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Außer der mit dem vorliegenden Buch postum in den kommunistischen Heiligenhimmel Erhobenen und dem Herausgeber kommen etliche Wegbegleiter von Lotte Ulbricht, geborene Kühn, zu Wort: Heinz Keßler etwa ("seit 1985 Verteidigungsminister der DDR und von 1986 bis 1989 Mitglied des Politbüros des ZK der SED"), Josef Angenhorst ("seit 2003 Sprecher der VVN -- Bund der Antifaschisten in NRW"), Hans Modrow, zuletzt PDS-Abgeordneter im Deutschen Bundestag, oder Egon Krenz, der, wie uns der Herausgeber nicht ohne leicht bitteren Unterton belehrt, für seine Teilname an der Trauerfeier Hafturlaub beantragen musste.
Sie alle erinnern sich an die Lotte, die sie kannten und die von den meisten ihrer Zeitgenossen in der einen oder anderen Weise zu Unrecht verkannt worden sei, die in Wahrheit außer ihrem Ehemann eine treue Gefährtin und bis zuletzt überzeugte Kommunistin vor allem eines war: eine herzensgute Frau.
Es besteht kein Zweifel: Dieses Buch ist eines, das ein Freund von Lotte Ulbricht für ihre Freunde gemacht hat. Doch trotz der bisweilen penetranten Parteilichkeit bietet es dem zeitgeschichtlich Interessierten nicht nur die eine oder andere interessante Anekdote, sondern als liebevoll arrangierte Devotionalie sehr aufschlussreiche Einblicke in die kommunistische Seele. --Andreas Vierecke
"Mein Eheleben mit Walter Ulbricht begann 1935 in Moskau und kam aufgrund eines Zufalls zustande auf der Eisbahn." Dort nämlich lernte Lotte Kühn ihren späteren Mann kennen, der als Kandidat des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale zur Vorbereitung des VII. Weltkongresses gerade in der Hauptstadt der Sowjetunion weilte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lottes politische Karriere längst begonnen. Ihr Lebenslauf notiert: "Politisch organisiert seit Maerz 1919." Damals war Lotte Kühn noch nicht einmal 16 Jahre alt.
2002 verstarb sie als Lotte Ulbricht und Witwe des ehemaligen Staats- und Parteichefs der DDR im Alter von 98 Jahren. Sie selbst hat, so Herausgeber Frank Schumann, "keine Memoiren geschrieben, weil sie sich nicht für bedeutend hielt." Dennoch gewinnt man den Eindruck, dass der vorliegende Band ihren Wünschen entsprechen müsste. Er präsentiert ausschließlich Dokumente, die sie selbst den beiden Archivarinnen Inge Pardon und Elisabeth Ittershagen in den letzten Monaten ihres Lebens übergeben hat. Entstanden ist so, auch dank der 200 Fotos, eine Art realsozialistisches Familienalbum, das als solches dem Geistes- und Gefühlsleben der ehemaligen "First Lady" der DDR gerecht zu werden scheint.
Privatleben und Parteiräson waren in der Person Lotte Ulbricht untrennbar miteinander verbunden. Für sie und ihren Mann war nach eigenem Bekunden "der Kampf um eine kommunistische Gesellschaft Lebensinhalt, wobei die persönlichen Interessen eine untergeordnete Rolle spielten". So lesen sich Briefe an Freunde wie Parteidokumente und Berichte von offiziellen Treffen wie Protokolle von Familienfeiern. Wer diesen Band nicht als Devotionalie genießen, sondern als historisches und psychologisches Dokument lesen möchte, darf sich neben Erwartbarem auf manche Überraschung freuen - so etwa auf ein Autogrammfoto von Formel 1-Weltmeister Mika Häkkinen! -- Roland Große Holtforth
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