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Mein Herz - Niemandem: Das Leben der Else Lasker-Schüler
 
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Mein Herz - Niemandem: Das Leben der Else Lasker-Schüler [Taschenbuch]

Kerstin Decker
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 480 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch (1. November 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 354860997X
  • ISBN-13: 978-3548609973
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 236.344 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kerstin Decker
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Das bei Propyläen erschienene Buch Mein Herz - Niemandem , ein neuer Anlauf mit dieser Dichterin vertraut zu machen, von ihrer Eigenart, ihrer Suche nach Liebe zu erzählen, ist ein Glücksfall geworden, eine Lebensbeschreibung, wie sie, mit soviel Hingabe und Einführungskraft verfasst, ziemlich selten ist. So exzellent und furios ist die Geschichte dieser Frau noch nicht beschrieben worden. Da leuchten die Sätze und der Leser kann sich fasziniert fortreißen lassen, diesmal in das Leben einer staunenswerten Dichterin, von der viele, so muss man wohl vermuten, noch immer viel zu wenig wissen." (Neues Deutschland / Klaus Bellin / 3.11.2009)

"Locker geschriebene Biografie" (News, 21.10.09)

"Kerstin Decker hingegen spricht kein Urteil über ihre Protagonistin. Am Anfang ihres Buches steht das Motto Biographie ist radikale Vergegenwärtigung. Das hat Decker eingelöst mit einer emotionalen, teilweise szenischen und assoziativen Sprache, die es dem Leser nicht leicht macht, sondern ihn herausfordert. So sehr, dass man am Ende des Buches eigentlich wieder von vorn beginnen will." (Deutschlandradio Kultur, Marcus Weber, 23.11.09)

"Kerstin Deckers einfühlsame Biografie der Lyrikerin und Dramatikerin Else Lasker-Schüler ist zugleich eine unterhaltsame Schilderung der literarischen Avantgarde Berlins, bevor die Nazis kamen." (Bild am Sonntag / 29.11.2009)

"Kerstin Deckers neue Biografie über Else Lasker-Schüler ist in ihrer Perspektive wirklich neu. Sie macht keinen Versuch der Vermittlung, sie übersetzt dieses Leben nicht in Begriff unseres Alltag, um es dem Normalverbraucher näher zu bringen. Sie nimmt die Dichterin ganz ernst, lässt sie in ihrer Eigenwilligkeit stehen, folgt ihr in die Einsamkeit ihres Schneckenhauses. Kerstin Decker zeigt uns die Welt durch Else Lasker-Schülers Augen, und sie nimmt die Dichterin beim Wort. Ihre Biografie ist parteiisch, und das ist gut so." (Die Welt, Jakob Hessin, 12.12.2009)

Kurzbeschreibung

Gottfried Benn hielt sie für die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte, Karl Kraus bekannte, für eines ihrer Gedichte den ganzen Heine herzugeben. Else Lasker-Schüler (1869 - 1945) zählt zu den bedeutendsten deutschen Dichterinnen. Ihre expressionistische Lyrik steht am Beginn der literarischen Moderne, der sie im Kreis der Berliner Bohème des anbrechenden 20. Jahrhunderts eng verbunden ist. Bravourös gelingt es Kerstin Decker, die eigenwillige deutsch-jüdische Poetin und mit ihr jene künstlerische Blütezeit zum Leben zu erwecken. Im Berlin der Jahrhundertwende schrieb Else Lasker-Schüler ihre ersten Gedichte, war in zweiter Ehe mit dem Schriftsteller und Avantgarde-Förderer Herwarth Walden verheiratet, zeitweise mit Benn liiert, mit Georg Trakl befreundet. Franz Marc malte ihr seinen berühmten »Turm der blauen Pferde«. Sie war die Radikalste unter diesen Radikalen, stand im Zentrum des künstlerischen Aufbruchs, der in Literatur, Kunst und Musik völlig neue Wege beschritt. Ihr Werk ist stark autobiographisch geprägt und vereinigt phantastische und religiöse Elemente mit einer ausgeprägten Naturliebe. 1932 mit dem angesehenen Kleist-Preis ausgezeichnet, musste sie nur ein Jahr später vor den Nationalsozialisten in die Schweiz fliehen, von wo aus sie 1939 nach Palästina emigrierte. Dort starb sie 1945, ihr Grab liegt auf dem Ölberg in Jerusalem. Kerstin Decker hat sich mit vielbeachteten Biographien über Wegbereiter der Moderne einen Namen gemacht. Mit Else Lasker-Schüler, lange verkannt und vergessen und erst in jüngerer Zeit wiederentdeckt, hat sie sich seit vielen Jahren intensiv befasst. Ihre »federnd leichte« (Der Spiegel), szenische Erzählweise ist wie geschaffen, um dieser faszinierenden Frau ein gebührendes Denkmal zu setzen.

