Aus der Amazon.de-Redaktion
Drei Liebesgeschichten werden erzählt: Davids Liebe zum Fußball, die zu Manchester United und die zu Ex-Spice Girl Victoria Adams und seinen Kindern. Aus kleinen Londoner Verhältnissen stammend träumte er bereits als Dreikäsehoch davon, dereinst das ManU-Trikot auf den schmalen Schultern zu tragen. Was er später zwölf glückliche Jahre lang tat, bevor er sich mit dem Trainer zerstritt. Nicht nur in diesem Punkt gibt es einiges klar zu stellen (Originaltitel: My Side).
Doch Beckham ist keiner, der nachtritt. Wie er sich hier endgültig von seinem Entdecker Alex Ferguson, "der an uns glaubte, bevor wir an uns selbst glaubten", emanzipiert, ohne ihn zu denunzieren -- das hat ebenso viel Stil wie seine Freistöße. Stellenweise wirkt das vom altgedienten BBC-Journalisten Tom Watt mitverfasste Buch fast schon wieder zu glatt und harmoniebedürftig.
"Becks" ist halt ein Glückskind, bei allen Schattenseiten, die der Ruhm mit sich bringt: die Medien-Hysterie, der Hass einiger Fans, die Gefährdung seiner Familie. Er schildert das unaufgeregt, jammert nicht, markiert nicht das Opfer. Sondern hält seine eindrucksvolle Erfolgsbilanz dagegen, mit britischem Understatement und Selbstironie: "Ich freute mich auf die zwei Pokalfinalspiele in einer Woche, bedeutete das doch, dass wir zwei neue Anzüge bekamen."
Glamourmäßig spielt er natürlich in einer eigenen Liga, plaudert mit Madonna und Nelson Mandela, ist eng befreundet mit Elton John. Trotzdem fühlt er sich "wie ein kleines Kind", als er unverhofft seinem Idol Michael Jordan begegnet. Soll heißen: Irgendwo bin ich der Junge von nebenan geblieben -- und man glaubt es ihm sogar. Erkenntnisgewinn für Fußball-Fans: Fußballer sind auch nur Menschen, die Mannschaft ist der Star, ja gut. Beckham-Fans lernen: Superstars sind auch nur Menschen ohne Geld-, aber mit allen anderen Sorgen. Ja, gut! --Patrick Fischer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Ein sehr emotionales Porträt des Sportlers!" (INSTYLE, 3/04)
"Er trifft nicht nur Papierkörbe, sondern auch den Zahn der Zeit." (Deutsches Handwerkblatt, 18.03.04) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
INSTYLE, 3/04
Deutsches Handwerkblatt, 18.03.04
Kurzbeschreibung
David Beckham ist einer der besten Fußballspieler der Welt. Doch das Phänomen Beckham strahlt weit über den Sport hinaus: Als Model ist er international gefragt, bei den Frauen heiß begehrt. Er gilt als das Vorbild einer ganzen Generation: Romantik, Zärtlichkeit und Körperbewusstsein stehen seit Beckham nicht mehr im Widerspruch zu starker Männlichkeit. Nun meldet sich der Mega-Star selbst zu Wort und erzählt seine faszinierende Geschichte vom Aufstieg zur Kultfigur unserer Tage!
Ein optischer Genuss: 40 Seiten Farbfotos!
Klappentext
Der Tagesspiegel
"Er trifft nicht nur Papierkörbe, sondern auch den Zahn der Zeit!"
Deutsches Handwerkblatt
"[Seine Geschichte] kommt super-emotional rüber und enthüllt: In dieser coolen Schale steckt ein butterweiches Herz."
