Meines Erachtens ist Erwin Leisers Dokumentation "Mein Kampf", den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet, noch heute, über 40 Jahre nach ihrem erstmaligen Erscheinen höchst sehenswert. Leiser hat vor allem Dokumente zusammengetragen, anhand derer er die Geschichte Hitlers, damit auch die Geschichte Deutschlands v.a. von 1914 bis 1945 erzählt.
Insgesamt wird auch Leisers humanistisches Anliegen einer Aufklärung der Zuschauer erkennbar, wodurch sich diese Dokumentation sehr positiv von der Flut der oftmals schnell und unüberlegt aus dem Material und merkwürdigen Zeitzeugenbefragungen zusammengeschnittenen gegenwärtigen Dokumentarfilme abhebt, die dieses Ettiket meist überhaupt nicht verdienen. Natürlich kommentiert auch Leiser, der selbst vor Hitler emigrierte, alles, aber trotzdem steht immer das Dokument im Mittelpunkt. Auf reisserische Effekte wird dabei verzichtet.
Für den heutigen Betrachter wirft dieser Dokumentarfilm aber dennoch einige Fragen auf, vieles ist nämlich noch auf dem Stand von 1959, als längst nicht alle Quellen aufgearbeitet waren, Leisers Kommentar, zumal in unterschiedlicher Tonqualität mag auch ermüden.
Insgesamt ist "Mein Kampf" jedoch sehr zu empfehlen, da dieser Film für sich schon selbst ein Dokument und einen Meilenstein der Aufarbeitung der NS-Zeit in den Medien darstellt, das längst klassisch geworden ist. Vieles von dem, was später kam, war nur eine neue Aufwärmung jener Dokumente, die Leiser hiermit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat und damit einen wesentlichen Anstoß für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in den Sechziger Jahren gegeben hat.