Eines muss ich dieser Rezension voranstellen:
Ich liebe Wladimir Kaminer!
Unser aller Berliner liebster Exilrusse hält uns seit 1990 auf unnachahmlich entlarvende und witzige Weise den Spiegel vor und gewährt uns andererseits überaus erheiternde Einblicke in die "russische Seele" und deren fassungslosen Blick auf den ganz normalen Berliner Irrsinn.
Seitdem ich vor vielen Jahren einige Male seine legendären "Russendisko"-Veranstaltungen besucht habe und ihn auch einmal als Moderator des Neujahrskonzertes in der Deutschen Oper erleben durfte, bin ich Fan - aber dennoch objektiv genug geblieben, um einzuräumen, daß sich Kaminer im Laufe der Jahre zu einem Vielschreiber entwickelt hat, von dessen Werken nicht alles gleich lesenswert ist.
"Mein Leben im Schrebergarten" jedoch ist ein absoluter Brüller und wurde von mir schon öfter ausgesprochen erfolgreich auch an Nicht-Berliner-Bekannte verschenkt.
Hier den Inhalt zusammenfassen zu wollen, wäre schwierig.
Zu sagen, daß Kaminer titelgemäß sein "Leben im Schrebergarten" beschreibt, wäre viel zu wenig.
Einen Teil seiner umwerfend komischen Erlebnisse dabei zu schildern, wäre viel zu viel verraten.
Lassen Sie sich also einfach überraschen von Kaminers Betrachtungen über Rhabarber als Einbürgerungsauflage, Biotoiletten, Apfelkrise, winterfeste Bärenkühe, einheimische Eiscreme-Esser und vieles mehr.
Außerdem gibt es natürlich auch Neues von Kaminers unerschrockener Ehefrau Olga, deren heldenhaft starrköpfiger kaukasischer Verwandtschaft und dem ferngesteuerten Kater Fjodor Dostojewski.
Aber lesen Sie das Buch nicht unbedingt in der Bahn oder an anderen öffentlichen Orten - Ihre Lachanfälle könnten Ihnen peinlich werden!
Für mich das bislang köstlichste Buch Kaminers und außerdem ein sehr ungewöhnlicher Rückblick auf das Jahr 2006 mit Fußball-WM, Problembär Bruno, der ersten -gescheiterten- Moskauer Schwulenparade und vielem mehr.
Fünf Sternchen und eine klare Empfehlung für alle, die über sich selbst und über immer noch existentes Spießbürgertum im Schrebergarten, dem laut Kaminer "letzten deutschen Bollwerk" lachen können.
Für diejenigen, die Kaminer noch nicht kennen, sind auch die Hörbuchfassungen seiner Ergüsse äußerst empfehlenswert, denn vorgetragen von ihm selber mit seinem verschmitzten Witz und seinem unverkennbaren Akzent wirken seine Betrachtungen darüber, was einem "typischen Russen" bei uns "typisch deutsch" vorkommt, umso komischer.