35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein historisch-fiktionaler Roman mit literarischer Qualität, 21. September 2001
Von Ein Kunde
Schon Jahre, bevor die Welle an "Historischen Romanen" in die
Buchhandlungen schwappte, begann die Autorin mit der Arbeit und
gründlichen Recherchen zu ihrem nun vorliegenden Debut.
Hintergrund: 1957 wurde bei Grabungen in der Nähe ihres südbairischen
Heimatortes Peiting im Torfmoor in einem Holzsarg eine gut erhaltenen
Frauenleiche gefunden, die man dem Früh- oder Hochmittelalter zuordnete.
Die Umstände ihres Todes, die für diese Region unübliche Bestattungsart
und die soziale Zugehörigkeit sind bis heute rätselhaft, ein weites Feld für
Spekulationen.
Die akribische Spurensuche historisch belegbarer Fakten und die wenigen
bekannten sozio-ökonomischen Verhältnisse jener Zeit verwob Angela
Dopfer-Werner zu einem zwar fiktionalen, aber durchaus vorstellbaren
Szenario und Sittengemälde der Zeit kurz vor der ersten Jahrtausenwende.
Es war die Zeit der Ungarneinfälle nach Süddeutschland. Das Leben der
Menschen hier war von einem bäuerlichen Lebensrhythmus geprägt,
gesellschaftlich strukturiert durch die Hierarchie von Hochadel, Niederadel,
freiem Bauerntum und dem Gros der Knechte, Unfreien und Leibeigenen.
Und über allem die politische und soziale Macht der Kirche.
Diese Realitäten bilden den Rahmen für die fesselnde Geschichte der
Freundschaft zweier Frauen, die von deren Kindheit ab erzählt wird. Als
Ich-Erzählerin legt eine der beiden, Afra, nach über 1000 Jahren, sozusagen
aus dem Off der (Un-)Toten, eine Biographie ihres gemeinsamen Lebens vor,
das gleichzeitig ein Schuldgeständnis ist. Geschickte Perspektivenwechsel
zur Betrachtungsweise eines Chronisten objektivieren das "Es könnte so
gewesen sein".
Dabei bedient sich die Autorin nicht eines einfach zu durchschauenden
Plots, sondern verwebt mannigfaltige Handlungsstränge und menschliche
Beziehungsgeflechte von Liebe und Leid, Eifersucht, Neid, Geburt und Tod.
Mit reichlicher Liebe zum Detail schmückt sie das Alltagsleben der
Menschen aus, etwas "überaquarellisiert" tauchen die Landschaftsbilder ins
Leserauge - doch gerade darin liegt die überzeugende Eindringlichkeit, wenns
ums "Eingemachte" der Gefühle geht.
Etwa bei der Schilderung eines grausamen Ungarn-Überfalls auf
"Pitengouua", beim Leiden und Sterben der Frauen im Kindbett, der
seelischen Qual einer Abtreibung, aber auch bei der unkitschigen
Annäherung an Momente des Glücks.
Ein zentrales Thema des Romans ist die Unterdrückung der Frauen in dieser
Zeit, als das Verheiraten Kalkül einer Blut-und-Boden-Politik der von Männern
dominierten Sippen war.
Während Afra in dieser scheinbaren Unausweichlichkeit eine passable
Zufriedenheit findet, begehrt ihre Freundin Richlinth dagegen auf, sieht sie
doch in dem Vorbild der "emanzipierten", weisen, alleinlebenden und doch
liebenden Seherin und Heilerin Justinia einen möglichen Gegenentwurf.
Richlinth läßt sich nicht beugen in ihrem Wunsch, zu lieben und geliebt zu
werden.
Obwohl die Autorin am Ende mit der sich rasch zuspitzenden
Schlußdramaturgie und dem gefühlsbetonten Sprachduktus für meinen
Geschmack etwas heftig auf die Tränendrüsen drückt (beabsichtigt natürlich),
ist der Roman von Pilcher-Rührseligkeit weit entfernt.
Angela Dopfer-Werner richtet ihr Okular aus dem Blickwinkel einer Frau an
der Innenwelt der Protagonistinnen aus (was ja für männliche Leser mitunter
recht lehrreich sein kann), hat sich aber durch die Vielfalt dieser plastisch,
plausibel und spannend erzählten Geschichte das verdächtige Etikett
"Frauenroman" nicht aufkleben lassen.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gelungenes Erstlingswerk, 1. Oktober 2000
Von Ein Kunde
1957 findet man in der Nähe von Peiting im Moor eine Leiche - eine Leiche, die hier schon länger als 1000 Jahre ruht. Es ist die Leiche einer Frau, die kurz vor ihrem Tod ein Kind gebar. Nicht mehr feststellbar ist die Todesursache und die Geschichte, die zu dieser Frauenleiche gehört. Nicht mehr feststellbar heisst aber nicht: nicht mehr vorstellbar. Und so gibt es nun das Buch "Mein Name ist Afra" von Angela Dopfer-Werner, das aufgrund historischer Fakten eine fiktive Geschichte bietet: die Geschichte von Afra und Richlint, die Geschichte von Liebe, Trauer und Tod.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
einfach nur super!, 2. November 2005
Das war mal ein wirklich schönes Buch in dem so arg gebeutelten Genre *historische Romane*. Es stimmte einfach alles: es war spannend, die Leute waren sehr gut und fein gezeichnet, das Leben des einfachen Volkes war genial wiedergegeben und der Roman spielte zu dem noch in einer Zeit, die mir selbst nicht so bekannt war, nämlich um 950 n.Chr.
Dass der Roman zudem noch in einer Gegend spielt, die ich als langjährige Münchnerin sehr gut kenne, steigerte für mich das Vergnügen noch.
Hoffentlich schreibt die Autorin weiter, denn sie kann sich durchaus an Rebecca Gable oder ähnlichen messen lassen!
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