Ich arbeite seit etwa zwei Jahren mit Lightroom und nutze es für einen Hobbyknipser recht intensiv. Da ich das Programm aber fast nur durch Ausprobieren erlernt habe und über Paddys sehr guten neunzehn72-Blog auf dieses Buch kam, dachte ich mir, es wäre ganz gut, noch einmal etwas dazu zu lesen, da man ja möglicherweise doch noch die eine oder andere Funktion noch nicht kennt oder nicht gut genug verstanden hat - oder einfach noch nicht weiß, was man damit tolles anfangen kann.
Um es vorweg zu nehmen: Meine Erwartungen hat das Buch erfüllt. Zwar war mir das meiste schon bekannt, aber viele mir nun bekannte Funktionen verstehe ich nun noch ein bisschen besser oder ich verstehe einfach noch besser (oder überhaupt einmal), wie und wofür man sie sinnvoll einsetzen kann. Dazu kommen noch eine Reihe Funktionen, die mir noch gar nicht so bekannt waren, weil sie einfach recht versteckt sind (zum Beispiel nicht über Menüs und Regler zu finden, sondern nur indem man irgendeine Taste drückt).
Wie schon von anderen beschrieben, erhebt der Autor gar nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern erläutert einfach die Fuktionen, die er in der täglichen Arbeit benutzt (und auch, wie er sie benutzt) und lässt solche weg, die er nicht benutzt.
Das ist aus meiner Sicht eine für einen Einsteiger sehr gelungene Herangehensweise, da man nicht mit der stupiden Auflistung der kompletten Funktionsfülle von Lightroom gelangweilt und überfordert wird, sondern sich auf die wirklich praktischen und wichtigen Funktionen konzentrieren kann. Und ich denke, dass die allermeisten LR-Nutzer auch in etwa dieselben Funktionen nutzen und benötigen, die er beschreibt.
Die Kehrseite der Medaille liegt aber auch auf der Hand: Paddys Anwendungszwecke und meine Anwendungszwecke decken sich, wie vermutlich auch bei den meisten anderen Lesern, nicht völlig; so bleibt einfach eine Lücke, für die man dann doch wieder auf sich gestellt ist oder die einschlägigen großen Kompendien zurückgreifen muss.
So fehlte mir zum Beispiel sehr ein Kapitel über die aus meiner Sicht äußert nützlichen und hilfreichen Veröffentlichungsdienste, mit denen man nämlich ganz wunderbare Sachen machen kann - und weit mehr als nur Veröffentlichen, wie es der Name vermuten lässt.
Umgekehrt empfand ich das Kapitel über Zeitraffer-Videos wie einen Fremdkörper: Ich bin Fotograf und kein Filmemacher, daher interessiert es mich auch nicht. Zudem ist das Thema ist komplex genug, um in einem eigenen Buch abgehandelt zu werden. Aber vielleicht finden es andere wiederum spannend.
Etwas ungünstig war häufig die Anordnung der Bilder, da man oft erst auf der nächsten oder übernächsten Doppelseite das Bild fand, das den Text illustrierte. Auch empfand ich die Menge an Bildern zur Veranschaulichung manchmal etwas unnötig hoch, etwa beim Schwarzwert. Aber das ist sicher besser als zu wenige!
Diese Kritik soll den Lightroom-Neuling aber nicht abschrecken: Wer Wert darauf legt, auch die letzten Winkel von Lightroom zu erforschen und dafür einen Reiseführer braucht, wird hier zwar enttäuscht werden; wer aber die Software nicht oder kaum kennt, oder sie zwar einigermaßen kennt, aber noch ein paar praktische Tipps gebrauchen kann, ist mit diesem Buch allemal besser bedient als mit den bekannten umfassenden 400-Seiten-Wälzern.