Die Autorin beschreibt sehr anschaulich und lebendig ihre Entwicklung vom Kleinkind zur jungen Frau. Sie schafft es beinahe spielerisch, den Leser in die archaische und vom Islam geprägte Welt der somalischen Clans eintauchen zu lassen. Dabei wird die völlige Abhängigkeit der Frau vom Willen der männlichen Clan-Mitglieder deutlich. Sie erzählt aber auch vom Bürgerkrieg in ihrem Land, dem Flüchtlingselend und den Versuchen, Familien wieder zusammenzuführen. Bereits hier wird die außergewöhnliche, charismatische Persönlichkeit der Autorin spürbar.
Die häufigen Ortswechsel, der lange Aufenthalt im multikulturellen Nairobi sowie ihr Talent, wie "eine Palme am Strand" Stürme zu überstehen, ohne daran zu zerbrechen, sondern gestärkt daraus hervorzugehen, dies alles kulminiert schließlich in dem entschiedenen Nein zu ihrem anscheinend unausweichlich vorbestimmten Schicksal. Die spannende Beschreibung ihrer Flucht und die Darstellung der Verhältnisse in Holland aus Sicht einer Afrikanerin gehen unglaublich nah. Ayaan Hirsi Ali wird zur Europäerin, ohne ihre Familie zu vergessen oder zu verachten. Darüber zu schreiben ohne Pathos und Stolz, ist vielleicht das Erstaunlichste an diesem Buch. Gerade wegen der für Ayaan Hirsi Ali empfundenen Empathie und Solidarität, die sich bei der Lektüre einstellen, werden ganz nebenbei die Gefahren, die für unsere Zivilisation vom Islam und falsch verstandener Multi-Kulti-Politik ausgehen, klar.