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Bezeichnenderweise erhält er die grausamsten Schläge nicht von seinen ihn hänselnden Mitschülern, sondern von intoleranten Erwachsenen. Eine Szene erinnert an den mit Fackeln und Mistgabeln bewaffneten, wütenden Mob aus den Frankenstein-Filmen. Ludo bemüht sich aufrichtig darum, männlich zu sein, doch er kann seine Natur nicht verleugnen - besonders dann nicht, als er eine verwandte Seele trifft: ein kleines Mädchen, das ihr Kleid gerne gegen seine Hose und sein Hemd eintauscht.
Die bittersüße Mischung aus unschuldigen Fantasie-Szenarien und der Grausamkeit der Kindheit hat ihre traurigen Momente voll erdrückender Missverständnisse, aber der Grundton des Films ist liebevoll und wird von Zärtlichkeit beherrscht. Am Ende gipfelt er in Akzeptanz und einem Gefühl der Zusammengehörigkeit. Während die Familie strampelnd und stolpernd versucht, Ludo so wie er ist zu akzeptieren, entdecken sie etwas Besonderes in ihm: Eine unschuldige Überzeugung, die so mächtig und rein ist, dass sie ansteckend wirkt. Ludo wird vielleicht nicht, wie er hofft, groß werden, um sich in ein Mädchen zu verwandeln, aber sein Glaube ist so stark, dass man ihm diese Möglichkeit einfach nicht ganz verweigern kann. Der Film erinnert uns daran, dass für ein Kind alles möglich ist. --Sean Axmaker
Sehr schöner Film. Kein Meisterwerk, aber gehobene Unterhaltung. Berührend, niemals langweilig und das problematische Thema gut umsetzend. Auch wenn es so etwas wie ein glückliches Ende in diesem Film gibt, so wird doch klar, eine wahre Lösung ist unmöglich. Ich möchte allerdings auch betonen, dass es hierbei wohl weniger um Homo- oder Transexualität geht (allein das Alter Ludovics verbietet dies), sondern um den Gegensatz von kindlicher Unbefangenheit und "erwachsenem" Rollendenken, zwischen Phantasie und Wirklichkeit, und um das hier schließlich in extreme, ja lächerliche Intoleranz umschlagende Bedürfnis der Menschen sich eine schöne, vollkommene, ordentliche, heimelige Umgebung zu schaffen. Die stärkste Seite des Films ist aber ohne Zweifel die ästhetische. Die wundervoll, fast parodistisch überzeichnete Welt des Viertels, in das die Familie zieht, ist wohl eine der besten Verwendungen eines heute sehr verbreiteten filmischen Ästhetizismus, der anderswo teilweise ins Lächerliche umschlägt (zwei Leute betreten ein -laut Plot- monatelang leerstehendes Haus, die Scheiben glänzen als seien sie vor zwei Stunden geputzt), hier aber wundervoll die Umsetzung des Themas trägt.
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