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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ganz hier und ganz im Nirgendwo,
Von Heike Geilen (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz - Niemandem: Das Leben der Else Lasker-Schüler (Gebundene Ausgabe)
"Sie ist eine Weltenerfinderin, eine Weltenschöpferin, eine Eigenweltenbewohnerin, auch - darin liegen ihr Glück und ihre Tragik zugleich - eine Eigenweltinhaftierte. Für jeden Anderen mögen diese Worte zu groß sein, für Else Lasker-Schüler sind sie gerade groß genug." Kerstin Decker, die bereits mit Paula Modersohn-Becker und Heinrich Heine erstklassige Künstler-Biografien vorgelegt hat, ist erneut ein großer Wurf gelungen. Dieses Mal begibt sie sich auf die Spuren dieser immer noch relativ unbekannten Dichterin, die Gottfried Benn einst für die größte Lyrikerin Deutschlands hielt.Kerstin Decker folgt den biografischen Spuren Else Lasker-Schülers. Dabei nähert sie sich äußerst behutsam und einfühlsam der sensiblen Künstlerin an, so dass deren "verbaler Hochseiltanz, immer in der Schwebe zwischen übermütigem Spiel und Ernst" dem Leser auf eindrucksvolle Art und Weise vermittelt wird. Entstanden ist eine Biografie, die sich durch Tiefe und Substanz auszeichnet sowie durch Entschleunigung den kompromisslosen Lebensentwurf der expressionistischen Lyrikerin wunderbar nachverfolgen, ja, ihn nahezu selbst erleben lässt. "Wir sind nur auf dem Wege, das Leben ist nur ein Weg, hat keine Ankunft, denn es kommt nirgendwo her.", schrieb Else Lasker-Schüler. Ihr Weg begann am 11. Februar 1869 und endete am 22. Januar 1945 in Jerusalem. Dazwischen liegt ein unorthodoxes Leben in Berlin und später in Israel. Prägend war ihre Kindheit im industriell aufstrebenden Elberfeld (heute Wuppertal), wo die kleine Else in einer mehr oder weniger starken Außenseiterrolle aufwächst, nachdem sie durch eine Krankheit zu Hause unterrichtet wird. In dieser Isolation und durch den frühen Tod ihres Bruders und ihrer Mutter entwickelt das Kind und später die junge Frau ihr Lebensmodell, das ganz stark in den eigenen Emotionen verankert ist. Die Kunst ist ihr dabei "Mittel zur Befreiung aus dem umgitterten Sein der Alltäglichkeit." Doch sie "glaubt nicht an die Realität der Kunst, sie glaubt an die Wahrheit der Illusion und handhabt das Material der Sprache, von den Instinkten eines rein torenhaften Spieltriebs geschwellt, wie eine heilige Sache, [eine] ebenmäßig geschliffene Kugel inneren Erlebnisses, getragen vom Blut der Herzhingabe.", schreibt der Schriftsteller Paul Zech (1881-1946). Genau diese seelischen Wahrheiten der Dichterin hat Kerstin Decker ernst genommen. Wunderbar arbeitet sie das "Denkfühlen" Else Lasker-Schülers heraus und nimmt sich deren unmetaphysischen, geradezu gottlosen Sinn sehr emphatisch an. Vor allem in ihrer extremen "Heimatfühligkeit" sucht die Autorin den Grundimpuls für den gesamten weiteren Lebensweg dieser weisen Frau, die jedoch nie gebildet erscheinen will. Vielleicht "weil die gebildeten Weisen so selten sind, die verbildeten Gebildeten aber so häufig. / Dass die Dichter mit den Sehern, mit den Propheten verwandt sind, weiß jeder. (...) Anders wird das Dichterleben, die Lebensdichtung dieser Frau nicht verständlich." Eingewobenen Gedichte, Briefe und Zeitzeugenberichte sind ein wertvoller und ergänzender Teil einer durch und durch feinfühligen, wenn auch nicht immer leicht zu lesenden, herausfordernden, aber unglaublich bereichernden Biografie auf höchstem Niveau. Fazit: Kerstin Decker ist eine großartige Biografie einer verletzbaren und sensiblen, einer mutigen und exzentrischen Frau, Mutter, Liebenden und Dichterin gelungen. Vor allem deren "Präzision im Bereich des Nichtsagbaren - des für die meisten Menschen Nichtsagbaren" arbeitet die Autorin auf einzigartige Art und Weise, beinahe im Else Lasker-Schüler'schem Sinn heraus. Ein Buch in "Dicht- als Lebensform", das die seelische Wahrheit einer Dichterin ernst nimmt und sie in ihrer Eigenwilligkeit stehen lässt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Gefühl und Genius,
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz - Niemandem: Das Leben der Else Lasker-Schüler (Gebundene Ausgabe)
Das Leben der Else Lasker-Schüler ist ein kompromissloses: Gefühl und Genius, gelebt in der Totale. Wenngleich die vorliegende Biografie den Topos der "Dichterin" arg strapaziert und sich sehr auf das Emotionale beschränkt, gelingt es ihr doch, wesentlichen Lebenslinien nachzuspüren: der Kinderseele, dem mehrfachen Heimatverlust, dem Prinzip des Flüssigwerdens. Dass eine Biografie der Chronologie nicht immer streng folgen kann und schon gar nicht muss, weiß, wer neugierig darauf ist, das grundlegende Muster des Dicherinnenlebens durch die biografische Erzählung hindurch zu erkennen. Dieses Buch macht das dem neugierigen Leser nicht leicht; der pseudoexpressionistische Stil, mit dem die Biografin sich der Biografierten annähert, irritiert dabei ebenso wie die zahlreichen Seitenhiebe gegen die germanistische Lasker-Schüler-Forschung. Dies mag eine Sympathiebekundung mit dem antiakademischen Duktus Else Lasker-Schülers sein. Bei einer Biografin, deren Arbeitsgrundlage alleine eine kritische Werkausgabe darstellt, die auf der minutiösen Detailarbeit in Archiven und Nachlässen beruht, welche ihr somit von den geschmähten Germanisten abgenommen wurde, wirken die mehrfachen Ausfälle jedoch wahrhaft überzogen. Was nach der Lektüre bleibt, ist die Faszination von einer Dichterin, die sich das Traumreich einer Lebenswelt zu schaffen und gegen alle von Zeit und Raum bestimmten Widrigkeiten verteidigen vermochte, bis zum letzten Atemzug.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lasker-Schülers Gedichte muss man einfach lesen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz - Niemandem: Das Leben der Else Lasker-Schüler (Gebundene Ausgabe)
Dies ist die erste Biografie die ich über Lasker-Schüler lese und kann nicht aufhören.Die Gedichte sind aus einer anderen Welt, gemalt, wie Rosen eines frühen Morgens, wie Tage des Honiglichts, tanzende Trauer in Balance zwischen Kommen und Gehen, das alte Lied des Wassers. Die Gedichte sind wie die Wiegenlieder einsamer Nächte - trotz Erotik, trotz Sinnlichkeit. Lasker-Schülers Briefe verwirren mich. Da blitzt oftmals das Chaos durch, die Not des Sagen, wie die Autorin so wunderbar schreibt. Ich würde vielleicht sagen, die Not des Sagenmüssens. Manchmal machen die Worte wirklich einen Bogen um die einzig relevante Frage: Bist du wie ich? In vielem habe ich mich wiedergefunden. Ein sehr gutes Buch für all die, die Lyrik und Poesie lieben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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