Endlich also gibt es ein Buch über das Schalker Parkstadion, von dem inzwischen nur noch der Platz, die Gegengerade, zwei begrünte Kurven und jede Menge Schutt übrig sind. Dabei ist es kein typisches Stadionbuch. Man findet also keine Architekturaufrisse, nur die minimalsten Fakten zu Kosten oder Bauzeiten und auch nur ein einziges Foto vom Modell (mit dem verworfenen Zeltdach, wie es im Münchener Olympiastadion wirklich gebaut wurde). Stattdessen erzählt Barta davon, wie es einem zwischen 1973 und 2001 auf Schalke als Fan erging, was man anzog, wo man parkte, wie man hinkam, womit Gästefans rechnen mussten, wie kalt es war, welches Bier man trank, welche Fanartikel es gab, welche "Urgesteine" man in der Kurve traf, und vieles mehr.
Die 168 Seiten verteilen sich über 30 Kapitel, die reich bebildert sind und in denen diese Fotos genauso wichtig sind wie die Texte, manchmal sogar außergewöhnlich. Man findet Abbildungen von Eintrittskarten aus allen Jahren, von Sonderbriefmarken, Stadionheften, Fanzines, Postkarten, Trikots, Spielplakaten, Bierdeckeln, Wimpeln und Fotos von Spielszenen, Popkonzerten, voll besetzten Tribünen, dazu Luftaufnahmen vom Berger Feld oder Detailaufnahmen von Treppenstufen und Flutlichtmasten, und noch viel mehr - und alles ist irgendwie schön. Manchmal merkt man es eben leider erst, wenns nicht mehr existiert...
Legendäre Spiele werden gesondert betrachtet, das 6:6 gegen die Bayern natürlich, die Eurofighter-Spiele, und das alles entscheidende Duell gegen Blau-Weiß Berlin. Man findet auch Kapitel über Präsidenten, Trainer und Spieler, aber die wahren Schätze in diesem Buch sind doch die eher "kleinen" Geschichten, die mit viel Akribie gesammelt und mit Abbildungen und Zitaten anderer Fans passend ergänzt wurden.
Etwas schade ist, dass man nichts findet über die Innenräume der Tribüne, keine Kapitel, keine Fotos - aber genau besehen passt das zum Titel des Buches: "Mein Parkstadion". Und vielleicht war Stefan Barta ja genausowenig wie ich jemals im Palisanderraum... Hier und da stolpert man über abenteuerliche Rechtschreibregel-Auslegung oder Kommasetzungen, aber darüber hinweg trösten doch immer wieder die überall locker eingestreuten Fotos und Abbildungen, in denen man regelrecht versinken und ins Träumen geraten kann.
"Mein Parkstadion" ist ein mit viel Liebe gemachtes, wunderschönes Buch, das in jedes Schalker Bücherregal gehört (in dem anderer Fussballfreunde wäre es auch nicht deplatziert), und das man, anders als viele anderen Bücher, über die Jahre hinweg immer wieder mal herausziehen wird, um sich für ein Stündchen lächelnd auf eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit zu begeben. Wunderbar!