"Mein Jahr in der Niemandsbucht" ist das Beste, was man in deutscher Sprache überhaupt lesen kann. Punkt. Jeder, der anderer Meinung ist, ist ein bedauernswerter, gefühlskalter und bar jeder Fantasie durch sein Leben trottender Mensch, der unser aller Mitleid verdient.
Sowas könnte man jetzt schreiben, und man hätte absolut Recht damit. Trotzdem wäre es ungerecht, das hier so stehen zu lassen. Und großkotzig noch dazu. Denn dieses Buch ist keine Literatur, die den herkömmlichen Ansprüchen an einen Wälzer, der mehr als 1000 Seiten stark ist, entspricht. Das hier ist kein Roman, es gibt hier keine Handlung im gewohnten Sinn, keine entwickelten Figuren. Wer sowas sucht, für den tobt hier auf vielen Seiten unerträgliche Ödnis, Banalität und Langeweile. Hier wird keine Geschichte erzählt. Geschichten erzählen die anderen zur Genüge. Wer mit solchen Ansprüchen an Literatur herangeht, der möge sich bitte dieses Buch nicht kaufen. Er täte sich keinen Gefallen damit.
Wer sich hingegen gerne in der Sprache verliert, ihrer Melodie lauschen möchte, ihren Wendungen, dem Bewusstseinsstrom, den sie bildet, der wird mit diesem Buch beschenkt für den Rest seines Lebens. Er wird hierher immer wieder zurückkehren, wird sich aufs Neue in diesen Seiten verlieren, in der Sprache Handkes, dem größten Sprachmagier deutscher Zunge. Für diesen Leser erschließt sich hier die Unendlichkeit eines ganzen Universums. Schon lange ist kein Schreiber diesem Punkt mehr so nahe gekommen, wie es Handke in diesem Werk gelingt.
Außerdem ist "Mein Jahr in der Niemandsbucht" noch ein Buch übers Pilzesuchen, Kochen, Gartenarbeit, Lärm, Nachbarn, die Peripherie der Städte, Landschaft, das Wandern. Unter anderem.