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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
"Sie ist eine Weltenerfinderin, eine Weltenschöpferin, eine Eigenweltenbewohnerin, auch - darin liegen ihr Glück und ihre Tragik zugleich - eine Eigenweltinhaftierte. Für jeden Anderen mögen diese Worte zu groß sein, für Else Lasker-Schüler sind sie gerade groß genug." Kerstin Decker, die bereits mit Paula Modersohn-Becker und Heinrich Heine erstklassige Künstler-Biografien vorgelegt hat, ist erneut ein großer Wurf gelungen. Dieses Mal begibt sie sich auf die Spuren dieser immer noch relativ unbekannten Dichterin, die Gottfried Benn einst für die größte Lyrikerin Deutschlands hielt.

Kerstin Decker folgt den biografischen Spuren Else Lasker-Schülers. Dabei nähert sie sich äußerst behutsam und einfühlsam der sensiblen Künstlerin an, so dass deren "verbaler Hochseiltanz, immer in der Schwebe zwischen übermütigem Spiel und Ernst" dem Leser auf eindrucksvolle Art und Weise vermittelt wird. Entstanden ist eine Biografie, die sich durch Tiefe und Substanz auszeichnet sowie durch Entschleunigung den kompromisslosen Lebensentwurf der expressionistischen Lyrikerin wunderbar nachverfolgen, ja, ihn nahezu selbst erleben lässt.

"Wir sind nur auf dem Wege, das Leben ist nur ein Weg, hat keine Ankunft, denn es kommt nirgendwo her.", schrieb Else Lasker-Schüler. Ihr Weg begann am 11. Februar 1869 und endete am 22. Januar 1945 in Jerusalem. Dazwischen liegt ein unorthodoxes Leben in Berlin und später in Israel. Prägend war ihre Kindheit im industriell aufstrebenden Elberfeld (heute Wuppertal), wo die kleine Else in einer mehr oder weniger starken Außenseiterrolle aufwächst, nachdem sie durch eine Krankheit zu Hause unterrichtet wird. In dieser Isolation und durch den frühen Tod ihres Bruders und ihrer Mutter entwickelt das Kind und später die junge Frau ihr Lebensmodell, das ganz stark in den eigenen Emotionen verankert ist. Die Kunst ist ihr dabei "Mittel zur Befreiung aus dem umgitterten Sein der Alltäglichkeit." Doch sie "glaubt nicht an die Realität der Kunst, sie glaubt an die Wahrheit der Illusion und handhabt das Material der Sprache, von den Instinkten eines rein torenhaften Spieltriebs geschwellt, wie eine heilige Sache, [eine] ebenmäßig geschliffene Kugel inneren Erlebnisses, getragen vom Blut der Herzhingabe.", schreibt der Schriftsteller Paul Zech (1881-1946).

