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Mein Jahr als Mörder [Taschenbuch]

Friedrich Christian Delius
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Taschenbuch, 2. Januar 2006 --  

Kurzbeschreibung

2. Januar 2006
Ein aufrüttelnder Roman über deutsche Kriegs- und Nachkriegsgeschichte Am Nikolaustag 1968 hört ein Berliner Student im Radio, dass Hans-Joachim Rehse, Richter an Freislers Volksgerichtshof, freigesprochen wurde. Noch während die Nachrichten laufen, beschließt er ein Zeichen zu setzen: Er wird diesen Mann umbringen. Auch aus persönlichen Gründen, denn Rehse hat den Vater seines besten Freundes zum Tode verurteilt, den Arzt Georg Groscurth… „Unbedingt lesen“ (Literaturen)


Produktinformation

  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 3 (2. Januar 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499239329
  • ISBN-13: 978-3499239328
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 253.665 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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"Das wirklich Irrationale und tatsächlich Unerklärbare ist nicht das Böse, im Gegenteil: es ist das Gute", zitiert Friedrich Christian Delius in dem seinem Roman Mein Jahr als Mörder vorangestellten Leitspruch den ungarischen Schriftsteller Imre Kertész. – "Das Gute", das ist in dieser Geschichte, dass der Mörder am Ende, als das Opfer, ein ehemaliger NS-Richter, endlich tot ist, keine Schuld auf sich geladen hat! Oder doch?

Der fiktiv-autobiografische Roman beginnt mit einem Geständnis. Nach Ablauf der für Mord geltenden Verjährungsfrist offenbart der Ich-Erzähler, dass er damals, nachdem er aus dem Radio von dem nicht unerwarteten Freispruch des furchtbaren Juristen erfahren hatte, der noch in den letzten Tagen des Dritten Reiches den Vater seines besten Freundes zum Tode verurteilt hatte, einer inneren Stimme gehorchend den Plan gefasst habe, den Nazi-Richter zu töten. "Wie in einem dritten Ohr, im Labyrinth des Innenohrs, wo die Widersprüche hängen bleiben, hörte ich in den Silben aus dem Äther die Schwingungen einer geheimen Botschaft, die deutliche Aufforderung: Einer wird ein Zeichen setzen und diesen Mörder umbringen, und das wirst du sein." – Es folgen akribische Recherchen. Sie dienen einerseits den Vorbereitungen des Mordes, anderseits dem geplanten Buch, mit dem die Tat, ihre Motive und Planung, dokumentiert werden soll…

Delius gilt, so lesen wir in der biografischen Notiz des Verlags, als "einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartsautoren". Mein Jahr als Mörder belegt eindrucksvoll: zu Recht! -- Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

Unbedingt lesen (Literaturen )

