Der Eugen -- das ist eine hinreißende Schweizer Melange aus Adrian Mole und dem kleinen Nick. Zusammen mit seinen Kumpanen Eduard, Wrigley und Bäschteli stellt er so ziemlich alles an, was ein aufgeweckter 13jähriger anstellen kann, und noch ein klein wenig mehr. Nichts ist vor dem unternehmungslustigen Quartett sicher: weder das aus dringenden Gründen expropriierte "gute Schwarze" von Tante Melanie, noch das Gebiss des Lehrers Städtler, noch die ehrwürdige Ritterrüstung samt problematischem Helm im Historischen Museum, noch -- vieles andere; darunter auch die innere Schweiz, die die Vier auf ihren Velos in den Ferien unsicher machen.
In "Mein Name ist Eugen" erzählt Eugen in seinen eigenen Worten vom schweren Leben eines 13jährigen, den die Erwachsenen partout nicht verstehen wollen. Seine Kumpel haben ihn mit Schreiben beauftragt, und das aus gutem Grund: "Ohne einen passenden Schriftsteller wäre zum Beispiel der Robinson Crusoe völlig lackiert gewesen".
Zwar erlebt der Eugen seine "leidvolle Jugend" im Bern der 1950er Jahre, aber wie alle witzigen Kinderbücher, die sich auch für Leser jenseits der Pubertät eignen, sind seine Abenteuer zeitlos komisch.
Die Erwachsenen innerhalb von Eugens Aktionsradius haben nicht viel zu lachen, wie man sich denken kann -- die Leser jedoch umso mehr. Eugen nimmt in aller Unschuld die gestrenge Erwachsenen-Ordnung nach Strich und Faden auseinander. Dass er davon in seinen eigenen Worten berichtet, macht das Ganze noch komischer. Seinen Brüdern im Geiste, unter ihnen der kleine Nick, Adrian Mole, Tom Sawyer und Michel aus Lönneberga, steht er an Witz und Einfallsreichtum um nichts nach.
In der Schweiz ist "der Eugen" schon seit Jahrzehnten Kult, wie man hört. Höchste Zeit also, dass man ihn auch hierzulande endlich gebührend würdigt -- es muss ja nicht gleich ein Staatsbegräbnis der Art sein, wie es Eugens Freund Wrigley vorschwebt: Man "führe den Leichnam auf einer Kanone in den sogenannten Invalidendom", hat Wrigley nämlich gehört. Und der muss es schließlich wissen...