Loki Schmidt ist ebenso wie ihr späterer Ehemann auf die Hamburger Reformschule Lichtwark gegangen. Als Schülerin hat sie dort miterlebt, wie die moderne Pädagogik, u.a. die Koedukation, von den Nazis ab 1933 zerstört wurde. Zugleich haben viele Lehrer und Schüler versucht, trotz der Diktatur Freiräume zu erhalten.
Das Buch ist eine Folge von Interviews, die der Erziehungswissenschaftler Reiner Lehberger mit Loki Schmidt führte, er ist also ebenso Autor wie sie. Die Fragen sind gut strukturiert und recherchiert, Loki Schmidt antwortet aus ihrer Erinnerung wohlüberlegt. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und umfasst die Zeit von Schmidts Kindheit in den Zwanzigern bis zu ihren letzten Jahren als Lehrerin in den Sechzigern. Es erlaubt Einblicke in die Verhältnisse in Hamburger Schulen während dieser wechselhaften Zeiten. Thema ist nur die Schule, Unterricht und die Arbeit als Lehrerin, das Privatleben und ihr Schmidts Ehemann spielen in dem Buch keine Rolle. Schwarzweißfotos illustrieren die Berichte.
Die Lehrerin Loki Schmidt ist keine Revolutionärin und auch keine Widerstandskämpferin, aber eine überzeugte Sozialdemokratin mit klaren Grundsätzen und großem Engagement. Sie verteidigt die Ohrfeigen, die sie Schülern verabreicht hat (Seite 202), aber in den 50er Jahren gab es eben auch andere Verhältnisse. Sie hat sich sehr für ihre Schüler eingesetzt, ohne die Gesellschaft ändern zu wollen.
Dieses Buch ist lesenswert für all diejenigen, die sich für Schule und Geschichte interessieren. Sowohl die Fragen als auch die Antworten sind sehr kompetent.