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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Es gibt eine Sehnsucht, die nichts von sich weiß. Erst wenn man sich ihr überlässt, erfährt man, wohin sie einen haben will",
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Mein Jenseits. Novelle (Gebundene Ausgabe)
"Ich ging immer an einer Wand entlang, die würde aufhören, dann begänne das Leben. Die volle Berührung. Das war ein Irrtum. Diese Wand war das Leben."Diese Lebenseinsicht teilt uns der Ich-erzählende Protagonist der neuen Novelle von Martin Walser irgendwann auf den ersten Seiten mit. Und so haben seine früheren Protagonisten quer durch die Jahrzehnte immer wieder versucht, mit dem Kopf durch diese Lebens-Wand zu kommen, sei es Anselm Kristlein, Franz Horn, Helmut Hahn, Gottlieb Zürn oder selbst der alte Goethe in Walsers jüngstem Roman "Ein liebender Mann". Die vorliegende Novelle "Mein Jenseits" ( man munkelt, es sei ein Teil aus dem dicken neuen Roman "Muttersohn", an dem Walser gerade schreibt) greift dieses mittelständische Leidensszenario aus Mann, Bürgertum und verpasstem Leben wieder auf und gibt ihm aber eine neue Wendung. Walsers Ich-Erzähler August Feinlein, Chef des Psychiatrischen Landeskrankenhauses in Scherblingen, entdeckt als neue Lösung, als neuen Lebenssinn die Glaubensbereitschaft. Als Liebhaber heiliger Antiquitäten hat er sich auf eine Suche begeben, die viel "Verklärungsbereitschaft" erfordert: "Es gibt eine Sehnsucht, die nichts von sich weiß. Erst wenn man sich ihr überlässt, erfährt man, wohin sie einen haben will", sagt August Feinlein. Oder: "Unsere europäischen Vorfahren haben auch gewusst, was man wissen kann. Aber sie haben geglaubt, was sie glauben wollen. Wie schrieb der Vorfahr ( ein Vorfahr von Feinlein war der Mönch Eusebius) ? Glaube heißt, Berge besteigen, die es nicht gibt. Musik gäbe es ja auch nicht wenn man sie nicht mache. Glauben, was nicht ist, dass es sei." In dem alten Konflikt zwischen Wissensgesellschaft und Glaubensgewissheit hat sich Martin Walser in diesem Alterswerk für den Glauben entschieden. Nebenbei hat er eine köstliche Geschichte geschrieben über die Männerkonflikte in einem psychiatrischen Krankenhaus, uns viel gelehrt über die Bedeutung von Reliquien und das, was sie für viele Menschen bedeuten und über allem ein Loblied gesungen auf die Verschrobenheit und Kauzigkeit des Alters und auf das Unerklärliche. Er hat mit August Feinlein und seiner Geschichte, die ihn schlussendlich in die eigene Psychiatrie bringt, einen schelmischen Helden erfunden, der weiß, dass Glaube Selbstbetrug sein kann und sich trotzdem genau und zielstrebig dafür entscheidet. Ein heiteres Buch, das viel zu sagen weiß über existentielle Erfahrungen und das einen mit großer Spannung auf den schon erwähnten Roman warten lässt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
45 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wörter für ein Glaubensgefühl,
Von Thomas Holtbernd "Thomas Holtbernd" (Bottrop) - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Mein Jenseits. Novelle (Gebundene Ausgabe)
Martin Walser erzählt eine Geschichte und die Wörter machen sich selbständig. Es entfaltet sich ein Credo, das wie von einem alten Mann, der komisch geworden ist, zu stammen scheint. Dieser alte Mann "...will keinen einzigen Menschen überzeugen. Nur mich selbst." Wie Augustinus entwirft der Protagonist Augustin Feinlein seine confessiones. Martin Walser schreibt diese Bekenntnisse jedoch nicht als Bekehrungsgeschichte. Die Novelle ist eine Offenbarung und eine Ode an die Liebe. In den Konflikt zwischen einem Chefarzt und seinem Nachfolger oder dem rein naturwissenschaftlichen Weltbild und dem Glauben an die Macht des Wortes, lässt der Autor eine Geschichte um Reliquien entstehen. Für den Leser/die Leserin wird erfahrbar, wie