Für solch eine Edition kanns nur 5 Sterne geben. 27 "klassische" Karl-May-Hörspiele in einer Box, ein farbiges Booklet und dazu die CDs in Kartons mit dem Original-Artwork auf dem Cover.
Nachdem ein Großteil der EUROPA-Hörspiele, der MARITIM-Serie und der 60er-Jahre Produktionen auf KARUSELL in den letzten Jahren erschienen sind, fehlte ausgerechnet die Serie, mit der ich als Kind meine Karl-May-Sozialisation erlebt hatte: die erschienen damals unter den Labels BASF, PEG und PICOLLO und waren -wie ich erst jetzt weiß- teilweise Remakes der EUROPA-Hörspiele. Jetzt sind alle 20 Hörspiele auf einen Schlag auf den Markt gekommen, sozusagen als Dreingabe zu den Hörspielbearbeitungen zur 7teiligen TV-Serie "Mein Freund Winnetou".
Die künstlerische Qualität der Hörspiele ist durchwachsen. Nachdem es die TV-Serie auf DVD gibt, sind die "Tonspuren" allein natürlich verzichtbar. Einzig das Wiederhören mit der markanten Stimme von Horst Frank, der als Erzähler die fehlenden Bilder ersetzt, verleiht der Sache einen eigenen Reiz.
Mit Karl May hat die Serie nichts zu tun, abgesehen von den Namen der Helden.
Im Gegensatz dazu bringen die anderen Hörspiele aus den 70er-Jahren den originalen Karl May, wenn auch gestrafft und "kindgerecht" aufbereitet.
Besonders die Produktionen mit Heinz Trixner (Shatterhand) und Konrad Halver (Winnetou) waren für mich immer Karl-May-Ohrenkino schlechthin.
Technisch/klanglich erschien mir diese Serie den EUROPA-Produktionen leicht überlegen, aber da gehen die Meinungen auseinander. Auch sind nicht alle Adaptionen gleichermaßen geglückt. Insbesondere dort, wo ein 500-Seiten Buch in nur 40 Minuten Hörspiel umgesetzt wurde, ging es auch mal etwas schief (Ölprinz;Schatz im Silbersee). Für die Winnetou-Adaptionen standen je Band zwei Schallplatten zur Verfügung, einzelne Episoden wurden später noch zu eigenen Hörspielen verarbeitet, diese Ausführlichkeit rettete mehr vom Reiz der Originale ins Hörspiel hinüber.
Die Hörspiele wurden seinerzeit serienweise produziert und auf den Markt geworfen - man wollte am Erfolg der Filme partizipieren, weshalb man die Cover mit inhaltlich nicht immer passenden Filmmotiven bestückte. Aber mehr als viele der Filme machten sie Kinder und Jugendliche damals mit dem echten Karl May, seinen Träumen und Idealen vertraut.