Young Lisa
Über den Autor
Auszug aus Mein Leben von David Beckham, Tom Watt. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
»Mrs. Beckham? Kann David mit uns im Park Fußball spielen?«
Mum findet es bestimmt noch in dem Stapel, das erste Video, das mich in Aktion zeigt. Dort sieht man mich, David Robert Joseph Beckham, im stolzen Alter von drei Jahren. Ich trage den neuen Dress von Manchester United, den Dad mir zu Weihnachten geschenkt hat, und spiele im Wohnzimmer Fußball. Heute, 25 Jahre später, könnte Victoria mich auf Video aufnehmen, wenn ich mit Brooklyn morgens vor dem Training ein paar Bälle kicke. In meinem Leben hat sich viel verändert, und das Trikot, das ich heute trage, hat eine andere Farbe, aber manche Dinge ändern sich nie.
Jetzt bin ich selbst Vater und sehe meine Söhne heranwachsen, und durch sie kann ich mir nun auch vorstellen, wie ich als Junge war, und was für einen Vater ich in meinem Dad hatte. Sobald ich laufen konnte, legte er mir einen Ball vor die Füße, nach dem ich treten konnte. Es kann aber auch sein, dass ich mit dem Kicken gar nicht auf den Ball gewartet habe. Ich kann mich noch gut an ein Ereignis erinnern: Brooklyn hatte gerade eben gelernt, sich aufrecht zu halten. Eines Nachmittags nach dem Training tollte ich mit ihm in der Küche herum. Auf dem Boden lag aus unerfindlichen Gründen eine Dose Baked Beans. Bevor ich reagieren konnte, stolperte Brooklyn auf sie zu und trat, so fest er konnte, nach dem Ding. Das war ganz schön beängstigend, so konnte man sich ruckzuck einen Mittelfußknochen brechen. Ich nahm ihn in die Arme und tröstete ihn, aber innerlich musste ich schmunzeln. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Es muss an unseren Genen liegen. Schau dir Brooklyn an, er will dauernd Fußball spielen, rennen, kicken und einem Ball hinterherhechten. Und wenn man ihm etwas erklärt, hört er schon sehr aufmerksam zu, er will es richtig lernen. Mit dreieinhalb Jahren konnte er jeden Ball, den ich auf ihn zurollen ließ, stoppen, indem er seinen Fuß auf ihn stellte. Dann trat er einen Schritt zurück, brachte sich in Position und trat den Ball zu mir zurück. Auch sein Gleichgewichtssinn ist sehr gut entwickelt. Als er zweieinhalb war, waren wir in New York. Wir kamen aus einem Restaurant und mussten ein paar Stufen hinuntersteigen. Er schaute zu Victoria und mir hoch, während er mit den Zehen auf einer Stufe balancierte und seine Fersen über der Stufe darunter wippen ließ. Einer im Restaurant hat das wohl beobachtet, denn plötzlich kam er auf uns zu und fragte, wie alt unser Sohn sei. Wir sagten es ihm. Er erklärte, er sei Kinderpsychologe und Brooklyn sei sehr weit für sein Alter, wenn er schon so gut die Balance halten könne.
Bei Romeo kann ich es noch nicht beurteilen, er ist noch ein bisschen zu jung, aber Brooklyn ist voller Selbstvertrauen durch seine Energie, seine Stärke und seinen Koordinationssinn. Er saust seit Jahren auf Rollern durch die Gegend - sagte ich sausen? Ich meinte natürlich fliegen! Er weiß einfach, wozu er körperlich fähig ist, und das war bei mir genauso. Als ich ein Junge war, fühlte ich mich in meiner Haut am wohlsten, wenn ich Fußball spielte. Das ist heute noch ganz genauso, obwohl Victoria mein Selbstvertrauen in jeder Hinsicht gestärkt hat. Das Gleiche wird sie auch für Brooklyn und Romeo tun, davon bin ich überzeugt.