Genau diese seelischen Wahrheiten der Dichterin hat Kerstin Decker ernst genommen. Wunderbar arbeitet sie das "Denkfühlen" Else Lasker-Schülers heraus und nimmt sich deren unmetaphysischen, geradezu gottlosen Sinn sehr emphatisch an. Vor allem in ihrer extremen "Heimatfühligkeit" sucht die Autorin den Grundimpuls für den gesamten weiteren Lebensweg dieser weisen Frau, die jedoch nie gebildet erscheinen will. Vielleicht "weil die gebildeten Weisen so selten sind, die verbildeten Gebildeten aber so häufig. / Dass die Dichter mit den Sehern, mit den Propheten verwandt sind, weiß jeder. (...) Anders wird das Dichterleben, die Lebensdichtung dieser Frau nicht verständlich."
Eingewobenen Gedichte, Briefe und Zeitzeugenberichte sind ein wertvoller und ergänzender Teil einer durch und durch feinfühligen, wenn auch nicht immer leicht zu lesenden, herausfordernden, aber unglaublich bereichernden Biografie auf höchstem Niveau.

Fazit:
Kerstin Decker ist eine großartige Biografie einer verletzbaren und sensiblen, einer mutigen und exzentrischen Frau, Mutter, Liebenden und Dichterin gelungen. Vor allem deren "Präzision im Bereich des Nichtsagbaren - des für die meisten Menschen Nichtsagbaren" arbeitet die Autorin auf einzigartige Art und Weise, beinahe im Else Lasker-Schüler'schem Sinn heraus. Ein Buch in "Dicht- als Lebensform", das die seelische Wahrheit einer Dichterin ernst nimmt und sie in ihrer Eigenwilligkeit stehen lässt.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gefühl und Genius 19. September 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Das Leben der Else Lasker-Schüler ist ein kompromissloses: Gefühl und Genius, gelebt in der Totale. Wenngleich die vorliegende Biografie den Topos der "Dichterin" arg strapaziert und sich sehr auf das Emotionale beschränkt, gelingt es ihr doch, wesentlichen Lebenslinien nachzuspüren: der Kinderseele, dem mehrfachen Heimatverlust, dem Prinzip des Flüssigwerdens. Dass eine Biografie der Chronologie nicht immer streng folgen kann und schon gar nicht muss, weiß, wer neugierig darauf ist, das grundlegende Muster des Dicherinnenlebens durch die biografische Erzählung hindurch zu erkennen. Dieses Buch macht das dem neugierigen Leser nicht leicht; der pseudoexpressionistische Stil, mit dem die Biografin sich der Biografierten annähert, irritiert dabei ebenso wie die zahlreichen Seitenhiebe gegen die germanistische Lasker-Schüler-Forschung. Dies mag eine Sympathiebekundung mit dem antiakademischen Duktus Else Lasker-Schülers sein. Bei einer Biografin, deren Arbeitsgrundlage alleine eine kritische Werkausgabe darstellt, die auf der minutiösen Detailarbeit in Archiven und Nachlässen beruht, welche ihr somit von den geschmähten Germanisten abgenommen wurde, wirken die mehrfachen Ausfälle jedoch wahrhaft überzogen. Was nach der Lektüre bleibt, ist die Faszination von einer Dichterin, die sich das Traumreich einer Lebenswelt zu schaffen und gegen alle von Zeit und Raum bestimmten Widrigkeiten verteidigen vermochte, bis zum letzten Atemzug.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von o-o
Format:Taschenbuch
Ein fasziniernd zu lesendes Buch, zumindest streckenweise. Leben und Werk der E L-S sind so sehr eine Einheit, wie das wohl selten bei Künstlerpersönlichkeiten zu finden ist. Sie schuf Poesie von bleibendem Wert - alles und jederzeit aus innigstem Gefühl.

Die Zeitgenossen betrachteten sie aber oft als reichlich gestörte Persönlichkeit - nicht nur weil ihr jeder Aspekt einer bürgerlichen Existenz schnuppe war. Damit konnte sie in ihren Bohème-Kreisen eher punkten. Aber ihr gesamtes Verhalten schien eher befremdlich.

