So haben sie mich als Karl May-Freund dann doch gekriegt: die DVD-Box mit einem klassischen Winnetou (aus der 60er-Jahre-Kinoserie) zieren und dem ganzen -wie schon bei der herrlichen Kara-Ben-Nemsi-Ausgabe- eine Gestaltung geben, die an die klassischen Bände des Karl-May-Verlags erinnert. Tja und dann ist da noch die Magie eines Pierre Brice, der seit 1962 wie kein anderer "Winnetou" verkörpert.
Die TV-Serie aus den 80ern hat ansonsten nichts mit dem Inhalt der Karl- May-Bücher zu tun und unterscheidet sich auch deutlich von den Kinofilmen der 60er. Pierre Brice hat immer wieder versucht, Winnetou ein realistischeres Image zu geben und mit den Stories etwas Weltanschauung zu vermitteln (Pazifismus, Ökologie, Naturreligiosität). Das hat auf der Bühne in Bad Segeberg nicht wirklich befriedigend funktioniert (weil die Stories einfach zu flach waren und die Ernsthaftigkeit durch billige Gags untergraben wurden). Die TV-Serie ist in dieser Hinsicht besser, aber von Geschichten mit Winnetou im Titel erwartet man halt etwas anderes als ethnologische Belehrung. Wer hauptsächlich an Pierre Brice interessiert ist und wem die wenigen äußeren Karl May Bezüge genügen, kann sich an der Box aber durchaus erfreuen. Old-Shatterhand Siegfried Rauch hätte man eine etwas größere Rolle gewünscht. An die 60er Jahre-Filme erinnert Ralf Wolter, der auch hier den Sam Hawkens gibt, wobei die Figur hier noch mehr verzeichnet wurde. Mein Freund Winnetou ist in der Hauptsache eine Indianergeschichte, die das Unrecht dokumentiert, das die Ureinwohner Nordamerikas unter den weißen Einwanderern erlitten. Für eine TV-Serie hat sie eine gute Qualität, wenn man nicht zuviel und nichts anderes erwartet.