Trotz dieser hervorstechenden Gemeinsamkeiten sind mein Sohn Brooklyn und ich sehr verschieden. In seinem Alter habe ich vor jedem, der es hören wollte, lauthals verkündet: »Irgendwann spiele ich Fußball bei Manchester United.« Er verkündet zwar, dass er Fußballspieler werden will, wie sein Daddy, aber United hat er uns gegenüber noch nie erwähnt. Brooklyn ist stark und kräftig gebaut, ich dagegen war früher ein dürrer Hering. Ich konnte essen, so viel ich wollte, ich legte in meiner Jugend einfach kein Gewicht zu. Ich sah bestimmt noch kleiner aus, wenn ich Fußball spielte, denn entweder spielte ich mit meinem Dad und seinen Kumpels, oder ich war drüben im Chase Lane Park und kickte mit Jungs, die doppelt so alt waren wie ich. War ich gut, oder lag es daran, dass sie mich über den Haufen rennen konnten, und ich sogar noch um mehr bettelte? Keine Ahnung, jedenfalls tauchten sie jeden Tag nach der Schule vor unserer Haustür auf.
»Mrs. Beckham? Kann David mit uns im Park Fußball spielen?«
Ich verbrachte eine Menge Zeit im Chase Lane Park. Entweder mit den älteren Jungs, zum Beispiel Alan Smith, der zwei Häuser weiter wohnte, oder mit meinem Dad. Anfangs hatten wir im Hintergarten unsere Bälle gewechselt, aber ich wurde schnell zum Schrecken der Blumenbeete, also gingen wir zusammen in den Park, sobald er von seiner Arbeit als Heizungstechniker nach Hause kam. Dort übten wir stundenlang. Alle Stärken meines Spiels habe ich vor zwanzig Jahren von meinem Dad gelernt. Wir arbeiteten an Ballkontrolle und richtigem Ballkontakt, bis es dunkel wurde, und wir nichts mehr erkennen konnten. Er schoss den Ball hoch in die Luft, und ich sollte dann versuchen, ihn unter Kontrolle zu bringen, dann musste ich abwechselnd mit jedem Fuß schießen üben. Er überprüfte mich sehr genau, es war großartig, auch wenn es mir manchmal auf die Nerven ging. »Stell dich doch einfach ins Tor, und lass mich versuchen, das Ding an dir vorbeizudonnern«, dachte ich dann. Stattdessen gab er mir richtigen Unterricht und spornte mich an, mein Bestes zu geben, und ich muss zugeben, dass ich nichts lieber tun wollte. Ich hatte das große Glück, einen Vater zu haben, der mir so bereitwillig dabei half.
Dad spielte auch selbst. Er war bei Kingfisher, einer ortsansässigen Mannschaft der Forest and District League, und ich ging oft mit meiner Mum, meiner älteren Schwester Lynne und der kleinen Joanne zu seinen Spielen. Er war Mittelstürmer, wie Mark Hughes, nur härter. Er hatte einige Auswahlspiele für Leyton Orient gehabt und war ein paar Jahre lang Halbprofi bei Finchley Wingate. Dad war ein hervorragender Spieler, obwohl man ihn ständig im Abseits erwischte. Es dauerte eine Ewigkeit, bis ich diese Regel endlich verstanden hatte, und ich glaube, Dad ist sie bis heute ein Rätsel. Ich schaute ihm unheimlich gerne beim Spielen zu. Alles, was mit Fußball zu tun hatte, faszinierte mich, und ich konnte sehen, wie viel Dad dieses Spiel bedeutete. Als er kundtat, er wolle das regelmäßige Spielen aufgeben, um sich ganz auf mein Training konzentrieren zu können - ich muss acht oder neun gewesen sein -, war mir klar, welches Opfer er da für mich brachte, obwohl er nie darüber sprach. Dad nahm mich, seit ich sieben war, zum Training bei Kingfisher mit. Sie trainierten unter der Woche abends auf einem Sportplatz, der ein Stück von uns entfernt an der North Circular Road lag: Wadham Lodge. Ich verbinde damit wunderbare Erinnerungen, nicht nur, weil ich mit Dad und seinen Kumpels rumhängen durfte, auch das Stadion selbst war toll. Wir fuhren etwa zehn Minuten mit dem Auto, es lag am Ende einer langen Straße mit Reihenhäusern. Wir fuhren durch ein großes, blaues Holztor am ersten Parkplatz vorbei und parkten dann auf dem zweiten Parkplatz, direkt neben dem Trainingsgelände. Das Spielfeld hatte einen orangefarbenen Belag aus Kies und Asche. Es gab richtige Tore mit Netzen und am Spielfeldrand sogar eine kleine Bar, das Vereinsheim. Zur Anlage gehörten mehrere Fußballplätze, der beste wurde nur für Pokalspiele und zu besonderen Gelegenheiten benutzt. Er war von einer niedrigen Mauer umschlossen, und es gab sogar zwei Unterstände. Für mich war es damals das Stadion meiner Träume. Eines Tages wollte ich dort spielen.
