Edith Piaf schreibt bei einem längeren Krankenhausaufenthalt, wenige Monate vor ihrem Tod eine Art Lebensbeichte nieder, die unter die Haut geht. Kein Erbarmen, kein Mitleid will sie damit wecken, sondern ihr Leben mit all den Schicksalsschlägen, den Erfolgen und den daraus entstehenden Problemen, den Liebschaften und den Alkohol- und Drogenabhängigkeit, den großzügigen Spenden ihres für alle Menschen offenen Herzens und des daduch Ausgenützseins revuepassieren lassen. Sie steht zu allem, was sie getan und erlebt hat und würde es genauso wieder tun, wenn sie dazu eine Chance bekäme, wie es in ihrem wohl bekanntesten Chanson heißt «Non, je ne regrette rien». Selten war eine Autobiographie so ehrlich und anrührend wie die der Piaf. Oft wird ihr Leben so glorreich und erfolgsverwöhnt geschildert, doch auch diese Episoden durchleuchtet die Piaf sehr kritisch und zeigt ihren Kritikern die kalte Schulter. Biographien sind meistens schöngefärbt und stimmig, um bloß nicht am Idol zu kratzen, doch so etwas hat die Inkarnation des französischen Chansons nicht nötig. Eine Beichte, gezeichnet von Alkohol, Rauschgift und Liebe - der Abschied eines großen Herzens. Man kann hier nur den Rat geben: Lesen, mitfühlen und verstehen.