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Mein Leben [Taschenbuch]

Marcel Reich-Ranicki
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (138 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Lange Zeit hatte Marcel Reich-Ranicki die Niederschrift seiner Autobiografie vor sich hergeschoben. Dennoch wurde er von Freunden und Bekannten ermutigt und gedrängt, von Verlegern mit Geld gelockt. Sechs Jahre schrieb er an seinen Erinnerungen. Im Alter von 79 hatte er sie dann vorgelegt. 2003 sind die Erinnerungen des 1920 Geborenen im Taschenbuch erschienen.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, wobei der Schwerpunkt auf der Zeit vor 1958 liegt. Die ersten beiden Abschnitte zeigen die Entwicklung und die Leidenszeit des Schülers und jungen Mannes, die in höchstem Maße von den Ereignissen der Zeitgeschichte geprägt ist. Es sind dies die Kindheit in Polen, die Jugend im nationalsozialistischen Berlin und schließlich die eindringlich und zugleich in einem ruhigen Tonfall geschilderten Zustände im Warschauer Getto. Nach dem Neuanfang im kommunistischen Polen erfolgt dann die Zäsur: Ende der Fünfziger zieht es Reich-Ranicki in die Bundesrepublik.

Dieses Datum markiert einen Einschnitt im Leben des Kritikers und zugleich in dessen Erzählen. Hat er bis dahin seine Persönlichkeitsbildung als humanistisch geprägter Schüler und junger Mann in der immer barbarischer werdenden äußeren Welt ausführlich dargestellt, so erzählt er die folgenden Jahrzehnte nur noch in Episoden. Zwar kommt manches -- z. B. seine Zeit bei der F.A.Z. -- etwas zu kurz, gleichwohl können andere Abschnitte dafür entschädigen: Die Begegnungen mit Mitgliedern der Familie Mann, sein Porträt Wolfgang Koeppens oder die jahrelange und letztlich doch gebrochene Freundschaft zu Joachim Fest werden unterhaltsam wie sensibel geschildert. Mein Leben ist ein Buch über das Gezeichnetsein durch die Schrecken des Dritten Reiches und über persönliche Enttäuschungen. Es ist aber auch ein Buch über glückliche Augenblicke, sowie über die Liebe, und zwar die zu seiner Frau und -- natürlich -- zur Literatur.

Marcel Reich-Ranicki hat im Grunde alles erreicht, was ein Kritiker erstreben kann: Er wurde zum bedeutendsten und einflussreichsten Kritiker seiner Zeit. Nach wie vor ist er gefürchtet und respektiert -- doch kaum geliebt. Vor allem aber ist er eins geblieben: ein Außenseiter. Und man spürt über die 560 Seiten hinweg, wie sehr ihn das geschmerzt hat. So steht gegen Ende des Buches nicht zufällig ein Zitat des von ihm geschätzten Friedrich Schlegel, das Reich-Ranicki auf sich selbst bezieht: "Man findet mich interessant und geht mir aus dem Wege... Am liebsten besieht man mich aus der Ferne, wie eine gefährliche Rarität." --Alexander Simon -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

»Das Buch vermittelt einen Grundkonflikt im Leben des Autors: seine Begeisterung für die deutschsprachige Literatur und sein Entsetzen über die deutsche Barbarei.«
Sächsische Zeitung 28.03.2009

Der Spiegel

Dieses Buch "ergreift durch die tonlose Stille des Entsetzens, durch subtile Andeutungen, polemisches Verschweigen, durch Lakonik und Zärtlichkeit... Nur herzlose Leser werden sich diesem Drama in Prosa entziehen können." Mathias Schreiber, Rainer Traub -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Focus

"Schon nach wenigen Seiten erliegt man dem suggestiven Erzählstil, der mit Anekdoten und Szenen pointensicher arbeitet... Sein Temperament, sein Witz bleiben nicht verborgen. Nur ist es der leise Ton, der dieses Buch so stark macht... Nüchtern, zuweilen melancholisch, schildert er sechs fürchterliche Jahre. Diese Passagen heben die Memoiren in den Rang eines Jahrhundert-Buchs." Stephan Sattler -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Die Weltwoche

"Seine Schilderungen des literarischen Lebens, seine Begegnungen mit Schriftstellern, seine Erinnerungen an Theateraufführungen und Konzerte bereiten höchsten Lesegenuß. Da wird, nicht ohne eine gewisse Boshaftigkeit, pointenreich erzählt, es sitzt jeder Strich, kein Wort ist zu viel." Klara Obermüller -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Neue Zürcher Zeitung