Wadham Lodge war damals ziemlich heruntergekommen, ich kann mich noch gut an die Umkleideräume erinnern: reinste Sonntagsliga. Verdreckte Böden, die Lampen bloße Funzeln, und aus den Duschen tröpfelte nur kaltes Wasser. Der Geruch der Salbe, mit der sich die Spieler die Beine einrieben, war überwältigend, er schlug einem schon an der Tür entgegen. Es gab zwar eine so genannte Flutlichtanlage - sie bestand aus sechs Laternenpfählen - aber während jeder Trainingseinheit gingen die Lampen mindestens einmal aus. Dann musste jemand ein paar Münzen in den Automaten werfen, der war in der Umkleidekabine, in einem Wandschrank direkt neben der Tür.
In der Saison trainierten wir mit Kingfisher, aber auch während der Sommerferien waren wir dauernd in Wadham Lodge. Dad trainierte ein Team der Summer League, bei dem er auch mitspielte, und ich begleitete ihn. Vor und nach den Spielen trainierten wir zusammen, und solange das Match lief, konnte ich immer ein paar Jungs auftreiben, mit denen ich auf dem Aschenplatz nebenan kicken konnte. Die meiste Zeit meiner Profikarriere habe ich in einem Verein verbracht, der die bestmöglichen Einrichtungen für die Spieler bereitstellt und sich um alles kümmert. Aber ich glaube, es hat mir sehr gut getan, dass ich als Junge einen Ort wie Wadham Lodge kennen gelernt habe.
Hier fing ich an, Freistöße zu üben. Als alle anderen schon längst im Vereinsheim saßen, stand ich immer noch an einer Ecke des Strafraums und schoss einen toten Ball Richtung Tor. Berührte der Ball den Pfosten, dann brachte mir das fünfzig Pence extra von meinem Dad ein. Und ein anerkennendes Schulterklopfen, das war mir mindestens genauso wichtig.
Andere Väter brachten ihre Söhne hin und wieder mit, aber ich hatte Blut geleckt und war Woche für Woche dabei. Ich saß dann im Vereinsheim und sah den Männern beim Spielen zu, und am Ende des Trainings ließen sie mich bei den Fünf-gegen-fünf-Spielen mitmachen. Ich war so erpicht darauf, mit diesen erwachsenen Männern zu spielen, dass es mir egal war, ob ich dabei in Grund und Boden gerannt wurde. Einmal kam es zu einem besonders heftigen Tackling, der andere Spieler rammte mich so stark, dass mein Dad sich sogar aufregte. Normalerweise nahm er es nicht so tragisch, wenn ich mal was abbekam. Er sagte mir dann, ich solle die Zähne zusammenbeißen und weiterspielen. Er hatte mich vorgewarnt, dass es kein Zuckerschlecken werden würde. Er hätte natürlich vor jedem Spiel alle Mitspieler bitten können, mir nicht zu nahe zu kommen. Aber welchen Sinn hätte es dann gehabt, mich mitspielen zu lassen? Ich musste, als ich jung war, ständig gegen viel größere und stärkere Gegner spielen, das hat mir im Laufe meiner Karriere bestimmt geholfen.
