Inhalt
Sabrina wächst in einem furchtbaren Elternhaus auf: Ihr Vater missbraucht sie und ihre Mutter gibt ihr die Schuld dafür. Als sie es im Alter von 10 Jahren zu Hause nicht mehr aushält, zeigt sie ihren Vater an und kommt ins Heim. Im Heim wird sie von den älteren Kindern und Jugendlichen aber so sehr gehänselt, dass sie die Flucht ergreift. In der Nacht bricht sie aus und fahrt mit dem Zug von Duisburg nach Köln, wo sie nach Iris Lerke sucht, die ihr angeblich helfen wird. Iris findet sie zwar nicht, aber dafür wird sie schnell in einer Gruppe von Straßenkindern aufgenommen. Diese beschützen sie zwar und helfen ihr zu überleben, aber sie bringen sie auch mit Drogen in Kontakt. Auch Diebstahl, Schlägereien und andere Verbrechen stehen schon bald auf Topis, so ihr neuer Name, Tagesordnung. Denn bis sie 14 ist, kann ihr die Polizei nichts anhaben. So lange ist sie vogelfrei...
Meinung
Dieses Buch beschreibt ein Schicksal, wie es schlimmer kaum sein kann. Sabrina Tophofen, die seit sie 11 Jahre alt war auf der Straße lebte, arbeitet in "So lange bin ich vogelfrei" ihre schreckliche Kindheit auf. Mit nahezu unerträglicher Nüchternheit schildert sie ihr Leben auf der Domplatte in Köln. Diese Nüchternheit macht einem schnell klar wie stark diese Frau ist bzw. wie stark sie als Kind hat sein müssen. Man hat dass Gefühl, dass Mitleid das Letzte ist, was sie will, dennoch kommt man als Leser nicht drumherum selbiges für sie zu empfinden.
Durch die Ich-Perspektive im Präsens hat man ständig das Gefühl mit dabei zu sein. Man sieht dieses kleine Mädchen, das auf der Straße um ihr Überleben kämpft, förmlich vor Augen, kann ihr aber nicht helfen. Dies führt den Leser mitunter emotional an seine Grenzen!
Über Sabrinas Vergangenheit und was mit ihren Eltern wirklich passiert ist, erfährt man zwar nur nach und nach durch Rückblenden, man ahnt es allerdings von Anfang an. Das solche Grausamkeiten auch heute immer wieder passieren, ist einfach schrecklich, besonders da man als Außenstehender kaum eine Chance hat es zu verhindern.
Außerdem wird einem durch dieses Buch klar, dass Straßenkinder viel zu wenig beachtet werden und wenn sie wahrgenommen werden, dann nur in Form eines abschätzenden, angeekelten Blickes. Meinen großen Respekt haben daher die Leute die sich wirklich um Jugendliche, die auf der Straße leben kümmern, denn ohne die Hilfe ihrer Betreuer hätte Topi kaum überlebt.
Besonders nahe gegangen ist mir auch der Epilog, der einerseits jene Menschen aufzeigt, die die Flucht von der Straße genauso wie Sabrina geschafft haben, aber eben auch jene die gestorben, immer noch Drogenabhängig oder HIV-positiv sind. Das macht ansatzweise deutlich wie viele Menschen jeden Tag auf der Straße ums Leben kommen, weil sich unsere Gesellschaft nicht verantwortlich für sie fühlt.
Ich habe dieses Buch innerhalb von 3 Stunden gelesen, "So lange bin ich vogelfrei" ist damit zwar ein kurzes aber dafür sehr intensives Leseerlebnis, das mich nicht so schnell los lies.
Fazit
Ein Buch das zum Nachdenken anregt und durch das man erkennt, wie glücklich man mit seinem Leben sein kann.