Ich war auf ein Reisetagebuch eingestellt, den Erfahrungsbericht einer Frau, die Indien bereist. Und so beginnt „Mein Indien“ von Alexandra David-Néel auch. Die Autorin schifft sich ein gen Sri Lanka und fährt von dort aus weiter auf den indischen Subkontinent. Was dann folgt, enttäuschte jedoch meine Vorstellung, denn nur das erste Kapitel kann als eine Art Reisebericht gelesen werden. Alexandra David-Néel beschreibt in „Mein Indien“ den Hinduismus und seine Ausformungen, so wie sie ihn Anfang des 20. Jahrhunderts als weiße Frau in Indien, Nepal und Tibet kennen lernte. Immer wieder veranschaulicht und belegt durch ihre eigenen Erlebnisse mit Brahmanen, Gurus, wahren und falschen Sadhus. Am Ende beschreibt sie dann noch in zwei Kapiteln die politischen Ereignisse Ende der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Indien und spricht dabei einige interessante Thesen an. Beispielsweise die Einstellung des so verehrten Gandhi gegenüber der Gleichstellung der Frau. Aber das ist genau der Punkt, den ich dem Knaur-Taschenbuch zum Vorwurf machen: Dieses Buch sind nicht, wie auf dem Titel angekündigt, „Die abenteuerliche Reisen einer ungewöhnlichen und mutigen Frau“. Nein, es sind ihre Erfahrungen mit der Religion der Hindus und am Rande ihre Erfahrungen während und nach der Unabhängigkeitsbewegung Indiens – und diese auf insgesamt weniger als 300 Seiten viel zu kurz beschrieben. Wer ohne Vorkenntnisse an dieses Buch gerät, ist restlos überfordert. Die Autorin wirft mit hinduistische Fachtermini nur so um sich und setzt damit voraus, dass man sich mit Indien und der indischen Geschichte schon einmal auseinander gesetzt haben muss. Für diejenigen, die dies bereits getan haben, ist „Mein Indien“ durchaus lesenswert und enthält viele interessante Ansätze. Leider bleibt es bei diesen Ansätzen – und ist meiner Meinung damit unbefriedigend.