An den Abenden, an denen ich nicht in Wadham Lodge war, war ich im Chase Lane Park. Wir benutzten immer eine geheime Abkürzung dorthin: vor unserem Haus über die Straße, dann vier fünf Häuser die Straße runter bis zu einem Privatweg. Dort warteten wir, bis die Luft rein war, und sprinteten dann die fünfzig Yards bis zu einer Hecke und kletterten durch ein Loch im Zaun. Mit einigen der Jungs, die ich im Chase Lane Park kennen gelernt habe, bin ich noch heute befreundet, mit Simon Treglowen und seinem Bruder Matt ging ich später zur Schule. Mit Simon stehe ich noch heute in Kontakt. Wir wurden richtig gute Freunde, nachdem wir einen Streit hinter uns gebracht hatten, bei dem es darum ging, ob mein Tor jetzt galt oder nicht. Das artete in eine richtige Rauferei aus, obwohl Simon vier Jahre älter war als ich. Raufereien. Schon komisch, wie sich Jungs ihre Freunde suchen. Normalerweise spielten wir Fußball, bis es dunkel war, ansonsten gab es auch noch einen Jugendklub in einer kleinen Hütte, den eine Frau namens Joan betrieb. Meine Mutter kannte sie und rief sie oft an, um ihr Bescheid zu sagen, dass wir rüberkämen. Dort konnte man Tischtennis oder Billard spielen, und es gab Softdrinks und Schokolade. Im Garten stand ein Planschbecken, das im Sommer gefüllt wurde. Manchmal organisierte Joan einen Minibus, und dann machten wir einen Ausflug zum Walthamstow-Bad. Neben Joans Hütte stand auch eine Rampe, auf der man Skateboard fahren konnte. Ich glaube, meiner Mum war klar, dass ich einige meiner Schrammen und Blessuren dem Skateboarden verdankte, obwohl sie mir eigentlich verboten hatte, auch nur in die Nähe eines Skateboards zu kommen. Einmal verletzte ich mich richtig. Unser Ball war im Planschbecken gelandet, das schon für die Nacht geschlossen war. Ich wollte ihn holen und stürzte dabei. Joan war noch da und rief meine Eltern an, um ihnen zu erklären, wie ich mir die Platzwunde am Kopf eingehandelt hatte.
Sechs oder sieben Jahre lang, bis in meine Teenagerzeit, war dieser Park meine ganze Welt. Jetzt gibt es dort keinerlei Spielmöglichkeiten mehr, und das ist eine Schande. Die Zeiten haben sich geändert, ein paar Kids randalierten und machten alles kaputt, danach musste man den Klub zumachen.
Mein erster richtiger Freund war John Brown, der in meiner Straße wohnte. John und ich verbrachten unsere gesamte Schulzeit miteinander. Er war nicht so verrückt nach Fußball wie ich, wenn ich ihn nicht zum Bolzen im Park überreden konnte, hingen wir bei einem von uns zu Hause rum und spielten Lego oder Gameboy, oder wir machten mit unseren Fahrrädern oder Rollerskates die Straße unsicher. Als ich später für die Ridgeway Rovers spielte, kam John oft zu unseren Spielen, obwohl er selbst gar nicht kickte. Ein paar Kumpel, besonders ich und ein anderer Typ von Ridgeway, gingen unheimlich gern ins Kino. John war auch immer dabei. Ich erinnere mich noch, dass meine Mutter uns immer vor dem Kino in Walthamstow absetzte. John Brown war mein bester Freund, als wir klein waren, aber durch den Fußball entwickelte sich mein Leben in eine völlig andere Richtung als seines. John wurde Bäcker, nachdem wir die Schule hinter uns hatten.
Ich hatte das Glück, dass in der Chase Lane Primary School Fußball sehr ernst genommen wurde. Ich erinnere mich noch sehr genau an Mr. McGhee, den Lehrer, der mit uns trainierte. Ein temperamentvoller Schotte, er hatte durchaus Ähnlichkeit mit Alex Ferguson. In der Schule erzählten sich die Kids, wenn er sauer wäre, flögen schon mal Teetassen, Kricketschläger oder was sonst so in Reichweite war, an die Wand. Ich habe keine Ahnung, ob da was dran war, aber wir hatten alle ein bisschen Schiss vor ihm.
