"Liebe - sagt man schön und richtig, -
ist ein Ding, was äußerst wichtig."
Wilhelm Busch
"Mein Lieb, mein Lieb, mein Leben" ist eins von diesen Büchern, die weder eine Geschichte erzählen, noch rein metaphorische Reise sind. Es ist irgendwas dazwischen.
Jeder Mensch ist auf der Suche danach, nach dem echten Gefühl, nach der Harmonie zwischen Körper und Geist mit einem Partner, der sowohl in sexueller, als auch geistig und insgesamt in spiritueller Natur begehrens- und liebeswert ist. Und egal wie groß oder wie klein der Anspruch ist - das Gefühl, der Wunsch dürfte immer derselbe sein.
Auch Lou ist so ein Mensch. Ihre sensible und träumerische Art sucht nicht nur nach dem intensiven Gefühl, sondern auch nach der Tragik von Liebe und Leben, gebündelt in dem Wunsch nach Ruhm und dem frühen Tod. Ihre große Liebe ist ein hoffnungsloser Fall, ihre Hoffnung klammert sich an den heldenhaften Prinzen, der sie einst zu sich aufs Schloss holen soll; doch als dies geschieht, schlägt sie es aus. Eigentlich will sie nur ihren Clemens haben, der zweifelsohne ein ebenso vom Leben abgehängter Charakter ist wie sie, ohne sich allerdings großen Fantasien hinzugeben.
Ihre ganze Geschichte ist noch auf eher nebensächlich komplexe Weise mit Worpswede (Künstlerkolonie) und auch mit dem Dichterin Lou-André Salome verknüpft, dass beides aber eher metaphorisch.
Gleichzeitig erzählt Lou von dem Erwachsenwerden ihrer Großmutter in den Jahren 1935-38, durch alte Briefe und wiedergegebene Erzählungen, wird einem ein relativ interessantes Bild gegeben, doch auch diese Geschichte bleibt seicht und zaghaft, angetan mit einer (wohl für manche verführerischen) Blässe.
Simone Meier ist zweifellos ein vielschichtiges, kurzes Buch gelungen, dass sich an einem allwichtigen, allmächtigen Thema versucht und doch ein wenig daran scheitert; vielleicht weil es frontal darauf zugeht und es doch meistens so ist, dass gerade die Geschichten, die sich scheinbar nur mit sich selbst beschäftigen, auf diese Weise ganz von Selbst die Symptome ihrer Entwicklungen und Wesen einfangen.
Das Buch ist eine Art Versuch, eine subjektiv seichte Annäherung. Nicht schlecht, aber auch nicht mehr als traurig.
"Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen[...]
Doch während wir uns aneinander drücken,
um nicht zu sehen, wie es ringsum naht,
kann es aus dir, kann es aus mir sich zücken:
denn unsre Seelen leben von Verrat."
Rainer Maria Rilke