Reich-Ranicki "dichtet keine 'Todesfuge', er sagt nur, was war; doch die pure Faktizität reicht aus, daß einem danach selbst die 'Todesfuge' als unangemessene Ästhetisierung des Grauens erscheinen könnte." Peter Hamm -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Die Welt

"... die spannende, unterhaltsame, glänzend geschriebene Autobiographie Marcel Reich-Ranickis...", Tilman Krause -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Frankfurter Rundschau

"Man liest diese Autobiographie voller Spannung. Und am Ende kann man ihrem Autor den Respekt nicht versagen. Das liegt nicht nur daran, daß man hier einen atemberaubenden Lebenslauf des zwanzigsten Jahrhunderts vor sich hat. Es liegt auch an der Haltung, mit der der Autor seinen Erfahrungen begegnet und welche Schlüsse er daraus zieht." Helmut Böttiger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Die Woche

"Der einflußreiche deutsche Literaturkritiker hat zwar ein vielfältiges Buch geschrieben, das keineswegs nur in den ersten Teilen, die von der Nazi-Zeit handeln, spannend und aufschlußreich ist. Auch seine Analyse des literarischen Lebens der Bundesrepublik und viele seiner Porträts (Wolfgang Koeppen, Ingeborg Bachmann) oder Vignetten (Golo Mann, Bert Brecht) sind prägnant und bieten neuartige Perspektiven auf die beschriebenen Verhältnisse und Figuren. Die Bedeutung dieses verstörenden Textes liegt aber... in seiner zeithistorischen Radikalität." Peter Glotz -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Der Tagesspiegel

"Es ergreift, oft genug, diese Mischung aus Liebe zur Literatur und zum Leben, die beide dem gleichen Wunsch entsprechen: nicht, noch nicht zu sterben... "Mein Leben" gehört... zu den großen Geschichtserzählungen unseres Jahrhunderts." Peter von Becker -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

die tageszeitung

"Er kam nach Warschau in den Bezirk, der schon bald das 'Getto' heißen sollte. Was er aus dieser Zeit berichtet, ist so erschütternd, daß das Lesen manchmal schwerfällt." Volker Weidermann -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Marcel Reich-Ranicki, viel bewundert und viel gescholten, ist so bekannt und populär, so einflußreich und schließlich auch so umstritten wie wohl kein deutscher Kritiker zuvor. Mit seinem »Literarischen Quartett« beweist er seit 1988, daß die Vermittlung von anspruchsvoller Literatur im Fernsehen höchst unterhaltsam sein kann. Was steckt hinter Reich-Ranickis unvergleichlichem Aufstieg, hinter diesem unglaublichen Erfolg? Als er, kaum neun Jahre alt, aus seiner polnischen Geburtsstadt Wloclawek nach Berlin übersiedelt, verabschiedet ihn seine Lehrerin mit den Worten: »Du fährst, mein Sohn, in das Land der Kultur.« Doch das Land der Kultur stellt sich schon dem Kind nicht ohne düstere Seiten dar.

Wie ein roter Faden zieht sich diese widerspruchsvolle Erfahrung durch sein weiteres Leben: Das Glück, das er der deutschen Literatur verdankt, der Musik und dem deutschen Theater, ist untrennbar verknüpft mit der Angst vor der deutschen Barbarei. Im Jahre 1938 wird Reich-Ranicki nach Polen deportiert. Als Jude erfährt er im Warschauer Getto die schrecklichsten Demütigungen, die Menschen Menschen bereiten können. Zusammen mit seiner Frau Tosia überlebt er das Inferno. Im Polen der Nachkriegsjahre wird er Kommunist und Zeuge des größten Verrats an der Idee einer gerechten Gesellschaft. 1958 kehrt er nach Deutschland zurück und wird beinahe sofort als Kritiker anerkannt.

Der Verlag über das Buch

»Reich Ranickis Geschichte ist so erschütternd wie spannend. Und ganz nebenbei noch eine wundervoller Liebesroman - von ihm und seiner Frau Teofila.« Rheinische Zeitung»Der Leser reist mit Marcel Reich-Ranicki durch die deutsche Geschichte mit all ihren Kontrasten und erlebt die Häutung eines genialen Kritikers.« Rundy

Der Autor über sein Buch

Für Teofila Reich-Ranicki und Andrew Alexander Ranicki -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Klappentext

Marcel Reich-Ranickis Autobiografie ›Mein Leben‹ ist ein Welterfolg. Bis heute sind allein in Deutschland über 1,2 Millionen Exemplare verkauft worden, hinzu kommen Übersetzungen in siebzehn Sprachen, darunter ins Chinesische und Koreanische. ›Mein Leben‹ lässt die Konsequenzen der menschenverachtenden Politik der Nationalsozialisten auf erschütternde Weise sichtbar werden. Um gerade jungen Menschen den Zugang zu dieser besonderen Lebensgeschichte zu erleichtern, hat ›Spiegel‹-Kulturredakteur Volker Hage den ersten Teil der Autobiografie über die Jahre 1933 bis 1945 mit einem umfassenden Kommentar versehen. Dieser kommentierte Auswahlband für Schüler und Lehrer erscheint zum 85. Geburtstag des Autors im dtv. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Umschlagtext

»Auf die Gefahr hin, der Anmaßung bezichtigt zu werden, will ich hier doch sagen, wovon ich überzeugt bin: Die Literatur ist mein Lebensgefühl. Das lassen, glaube ich, alle meine Ansichten und Urteile über Schriftsteller und Bücher erkennen, vielleicht auch die abwegigen und verfehlten. Letztlich ist es ja die Liebe zur Literatur, diese mitunter sogar ungeheuerliche Leidenschaft, die es dem Kritiker ermöglicht, seinen Beruf auszuüben, seines Amtes zu walten. Und bisweilen mag es diese Liebe sein, die anderen die Person des Kritikers erträglich und in Ausnahmefällen sogar sympathisch macht. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Ohne Liebe zur Literatur gibt es keine Kritik.« Marcel Reich-Ranicki

TOC: Inhalt ERSTER TEIL: VON 1920 BIS 1938

Was sind Sie denn eigentlich? .............................................. 11 Halb zog sie ihn, halb sank er hin ......................................... 26 Herr Kästner, seelisch verwendbar .......................................... 36 Verneigung vor der Schrift ................................................. 47 Rassenkunde - nicht erfolgreich ............................................ 68 Mehrere Liebesgeschichten auf einmal ....................................... 82 Die schönste Zuflucht: das Theater ........................................ 106 Ein Leiden, das uns beglückt .............................................. 131 Die Tür führte ins Nebenzimmer ............................................ 145 Mit unsichtbarem Gepäck ................................................... 152 ZWEITER TEIL: VON 1938 BIS 1944

Die Poesie und der Krieg ................................................. 163 Die Jagd ist ein Vergnügen ................................................ 178 Der Tote und seine Tochter ................................................ 189 Erst »Seuchensperrgebiet«, dann Getto ..................................... 199 Die Worte des Narren ...................................................... 208 Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist ...................................... 217 Todesurteile mit Wiener Walzern ........................................... 231 Ein Intellektueller, ein Märtyrer, ein Held ............................... 243 Eine nagelneue Reitpeitsche ............................................... 252 Ordnung, Hygiene, Disziplin ............................................... 262 Geschichten für Bolek ..................................................... 276

DRITTER TEIL: VON 1944 BIS 1958

Der erste Schuß, der letzte Schuß ......................................... 297 Von Reich zu Ranicki ...................................................... 315 Brecht, Seghers, Huchel und andere ........................................ 334 Josef K., Stalin-Zitate und Heinrich Böll ................................. 350 Eine Studienreise mit allerlei Folgen ..................................... 370 Junger Mann mit mächtigem Schnurrbart ..................................... 381

VIERTER TEIL: VON 1958 BIS 1973

Als Deutsche anerkannt .................................................... 395 Die »Gruppe 47« und ihre First Lady ....................................... 404 Walter Jens oder Die Freundschaft ......................................... 418 Literatur als Lebensgefühl ................................................ 427 Canetti, Adorno, Bernhard und andere ...................................... 438 Pulvermühle und Rechenmaschine ............................................ 459

FÜNFTER TEIL: VON 1973 BIS 1999

Der dunkle Ehrengast ...................................................... 477 Der Dichtung eine Gasse ................................................... 484 Genie ist man nur in den Geschäftsstunden ................................. 498 Die Familie des Zauberers ................................................. 506 Max Frisch oder Das Europäische in Person ................................. 518 Yehudi Menuhin und unser Quartett ......................................... 527 Joachim Fest, Martin Walser und das »Ende der Schonzeit« .................. 540 Ist ein Traum ............................................................. 552 Danksagung ................................................................ 555 Personenregister .......................................................... 557 -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Über den Autor

Marcel Reich-Ranicki, Professor, Dr. h. c. mult., geboren 1920 in Wloclawek an der Weichsel, ist in Berlin aufgewachsen. Er war von 1960 bis 1973 ständiger Literaturkritiker der Wochenzeitung ›Die Zeit‹ und leitete von 1973 bis 1988 in der ›Frankfurter Allgemeinen Zeitung‹ die Redaktion für Literatur und literarisches Leben. 1968/69 lehrte er an amerikanischen Universitäten, 1971 bis 1975 war er Gastprofessor für Neue Deutsche Literatur an den Universitäten Stockholm und Uppsala, seit 1974 Honorarprofessor in Tübingen, 1991/92 Heinrich Heine-Gastprofessur an der Universität Düsseldorf. Von 1988 bis 2001 leitete er das ›Literarische Quartett‹. Ehrendoktor der Universitäten in Uppsala, Augsburg, Bamberg, Düsseldorf, Utrecht und München. Goethepreis des Jahres 2002

Auszug aus Mein Leben. von Marcel Reich-Ranicki, Marcel Reich- Ranicki. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ist ein Traum

Es ist der 12. März 1999, Tosias Geburtstag, der Tag, an dem ihr achtzigstes Lebensjahr beginnt. Wir sind allein, es ist sehr still, ein später Nachmittag. Sie sitzt, wie immer, auf dem schwarzen Sofa vor einer unserer Bilderwände, hinter ihr die Porträts von Goethe, Kleist, Heine und Fontane, von Thomas Mann, Kafka und Brecht. Auf dem Schränkchen neben dem Sofa stehen einige Fotos: Andrew, mein Sohn, jetzt fünfzig Jahre alt, nach wie vor Professor der Mathematik an der Universität von Edinburgh, und Carla, seine Tochter, bald zwanzig Jahre alt, Studentin der Anglistik an der Universität von London.

Ich sitze Tosia gegenüber und tue nichts anderes als das, womit ich einen beträchtlichen Teil meines Lebens verbracht habe: Ich lese einen deutschen Roman. Aber ich kann mich nicht recht konzentrieren und lege das Buch auf den niedrigen Tisch. Für einen Augenblick trete ich auf unseren großen, viel zu selten benutzten Balkon. Das Wetter ist freundlich und angenehm, die Sonne geht unter, es ist ein schönes, vielleicht, wie üblich, ein etwas zu schönes, ein gar zu feierliches Schauspiel. Ich kann mich nicht erinnern, von diesem Balkon aus, obwohl wir hier schon über 24 Jahre wohnen, einen Sonnenuntergang gesehen zu haben. Ist mir Natur etwa gleichgültig? Nein, gewiß nicht. Aber mir ergeht es wie manch einem deutschen Schriftsteller - sie langweilt mich rasch. Auch jetzt werde ich etwas unruhig und kehre unschlüssig ins Wohnzimmer zurück.

Tosia liest ein polnisches Buch, es sind Gedichte von Julian Tuwim. Ganz leise setze ich mich hin, ich will sie nicht stören. Sucht sie in der Lyrik ihre, unsere Jugend? Bald werden es sechzig Jahre sein, daß wir zusammen sind. Immer wieder haben wir versucht, unsere Trauer zu vergessen und unsere Angst zu verdrängen, immer wieder war die Literatur unser Asyl, die Musik unsere Zuflucht. So war es einst im Getto, so ist es bis heute geblieben. Und die Liebe? Ja, es gab Situationen, unter denen Tosia viel gelitten hat. Es gab auch, weit seltener freilich, Situationen, unter denen ich gelitten habe. In seinem »Tristan« schrieb vor etwa achthundert Jahren Gottfried von Straßburg: »Wen nie die Liebe leiden ließ, / dem schenkte Liebe niemals Glück.« Wir haben viel Leid erfahren, und viel Glück wurde uns geschenkt. Doch was auch geschah, an unserer Beziehung hat es nichts geändert, nichts.

Es ist immer noch ganz still, man hört kaum einen Hauch. Tosia blickt vom Buch auf und sieht mich an, lächelnd und fragend, als würde sie spüren, daß ich ihr etwas mitzuteilen habe. »Weißt du, jetzt, auf unserem Balkon, als die Sonne unterging, da ist mir eingefallen, womit ich das Buch abschließen werde.« »Ja«, sagt sie erfreut und will wissen: »Womit?« »Mit einem Zitat.« Ich schweige, sie lächelt wieder, diesmal, wie mir scheint, mild ironisch: »Und du meinst, daß mich das überrascht? Also los: Was zitierst Du?« »Ein schlichtes Wort von Hofmannsthal« - antworte ich. Sie wird etwas ungeduldig: »Ja, aber was denn nun? Verrat' es mir doch endlich.« Ich zögere einen Augenblick, dann sage ich: »Also enden soll das Buch mit den Versen:

Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein,

daß wir zwei beieinander sein.«

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