Bei Spielen trugen wir einen einfarbig grünen Dress, und unser Team war richtig gut. Ich spielte auch noch bei den Cubs, aber das ging nur, wenn man sonntags in die Kirche ging. Also erschien meine ganze Familie, Mum, Dad, meine Schwestern und ich, jeden einzelnen Sonntag dort. Meinen Eltern war klar, wie sehr ich Fußball liebte. Wenn ich die Chance hatte, an einem Spiel teilzunehmen, dann taten sie alles, was in ihrer Macht stand, um es mir zu ermöglichen. Egal, ob es ums Spielen oder ums Trainieren ging, sie wollten, dass ich meine Chance bekomme. Ich war in jedem Fußballkurs, der irgendwo angeboten wurde. Der erste war in der Roger Morgan Soccer School, die von dem ehemaligen Flügelspieler der Tottenham Hotspurs geleitet wurde. Ich ging dort ständig hin und machte der Reihe nach alle Abzeichen, bis ich das goldene hatte. Dad war schon sein ganzes Leben lang treuer United-Fan, und wir fingen an, zu ihren Spielen zu gehen, wenn sie in London spielten. Der Dad meiner Mum war ein eingeschworener Anhänger von Tottenham, und er nahm mich mit nach White Hart Lane. Zu jedem Weihnachtsfest bekam ich ein United- und ein Tottenham-Trikot und von meiner Mum manchmal noch ein Trikot der Nationalmannschaft. Wenn es um Fußball ging oder irgendwas, das mit Fußball zu tun hatte, dann war ich dabei.
Mum stand nicht sonderlich auf Fußball. Ihr Dad schon, das war ein Grund, warum ich so gerne mit ihm zusammen war. Joe war im Druckereigeschäft. Lange Zeit arbeitete er ganz in der Nähe von uns, beim Stationery Office in Islington, dann wechselte er in die Fleet Street. Er lebte mit meiner Großmutter Peggy in einer Wohnanlage an der City Road, unten bei der Old Street. Samstags ging mein Dad meistens ziemlich früh zur Arbeit, und der Rest der Familie nahm den Zug nach Walthamstow. Wir verbrachten den Tag dann mit meinen Großeltern. Wir mussten allerdings schon vormittags dort aufkreuzen, denn Grandad verließ das Haus um 11.30 Uhr, wenn er zu den Spurs wollte. Bevor er ging, sah er mir immer in dem kleinen Park der Wohnanlage beim Fußball spielen zu. Grandad erinnert sich bestimmt noch an diese Zeit, auf jeden Fall erinnert er sich an den Tag, an dem ich seine Brille kaputtmachte. Ich war erst sechs Jahre alt, aber einen Ball trat ich schon ziemlich hart. Seine Brille hatte keine Chance, als ich ihm den Ball aus Versehen einmal direkt ins Gesicht schoss.Joe machte sich also auf den Weg nach White Hart Lane, und Peggy nahm uns mit zum Shopping. Manchmal gingen wir ins West End, aber meistens nahmen wir den Bus bis zum Angel und gingen zum Chapel Market. Mir machte das überhaupt nichts aus. Ich musste zwar Mum, Nan und meinen Schwestern eine Zeit lang hinterherdackeln, aber am Ende des Nachmittags hatte ich immer ein Spielzeug oder irgendetwas anderes in der Hand. Manchmal aßen wir in der Chapel Street zu Mittag, da gab's dann Pastete und Kartoffelbrei. Meistens kamen wir ungefähr gleichzeitig mit Grandad wieder in der Wohnung an. Er machte sich dann für seine Nachtschicht fertig. Dad holte uns nach der Arbeit in der Wenlock Street ab, und wir fuhren alle zusammen nach Hause.
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