Der Roman, der in Deutschland bereits 1994 unter dem Titel "Fremde Nähe" erschien, spielt in New York, etwa im Jahr 1991.
Jody Goodman ist 24 Jahre alt und Assistentin eines Filmproduzenten. Ihr großer Traum, Regisseurin zu werden, könnte in Erfüllung gehen, denn sie hat einen der begehrten Studienplätze an der UCLA in Los Angeles bekommen. Aber Kalifornien? Soweit weg von zu Hause, von ihren Eltern?
Jody ist verunsichert und sucht deshalb, typisch amerikanisch, eine Psychotherapeutin auf, Claire Roth.
Die Therapie beginnt mit einem normalen Therapeuten-Klienten Verhältnis. Als Jody Claire jedoch erzählt, dass sie direkt nach der Geburt adoptiert wurde und ihre Mutter nicht kennt, ändert sich alles schlagartig.
Claire hatte als 19-Jährige eine Tochter zur Adoption freigeben müssen. Dies war im Jahr 1966, dem Geburtsjahr Jodys. Claires Interesse richtet sich nun ausschließlich auf Jodys Herkunft und die Grenzen zwischen Therapeutin und Patientin fallen.
Als Jody nach Los Angeles geht, entwickelt Claire den paranoiden Gedanken, Jody sei ihre Tochter.
Als Jody schwer erkrankt, kehrt sie nach New York zurück - Claire will sich um sie kümmern....
A.M. Homes porträtiert in diesem Roman sehr überspitzt den Hang der Amerikaner Therapeuten aufzusuchen. Am Beispiel von Jody zeigt sie, dass eine Therapie so aus dem Ruder laufen kann, dass die Rollenverteilung plötzlich offen scheint. Claire bricht sämtliche therapeutischen Regeln, indem sie Jody z.B. ihrer Familie vorstellt. Aber auch Jody entwickelt eine kontraproduktive Abhängigkeit.
Diese Geschichte wird von der Autorin mit schrägem, manchmal schon fast bösartigem Humor geschrieben, vor allem zu Beginn des Romans. Insbesondere Jodys Aussprüche und Gedanken sind oft zum Lachen. Wobei Jody sich möglicherweise hinter ihrem Wortwitz versteckt?
Der Roman liest sich sehr skurril, aber die ernsthaften Gedanken der Autorin, insbesondere zum Thema Psychotherapie, lassen sich durchaus herauslesen.
A.M. Homes hat einen unterhaltsamen, humorvollen Roman geschrieben, der trotzdem tiefgründig ist und dessen offenes Ende den Leser nachdenklich zurück lässt.