel von Seite 161:
Viel zu oft aber muss er die Erfahrung machen, dass er scheitert. Zwar ist jeder seiner Artgenossen als untrügliches Zeichen seines Menschseins mit einem Kopf auf dem Hals ausgestattet; dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, Verstand im Schädel zu haben. Mehr noch, seine Feldversuche verdeutlichen Carl: Verständnis oder gar Einsicht zu zeigen, vermögen nur einige seltene Exemplare der Gattung Mensch. Weil er als Tüftler aber, möglicherweise im Gegensatz zu den gewöhnlichen Zeitgenossen, das Neue und Unverständliche stets als Abenteuer betrachtet, als willkommene Aufforderung, sich das Unbekannte vertraut zu machen, ist ihm die Geisteshaltung seiner unfreiwilligen Straßenbekanntschaften fremd.
Positiv aufgefallen ist mir der Faktenreichtum sofern er für die Geschichte des Automobils von Interesse ist. Ob es die Gründung des ersten Deutschen Automobil-Clubs im Jahre 1899 ist oder die Aktivitäten von Prinz Heinrich zur Förderung des Automobils. Anderes hingegen wird nur gestreift: so zum Beispiel die Jahre von 1914 bis 1918.
Abgerundet wird das Buch von zahlreichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, einer Zeittafel und einer Literaturliste.
Alles in Allem sehr interessant. Persönlich hätte ich es bevorzugt, wenn aus Quellen direkt zitiert worden wäre, wenn der Schreibstil etwas weniger umständlich gewesen wäre.