"Mein Leben mit den Schamanen" ist sowohl für Neulinge als auch für Kenner des Schamanismus ein echtes Vergnügen. Neben der Initiation einer Europäerin in die schamanistische Tradition zweier unterschiedlicher außereuropäischer Kulturen geht es in diesem Buch vor allem um die Suche einer Frau zu sich selbst bzw. um die Frage nach dem Sinn des Lebens nach dem Verlust der geliebten Partnerin. Für die Leser interessant ist, dass die französische Originalausgabe aus 2 Büchern besteht. Insofern gibt es doch einen deutlichen Bruch inmitten des Buchs, wenngleich Teil 2 an einigen Stellen auf Teil 1 Bezug nimmt. Der erste Teil, indem die Autorin in Peru eine körperlich sehr unangenehme und anstrengende Initiation in den Schamanismus des Amazonas unterläuft, ist in strenger Tagebuchform gehalten. Manchmal ist ein Bericht nur eine halbe Seite lang. Im zweiten Teil, der in der Mongolei spielt, und indem die Protagonistin allmählich aus ihrer Depression hervortaucht, in die sie seit dem Tod ihrer Partnerin (dass es sich um eine lesbische Liebe gehandelt hat, wird auf angenehme Weise für so selbstverständlich angenommen, dass es gleich gar nicht speziell thematisiert wird) gefangen war, nimmt das Buch mehr den Stil eines Romans an, da die Tagebucheinträge über mehrere Seiten hinweg gehen. Auch ist der Stil weniger ironisch/sarkastisch. Was mir an dem Buch besonders gefallen hat, ist die Tatsache, dass die Autorin selbst von ihrer schamanischen Fähigkeit überrascht wird. Dies unterscheidet "Mein Leben mit den Schamanen" von der Fülle verwandter Publikationen auf dem Eso-markt. Spannend auch, dass die Leser 2 unterschiedliche indigene Traditionen kennenlernen - jene aus Perú und der Mongolei. Für Ethnologie/Anthropologie-Interessierte findet sich ein besonderes Schmankerl, da die Autorin ihre Initiation in der Mongolei von einer Ethnologin begleiten lässt - auch, um nicht völlig den Draht zur rationalen westlichen Denkart zu verlieren....ein echtes Lesevergnügen, dass erst ab der Mitte des Buches zur vollen Form aufläuft!