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2.0 von 5 Sternen
schön geschrieben, aber was passiert eigentlich?, 14. August 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mein Lieb, mein Lieb, mein Leben (Gebundene Ausgabe)
Die Szenen sind überzeichnet, die Handlung zieht sich so dahin, kein Spannungsbogen will sich bilden. Ein Lesestück, Unterhaltungswert mässig bis gering.
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3.0 von 5 Sternen
Gefangen zwischen Sex und Mitleid..., 23. Juni 2011
"Liebe - sagt man schön und richtig, -
ist ein Ding, was äußerst wichtig."
Wilhelm Busch
"Mein Lieb, mein Lieb, mein Leben" ist eins von diesen Büchern, die weder eine Geschichte erzählen, noch rein metaphorische Reise sind. Es ist irgendwas dazwischen.
Jeder Mensch ist auf der Suche danach, nach dem echten Gefühl, nach der Harmonie zwischen Körper und Geist mit einem Partner, der sowohl in sexueller, als auch geistig und insgesamt in spiritueller Natur begehrens- und liebeswert ist. Und egal wie groß oder wie klein der Anspruch ist - das Gefühl, der Wunsch dürfte immer derselbe sein.
Auch Lou ist so ein Mensch. Ihre sensible und träumerische Art sucht nicht nur nach dem intensiven Gefühl, sondern auch nach der Tragik von Liebe und Leben, gebündelt in dem Wunsch nach Ruhm und dem frühen Tod. Ihre große Liebe ist ein hoffnungsloser Fall, ihre Hoffnung klammert sich an den heldenhaften Prinzen, der sie einst zu sich aufs Schloss holen soll; doch als dies geschieht, schlägt sie es aus. Eigentlich will sie nur ihren Clemens haben, der zweifelsohne ein ebenso vom Leben abgehängter Charakter ist wie sie, ohne sich allerdings großen Fantasien hinzugeben.
Ihre ganze Geschichte ist noch auf eher nebensächlich komplexe Weise mit Worpswede (Künstlerkolonie) und auch mit dem Dichterin Lou-André Salome verknüpft, dass beides aber eher metaphorisch.
Gleichzeitig erzählt Lou von dem Erwachsenwerden ihrer Großmutter in den Jahren 1935-38, durch alte Briefe und wiedergegebene Erzählungen, wird einem ein relativ interessantes Bild gegeben, doch auch diese Geschichte bleibt seicht und zaghaft, angetan mit einer (wohl für manche verführerischen) Blässe.
Simone Meier ist zweifellos ein vielschichtiges, kurzes Buch gelungen, dass sich an einem allwichtigen, allmächtigen Thema versucht und doch ein wenig daran scheitert; vielleicht weil es frontal darauf zugeht und es doch meistens so ist, dass gerade die Geschichten, die sich scheinbar nur mit sich selbst beschäftigen, auf diese Weise ganz von Selbst die Symptome ihrer Entwicklungen und Wesen einfangen.
Das Buch ist eine Art Versuch, eine subjektiv seichte Annäherung. Nicht schlecht, aber auch nicht mehr als traurig.
"Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen[...]
Doch während wir uns aneinander drücken,
um nicht zu sehen, wie es ringsum naht,
kann es aus dir, kann es aus mir sich zücken:
denn unsre Seelen leben von Verrat."
