Vier Anläufe habe ich gebraucht, um dieses Buch dann doch zu lesen. Lobo Antunes macht es einem mit 'Mein Name ist Legion' wahrlich nicht leicht.
Lobo Antunes' Text ist zwar in Absätze gegliedert, diese haben jedoch (außer, wenn ein Kapitel beendet wird) keine Punkte. Damit wird wohl auch formal auf den unablässigen Gedankenstrom hingewiesen, mit dem man es zu tun hat.
Das liest sich zum Beispiel folgendermaßen:
'
Senhora
das gelbe Hündchen, das fehlt mir, glaube ich
(das braune, das vom Ofen, es schüttelte einmal den Schwanz, um zu sagen
Ich bin hier
und man spürte die Freundschaft, das Bemühen, es schaute den Veterinär an und war nicht böse auf ihn , es schaute uns an, und dann ja, das, was mir Schrecken einjagt, das, was ich nicht akzeptiere, das Entsetzen)
die Gartenpforte, die man mit einem Haken schloss, der in einen Nagel griff, und das ist alles, ein Hündchen und eine Gartenporte reichen, und um diese Zeit meine Kolleginnen am Platz
Die Alte?
nein, um diese Zeit meine Kolleginnen am Platz
Was für eine Alte?
genauso wie ich die Rotblonde vergessen habe, die sich in Zimmer elf erhängt hat, sie hat fröhlich die Rechnung bezahlt und erklärt
Der Kunde möchte nicht mit mir zusammen gesehen werden
'
Es verhält sich nun nicht so, dass ich solche Gedankenstrom-Literatur nicht mag, ich möchte nur etwas damit anfangen können. Und das habe ich bei diesem Buch nicht. Der Text hat in mir eine Art Gehirnsausen hervorgerufen und ich habe verzweifelt versucht mitzubekommen, wovon hier konkret die Rede ist.
Ich wurde immer ratloser - und auch ärgerlicher. Schließlich hatte der Klappentext versprochen, dass der Roman die sozialen Probleme der Moderne einfängt und zeigt, 'was Migration, Entfremdung und der Zusammenprall verschiedener Kulturen für den Einzelnen bedeuten'. Das habe ich aus 'Mein Name ist Legion' nicht herausgelesen.