Pressestimmen
"Mit Bugajer hat sich Engel keine 'Berühmtheit' als Protagonisten ausgesucht. Seine Biographie ist ein ganz "normales" jüdisches Schicksal dieser Zeit. Vielleicht ist es gerade dieser Punkt, der das Buch lesenswert macht." (Der Standard)
"Die posthum erschienenen Erinnerungen Bugajers beschreiben seine Kindheit im Ghetto Lodz und in den Konzentrationslagern Auschwitz, Mauthausen und Ebensee. Das Buch ist aber nicht nur wegen dieser authentischen Zeugnisse ein besonders wichtiges und berührendes Dokument. Besonders ergreifend sind Bugajers Einblendungen in der Gegenwart und das Gespräch mit seinem Sohn Michael, dem er einmal schrieb: 'Denn Du bist mein Kind, die Fortsetzung meines Namens, das Gedächtnis von mir, der Wiederholer meiner Erzählungen, der nicht anwesend gewesene Zeuge der Shoa.'" (Aktion Gegen Den Antisemitismus In Österreich)
Kurzbeschreibung
Als 1928 geborener Jude erlebte Bugajer seine Jugend als Zeit der Verfolgung und des Überlebenskampfes. Seine unpathetischen Erinnerungen an das Ghetto und mehrere Konzentrationslager wurden zu einem packenden Buch - wenn er etwa die Ausgrenzung des Schülers, seine erste Liebe im Ghetto, Arbeit und Hunger sowie den Tod des Vaters in den letzten Kriegstagen beschreibt.
"Mein Schattenleben" basiert auf keinem Tagebuch. Dem jugendlichen Richard Bugajer ging es im Ghetto und in den Konzentrationslagern noch nicht um die Nachwelt, viel zu sehr war er mit dem eigenen Überleben beschäftigt, mit dem Hunger und der Gewalt rund um ihn herum.
Es war ihm nicht vergönnt, seine Aufzeichnungen aus der Erinnerung zu vollenden, die er in den letzten zehn Jahren seines Lebens diktiert und immer wieder umgearbeitet hat. Er begann mit ungeordneten Berichten, und verlegte sich im Laufe der Zeit auf jene kurzen, überschaubaren Geschichten, die in diesem Buch als Kapitel wiederkehren. Die Ereignisse im Ghetto und im Konzentrationslager haben Richard Bugajer nie verlassen, dieses "Schattenleben" ist stets über seinem erfolgreichen Leben als Arzt in Wien gehangen. In seiner schmerzlichen Reise zurück in seine Vergangenheit geht er bis an die Grenzen des Möglichen, bis zu den ganz großen Gefühlen, zur Liebe aber auch zum Hass, zur Wut und dem Wunsch nach Rache.
"Recht, nicht Rache" hieß eines der wichtigsten Bücher von Simon Wiesenthal. Richard Bugajer hat bedauert, dass es weder Recht noch Rache gab. Denn mit der Gerechtigkeit war es in Deutschland und Österreich nicht so weit her. Oftmals musste Richard Bugajer den Zeitungen entnehmen, dass wieder einmal ein NS-Prozess mit einem allzu milden Urteil geendet hatte, dass die Amnestien viel zu schnell kamen: "Ich sitze hier am See in England und warte, wie ich auch anderswo, in Wien, Paris, Tel Aviv, Köln oder München gesessen bin und wartete - auf ein Zeichen der Gerechtigkeit, auf den Atompilz, der sich über Europa und der ganzen Welt erhebt und das menschliche Leben auf diesem Planeten auslöscht. Ich bin jetzt 64 und ich warte noch immer. Ich habe keine Hoffnung mehr, dass das geschehen wird."Richard Bugajer wurde 1928 im polnischen Kielce geboren und übersiedelte schon als Kind nach Lodz. Seine Eltern stammten aus örtlichen Unternehmer- und Industriellenfamilien. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen musste er mit seinen Eltern ins Ghetto von Lodz übersiedeln. Im August 1944 erfolgte die Deportation nach Auschwitz, dort trennte man seine Mutter sofort von ihm und ermordete sie. Mit dem Vater blieb Richard zuerst in Auschwitz, dann wurden sie gemeinsam in etliche KZ-Lager transportiert, im März 1945 über Mauthausen ins KZ Ebensee. Dort befreiten ihn nach dem Tod des Vaters im Mai 1945 die Amerikaner. Bald darauf begann er in Wien Medizin zu studieren und promovierte im Jahr 1953. In den sechziger Jahren erwarb er zwei Ambulatorien für physikalische Medizin in der Wiener Innenstadt. Richard Bugajer starb 1998 unerwartet auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer.