Diesen Roman habe ich "zufällig" gefunden - und zwar in der Billig-Kiste vor einem gut sortierten Buchladen.
Dass es sich bei dem Buch vermutlich um das allerletzte Exemplar seiner Art handelte, dürfte wohl die einzige Erklärung dafür sein, weshalb diese Perle ausgerechnet dort landen musste. Trotz äußerlicher Markierung nämlich habe ich in diesem Buch weder einen Produktionsfehler gefunden, noch rechtfertigt der Inhalt desselben die Lagerung zwischen all seinen wesentlich weniger qualifizierten Artgenossen unter freiem Himmel.
Von der ersten Seite bis zur letzten zog Peter Carey mich direkt in seinen Bann. Zunächst deshalb, weil ich unbedingt wissen wollte, wer John Slater tatsächlich war, warum genau die Ich-Erzählerin Elizabeth Wode-Douglas, Verlegerin einer Literaturzeitschrift, gar so eine Stinkwut auf ihn hat und was nun wirklich vorgefallen war zwischen ihm, dem durchgeknallten Schwerenöter, und Elizabeths verunglückter Mutter.
Aber nicht nur das, ich wurde von der Geschichte selbst alle paar Seiten lang immer wieder von neuem überrascht. Kein Wunder, wenn Elizabeth sich plötzlich von genau diesem Slater überreden lässt, mit ihm nach Malaysia zu reisen. Aber egal, ob Elizabeth der Reise nun aus Neugierde zustimmte oder weil sie endlich Klarheit über die Vergangenheit ihrer Mutter haben wollte - das was sie in Kuala Lumpur erlebt, ist weit mehr als die Ergründung bislang verborgener schicksalhafter Umstände aus dem Leben ihrer Mutter, welche sich selbst auf spektakuläre Art gerichtet hatte als Elizebeth noch ein Kind war.
Ausgerechnet an diesem exotischen Ort nämlich erfährt die Verlegerin von einem wahren literarischen Schatz, der es ihr unglaublich angetan hat, auch wenn dieser nur eine Erfindung des heruntergekommenen aber hochintelligenten Christopher Chubbs sein soll. Elizabeth jedenfalls ist bereit, alles zu tun, um an das geniale Manuskript zu kommen.
Zuletzt ist sie hin und her gerissen zwischen Wahrheit und Täuschung. Und ebenso sehr wie sie sich immer wieder der Hoffnung hingibt, gerät sie auch an die Grenzen dessen, was sie selbst ertragen kann, denn die Jagd nach den verheißungsvollen Zeilen offenbart ihr Schicksale wie sie erbarmungswürdiger und grausamer nicht sein könnten.
Was soll ich sagen - dieses Buch muss man einfach gelesen haben! Insbesondere deshalb weil Peter Carey diese kontinenteverbindende Geschichte, nicht nur äußerst spannend und gut struktueriert erzählt, sondern weil er bei seinen Protagonisten derart wahrheitsgetreu ins Detail geht, dass die Leser deren Lebensumstände regelrecht mitspüren können.
Wer gutes literarisches Handwerk liebt, der liegt mit Peter Carey genau richtig.