Rainer Maria Rilke
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3.0 von 5 Sternen
Wie gern ich mit dir schlafe!, 20. April 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mein Lieb, mein Lieb, mein Leben (Gebundene Ausgabe)
Das Schlimmste im Leben ist bekanntlich ewiges Mittelmaß. Simone Meiers Heldin, die Journalistin Lou, will also wenigstens durch ihren Tod berühmt werden: Am liebsten in einem See eigenen Blutes ertrinken und weiße Lilien darauf schwimmen lassen. Das ist zwar keine ganz neue Idee, aber allemal besser zu inszenieren als der gewöhnliche Abgang in irgendeinem Bett. Wäre da nicht dieser Clemens, die große und einzige Liebe, für die es sich nicht zu sterben, sondern zu leben lohnt. Clemens aber geistert wie ein Dämon von der ersten bis zur letzten Zeile der Aufzeichnungen der erzählenden Protagonistin Lou. Verbündete und Rivalin zugleich, tritt Helena in das Geschehen ein. Trotz der Rivalität um Clemens verbringen die beiden Frauen eine Liebesnacht miteinander. Ein Befreiungsschlag in Form von gleichgeschlechtlicher Liebe? Nicht ganz:
Innerhalb einer zweiten Erzählebene berichtet Lou vom Leben ihrer Großmutter Verena Nyffenegger, die durch eine Kleinkarriere als Fotomodell Anfang der 30er Jahre vorübergehend aus ihrem schweizerischen Heimatdorf herausfindet. Verenas langjährige Briefe an ihren Cousin, die Lou eines Tages findet, offenbaren einen makaberen Witz, der in der gegenwärtigen, morbide stilisierten Welt Lous eine Parallele findet. Ein durch die Briefe offenbar werdendes Verhältnis Verenas mit einer Frau schafft eine weitere seelische Verwandtschaft zwischen ihr und ihrer Enkelin Lou. Während aber Verena eine regelrechte Befreiung aus ihrer engstirnig-biederen Bergwelt erlebt, siecht ihre weltgewandte Enkelin in zu großer Freiheit vor sich hin. Süchtig nach Gefühl, stumpf durch eine reizüberflutete Welt, träumt Lou von einer Zeit, in der nach ihrer Vorstellung noch in „weltliterarischen Dimensionen" geliebt wurde. Diese Zeit ist der Beginn des 20. Jahrhunderts, die Zeit des literarischen „Traumpaares" Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salomé.
Man ahnt es also bereits während der ersten Kapitel und gegen Ende wird es zur Gewissheit: Ähnlichkeiten der Heldin Lou mit der „femme fatale" Lou Andreas-Salomé sind keineswegs auf den Vornamen beschränkt. Auch Simone Meiers Lou lebt Affären mit Dichtern und Adligen, verkehrt am liebsten auf Schlössern und bleibt gefühlsmäßig immer mit ihrer großen Liebe Clemens verbunden wie Andreas-Salomé mit Rilke. Der Dichter Michael, ein Liebhaber Lous, wohnt nicht zufällig in Worpswede, wo Rilke damals kurzzeitig aus seinen Depressionen herausfand und seine verhängnisvoll enge Bindung an Andreas-Salomé lockern konnte. Dort lernte Rilke Clara Westhoff, seine spätere Ehefrau, kennen, die einen Hass auf die Seelenverwandte ihres Mannes haben musste. Simone Meiers Lou verhält sich wie eine Mischung aus Andreas-Salomé und Westhoff: Hier die erfolgreiche, sexbesessene und untreue Autorin, dort die liebende, eifersüchtige Frau.
Simone Meiers Thema ist die verzweifelte Suche nach Gefühl und echter Leidenschaft. Mit den beiden Charakteren Lou und Verena zeichnet sie den Kontrast und die Berührungspunkte zweier Welten und beschreibt damit den Verlust echten Gefühls in einer schnelllebigen Gegenwart: Wo Verena aus innerem Bedürfnis handelt, da imitiert Lou nur die berühmten Vorbilder; selbst die große Liebe Clemens bleibt merkwürdig konturlos wie ein vergöttertes Luftgebilde. Vermutlich liegt es daran, dass sich die Erzählebene der Großmutter Verena fast wie ein eigenständiges Buch liest: Ihre Briefe erzählen eine echte Story, sind dabei witzig und erfrischend selbstironisch. Dagegen wirkt Meiers Protagonistin Lou profilneurotisch und torschlusspanisch, spürt ständig „eine Oper" in sich „aufsteigen" und wird von ihrer Mutter zu Recht schon mal eine „Kitschkiste" genannt.
So beabsichtigt dieser Kontrast auch sein mag, er nimmt dem Buch einiges an Tempo. Als ob Simone Meier beim Schreiben den Rilke-Salomé-Briefwechsel gelesen hat und sich dessen schicksalschweren Ton aneignen wollte. Dabei wird geschwelgt, verklärt und klischiert. Dennoch gelingen Meier auch ironische Brechungen und mitunter witzig-skurrile Szenerien. So etwa, wenn einer von Lous Liebhabern euphorisch ausruft: „Wie gern ich mit dir schlafe", sich daraufhin zur Seite dreht und einschläft. Oder eine märchenhafte Episode mit dem Spruch endet: „Liebstes Schneewittchen, laß uns auf ewig deine Zwerge sein." Das entschädigt für viel sehnsüchtiges Geschmachte und offenbart Meiers manchmal slapstickhaften Humor. Nach anfänglich gewollt wirkender Bedeutungsschwere entpuppt sich „Mein Lieb, mein Lieb, mein Leben" als lesenswerter Roman mit einer eigenen, humorigen Sprachfärbung.
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