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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen anregende Geschichtsstunde 22. März 2005
Von Fraxini
Format:Gebundene Ausgabe
Delius' Buch ist aus mehreren Gründen ohne Einschränkung empehlenswert. Zunächst schreibt er wunderbar knackig, präzise und nicht ohne Witz. Dann trägt sich ein Großteil der Handlung in Charlottenburg zu (insoweit wurde ich durch seinen "Adenauerplatz" bitter enttäuscht), was in der zeitgenössischen Literatur noch viel zu selten passiert. Schließlich stellt er die Dummheit und die Verbrechen der "anständigen" Nachkriegsjustiz, -verwaltung und -presse sowohl im Umgang mit alten Nazis als auch mit deren Gegnern plastisch dar. Wer etwa gegen die Wiederbewaffnung war oder sich gegenüber der Staatsmacht auf seine Grundrechte berief, wurde als Kommunist gebrandmarkt, für den gerade die Verfassung nicht gelten sollte. Das ergänzt Delius durch die Beschreibung der Verhaltensweisen der "braven Deutschen" in den 60er Jahren, die etwa auf einer anti-68er Demonstration fast zur Lynchjustiz an Langhaarigen und Studenten schreiten wollten. Nein, natürlich nicht alle von ihnen... Zur zuverlässigen Information über die Stimmung im Land könnten noch Reinickes Schily-Biographie und Carinis Buch über Fritz Teufel herangezogen werden.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ja, aber 2. November 2004
Format:Gebundene Ausgabe
ein roman, der sehr gut zu lesen ist. delius ist einer der besten schriftsteller, die deutschland momentan hat und ihm ist auch hier wieder ein gutes buch gelungen. das buch verschränkt virtuos drei zeitebenen. die jahre 1943/44, in denen eine wiederstandsgruppe im dritten reich ausgehoben und hingerichtet wird. die leiden der witwe eines der widerstandskämpfer im dumpfen nachkriegsdeutschland der fünfziger jahre und schließlich die jahre 1968/69, in denen einer der richter, die diese todesurteile gefällt haben, wegen totschlags angeklagt und mit übler begründung freigesprochen wird. der ich-erzähler hat nun das dringende bedürfnis diesen richter umzubringen. er ist student in berlin, hat eine nette freundin, catherine, und ist in die zeittypischen diskussionen und aktionen verwickelt. einer seiner freunde ist ein sohn des hingerichteten widerstandskämpfers. all das wird packend erzählt, man legt das buch nicht aus der hand, bevor man es ausgelesen hat. allerdings bleibt ein schales gefühl zurück, denn der leser erfährt nicht, wo die grenzen zwischen fiktion und wahrheit verlaufen. den widerstandskämpfer gorßcurth, einen freund von robert havemann, und seine widerstandsgruppe gab es wirklich. auch den richter r., der ihn verurteilt hat und der 1968 freigesprochen wurde. auch die leiden der witwe großcurth. zum teil hat das buch deshalb den charakter einer brillant geschriebenen dokumentation. andererseits besteht delius darauf, einen roman geschrieben zu haben, die dokumentation also mit fiktion gemischt zu haben. warum hat er nicht einfach eine autobiorgaphische skizze geschrieben und sich die fiktion gespart.... Lesen Sie weiter... ›
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5.0 von 5 Sternen Deutsche Nachkriegsgeschichte, 30. November 2011
Von Felix
Format:Taschenbuch
wie ich sie bisher nirgends spannender, empörender und hervorragend geschriebener gelesen habe. Bereits nach den ersten Seiten, fängt man sich an auszumalen, wie die "Geschichte" von Anneliese Groscurth und die des Erzählers ausgeht. Das Ende des Buches ist so unvorhersehbar, dass es den auf 302 Seiten beschriebenen Anreiz und Plan zum Morden den Sinn zu rauben scheint. Ein großartiges Buch, dass zum Nachdenken über Gerechtigkeit, Leben und Resignation anregt und ein zerrütetes Land beschreibt, in dem der Nationalsozialismus noch lange nicht mit dem 8. Mai 1945 endete.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Früher war eben doch nicht alles besser 13. September 2008
Format:Taschenbuch
Es ist schon erstaunlich, wieviel Erschreckendes und Beschämendes aus drei verschiedenen Zeitabschnitten im letzten Jahrhundert deutscher Geschichte hier zutage tritt: Das Grauen der Nazizeit, personifiziert in der Person des im Nachkriegsdeutschland rehabilitierten Nazirichters, aber auch das Leiden der "Anständigen" und ihr Widerstand; die maßlose Ignoranz, Arroganz und Intoleranz der Nachkriegszeit und schließlich der Gesinnungskrieg der 68er.
Natürlich erklärt sich das eine mit dem anderen. Aber all dem gemeinsam ist deutsche Prinzipientreue ohne Augenmaß und Toleranz, Obrigkeitshörigkeit und Angst vor dem Fremden, egal ob in Form anders Denkender, anders Frisierter oder anders Handelnder.
Vor allem aber belegt das Buch dann doch, welche ungeheuren Fortschritte in Liberalität und Demokratie diese Republik im Grunde erst seit der Amtszeit Willi Brandts gemacht hat. Das steht nirgendwo explizit, ist aber doch eine Botschaft, die sich mir jedenfalls aufgedrängt hat.
Wie all diese Botschaften in die Geschichte eines 68er Studenten verwoben werden, ohne künstlich, konstruiert, abgehoben oder akademisch zu sein, sondern authentisch, interessant und teilweise spannend, ist die wirkliche Leistung dieses Buches.
Empfehlenswert für jeden, der mehr wissen möchte über die jüngere deutsche Geschichte. Empfehlenswert vor allem für jene "Wertkonservativen", bei denen sich heute die Erkenntnis einschleicht, die 68er seien schuld an so vielen Übeln der heutigen deutschen Gesellschaft. Ich jedenfalls bin froh, erst danach erwachsen geworden zu sein.
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