Wörter ein Glaubensgefühl entstehen lassen: "...dass der Glauben die Welt schöner macht als das Wissen, stimmt doch." Das Besondere an dieser Hommage an den Glauben ist die grenzenlose Offenheit, das Nichtmissionarische. Ob Glauben oder Nichtglauben, das ist belanglos. Es geht um den Raum, der durch die Öffnung für den Glauben entsteht. Ein Mensch, der eine Reliquie entwendet, wie Augustin Feinlein, kommt auf diese Weise dem Unerklärlichen nicht näher. "Das Unerklärliche bleibt verschlossen..." Und dennoch hat es Martin Walser in genialer Weise geschafft, das Sakrale des Menschseins, das Symbolhafte der Liebe in Worte zu fassen. Er bietet Wörter an, er lässt Zwischenräume, er lässt durchdringend spüren, wie tiefmenschlich Glaube ist. Dabei biedert er sich nicht an, er tut es für sich und lässt die LeserInnen teilhaben. Dass er dabei eine typisch katholische Glaubenswelt entfaltet, stört nicht, es geht um mehr.Der alte Mann hat in seinem Komischwerden fantastisch einen Nerv der Zeit erfasst. Es ist zu hoffen, dass diese Novelle auf den Bestsellerlisten landet und die vielen oberflächlichen Elaborate himmlisch überflügelt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kunst ist Gottesbeweis - bei Martin Walser,
Von
Rezension bezieht sich auf: Mein Jenseits. Novelle (Gebundene Ausgabe)
"Aber dass der Glaube die Welt schöner macht als das Wissen, stimmt doch." So jedenfalls das Credo Martin Walsers, der sich mit dieser Novelle auf einige theologische Spekulationen einlässt. Denn - und das darf man vermuten: Walser ist Feinlein.Wer aber ist Augustin Feinlein? Eine typische Walser-Figur und Held der Novelle "Mein Jenseits"; ein etwas komischer Held, der mit Erreichen des 63. Lebensjahres aufgehört hat zu zählen. Kurios seine Lebensgeschichte, die er, immer wieder unterbrochen von religiös-philosophischen-künstlerischen Betrachtungen, erzählt. Von einer ehemals Geliebten mehrfach verschmäht, als Chefarzt einer psychiatrischen Klinik wenig erfolgreich und vor allem von seinem Konkurrenten gemoppt, mit einer heimlichen Liebe für den Küsterdienst und einer Obsession für Reliquien gibt er ein ziemlich indifferentes Bild ab. Der Glaube aber, der die Welt schöner macht, wird von ihm mit Zweifel und Verzweiflung bezahlt. So begibt sich Feinlein auf die Reise nach Rom, wo er einen Selbstfindungsprozess erlebt und quasi ein Erweckungserlebnis hat: vor dem Bild "Madonna die Pellegrini" des großen Caravaggio. Denn Kunst ist ein Gottesbeweis (und den hat er gesucht), der sich in diesem Bild dokumentiert. Hier findet Feinlein Erlösung - und sein Jenseits. Wirklich? Walser bleibt an dieser Stelle und anderen ziemlich verschwommen. Der Schluss der kleinen Novelle, die als Vorstufe zu einem großen Roman ("Mutter Sohn" soll er heißen und 2011 erscheinen), mit der wunderbaren Szene, in der ihm sein Konkurrent auch noch die Sekretärin "entführt", ist allerdings sehr gekonnt inszeniert, der Reliquienklau aber doch eine etwas übertriebenen Farce. So ist hat diese Novelle rein handwerklich Licht und Schatten. Die "Tendenz" aber - oder sind das Walser'sche Selbsterfahrungen? - liegt im Trend einer gesuchten neuen Spiritualität. Hier speist sie sich aus Kunst, Religion und Liebe, die alle die "Anziehungskraft des Unerklärlichen" haben. Unerklärlich jedenfalls wie auch die Faszination durch die Caravaggio-Madonna mit dem Gottesbeweis: "Sie hat es gegeben, Sie ist mein Jenseits. An sie zu glauben ist einfach". Und doch ist auch diese "Offenbarung... das Geheimnis". In jedem Fall ist diese kleine Novelle eine tiefgründige, eine nachdenkliche Arbeit, die sich positiv von den Werken der letzten Jahre abhebt. Hier hat Walser zurückgefunden zum dem, was er mit dem "Fliehenden Pferd" geleistet hat. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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