Was macht jetzt die Biografin Decker mit diesem Befund? Sie erzählt das abenteuerliche Leben faktenreich nach und schlägt sich dabei immer auf die Seite ihrer Heldin. Das mag vielleicht eine ganze Weile funktionieren und irgendwie erfrischend wirken. Es fällt aber schwer, der mit zunehmendem Alter immer chaotischer auftretenden Dichterin ebenso distanzlos-unkritisch in allem beizupflichten. Methodisch ist das einfach zu billig. Dabei kennt man doch auch aus der bildenden Kunst das Phänomen, dass psychiatrische Patienten großartige Gemälde etc. schaffen können. Aber was nach Decker nicht sein darf, das nicht sein kann; lieber Augen zu und durch ... auch wenn dabei sehr gestandene Wissenschaftler - wie etwa Gershom Scholem (wegen seiner Beurteilung der Lasker-Schüler) - lächerlich gemacht werden müssen: Frau Else kennt sich einfach besser mit der Kabbala aus, sie hat schließlich (angeblich?) ein paar Lektionen von einem namenlosen "Studenten" in dieser Disziplin genossen.

Der Wert dieser Biografie - der sich eben anfänglich wie ein biografischer Roman liest - besteht hauptsächlich darin, dass eine Unzahl bedeutender Persönlichkeiten (Literaten, Maler, Intellektuelle) mit ihr zeitweise m.o.w. intensiven Kontakt hatten, und man deshalb auch über diese einiges Interessante erfährt. Doch der in jungen Jahren rege Austausch von Gedanken und Körperflüssigkeiten läßt mit der Zeit deutlich nach. Im Laufe des Ersten Weltkriegs geht einiges an Beziehungen verloren, verschiebt sich der Schwerpunkt auf briefliche Kommunikation - und etliche der Bezugspersonen haben für heutige Leser sichtlich weniger Bedeutung.

Mit anderen Worten: das Buch wird zunehmend langweiliger, auch wenn die Autorin sich bemüht, durch ständiges Hin u. Her auf der Zeitachse etwas Dynamik hineinzubringen. So wird z.B. in einem Absatz das Dahinscheiden des Sohnes Paul beschrieben, dann ein verwegener Sprung: fünf Jahre später letzter Aufenthalt der Dichterin an der pommerschen Ostsee und - schwupps - folgt eine Begebenheit zwei Monate nach Pauls Begräbnis. Dabei immer wieder Erwähnung weiterer Personen, die durch bedeutungsvolle Attribute ("ihr Finanzminister") aufgebauscht werden.

Eigentlich würde man erwarten, dass sich eine solch umfangreiche Biografie auch intensiv dem Werk der vorgestellten Literatin widmet. Doch außer den zahlreich zitierten Gedichtpassagen, die in den lebensgeschichtlichen Zusammenhang gestellt werden, herrscht bezüglich interpretatorischer Ansätze reichlich Ebbe. Dabei besonders (negativ) auffallend, dass nichtmals Details zur Entstehung des bekanntesten Schauspiels "Die Wupper" zu finden sind, geschweige denn Betrachtungen zu Form und Bedeutung dieses "Stöckskens" (E L-S). Und schließlich noch eine seltsame Marotte der Autorin: immer wieder Verweise auf eine wie auch immer geartete Seelenverwandtschaft mit Heinrich Heine (ohne jeden Beleg, dass die bekennende Nicht-Leserin - und Kino-Süchtige - Lasker-Schüler mit diesem Namen irgend etwas besonderes verbunden haben könnte). Für Kerstin Decker mag das eine Art Synergie-Effekt aufgrund ihrer Heine-Arbeit darstellen; vielleicht hätte sie sich aber doch besser mit Hölderlin beschäftigt.
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