"Eine wahre Geschichte" nennt sein deutscher Verlag die autobiographische Auseinandersetzung mit dem "väterlichen Erbe", dem "Patrimony", wie der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet. Das Wort meint mehr als nur das, was dem Sohn an materiellen Gütern vom Vater überlassen wird. Es umfaßt die gesamte Überlieferung, für die der Vater als Mensch, Mythos und Modell kultureller wie sozialer Identität steht. Der Erzähler ist auf einer längeren Autofahrt durch Manhattan zur Intensivstation, wo sein eigener Vater wegen eines Gehirntumors liegt. Ein Taxifahrer vertraut ihm an, dass er sich väterlicher Bevormundung durch Gewalt entledigt habe. Der Erzähler hält ein flammendes Plädoyer für die Vater-Sohn-Beziehung und beginnt zu zweifeln. Er reflektiert seine bewußte Abgenzung zum Vater die doch nur zu einer stärkeren Verschmelzung führte. Diese Verschmelzung ist nicht nur eine Tatsache, sie ist offenkundig auch ein Verlangen. Meisterhaft schildert der Erzähler diese allmähliche Annäherung, zeichnet behutsam die einzelnen Stationen eines immer weitere Bereiche umfassenden Rollentausches nach, zeigt, wie er dem Greis in seiner Hinfälligkeit nahekommt, um dann am Schluß, nach des Vaters Tod, sich emphatisch zu ihm als Mythos zu bekennen. Das Buch endet mit einem Traum, den der Autor folgendermaßen deutet: "Der Traum sagte mir, daß ich, wenn schon nicht in meinen Büchern oder in meinem Leben, zumindest in meinen Träumen ewig als sein kleiner Sohn leben würde, (...) so wie er dort lebendig bleiben würde, nicht nur als mein Vater, sondern als der Vater, der zu Gericht sitzt über alles, was ich tue." Dieses Buch löst zwiespältige Gefühle im Leser aus, eine Reaktion, wie sie der Ambivalenz des Lebens selbst angemessen ist. Doch der Zwiespalt wird in der Schwebe gehalten durch die Erzählkunst Philip Roths. Das Ganze wirkt bei aller Bedrängnis gelöst, ja heiter. Dafür sorgen schon die komischen Einlagen, die einmal mehr den Humor des großen Menschenkenners Philip Roth bezeugen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)