Peter O. Chotjewitz ist den damaligen Zeitgenossen bekannt nicht nur als Autor zahlreicher ironisch provokanter Romane, die damals noch, entsprechend dem Zeitgeist, in renommierten und großen Verklagen erschienen, sondern auch als ehemaliger Verteidiger von RAF-Terroristen. Er hat jetzt ein Buch geschrieben über einen umstrittenen Anwaltskollegen, Klaus Croissant, den er im Titel "Mein Freund Klaus" nennt.
Chotjewitz antwortete auf die Frage eines Journalisten, was ihn an Croissant so fasziniert habe, dass er dieses voluminöse Buch schrieb:
"Die Person. Klaus war ein ausgesprochen missionarischer Typ, der auch zur Überhebung neigte, hedonistische und weiche Züge hatte. Und auch das wird Ihnen ja bekannt sein, dass Menschen mit widersprüchlichen Zügen Lieblingsfiguren für einen Roman sind. Ich bin Jurist und da fand ich auch sein justizkritisches Wesen interessant, seinen aussichtslosen Krieg gegen die Windmühlenflügel der Justiz, die Verdorbenheit der Massenmedien, dass sie nicht nur nachgeplappert haben , was der Staatsschutz, was die Justiz, die Politiker vorgesagt haben, sondern dass die zum Teil wieder die Duftmarken gesetzt haben, die von den Politikern wieder aufgegriffen werden konnten."
Und so schreibt er ein lange geplantes Buch über den Freund als Panorama einer hysterisch aufgeladenen Zeit. Chotjewitz lässt diese Zeit für sich und auch für den Leser noch einmal Revue passieren. Und er macht auch keinen Hehl aus seiner Abneigung vor deutschen Zuständen un terilt auch kräftig aus, wenn er zum Bespiel den RAF-Historiker Butz Peters als "Märchentante" bezeichnet.
Der Roman ist ein Spiegelbild einer bewegten Zeit und eine Selbstbespiegelung eines Altachtundsechzigers, für den sich der Deutsche Herbst noch längst nicht erledigt hat und der damit ähnlich wie manche der Terroristen, die er verteidigt hat, nicht in der Lage ist, wahrzunehmen, in welchen tödlichen Diskurs von "Widerstand" und Gewalt sich die RAF begeben hat.
Dennoch ist das gut und aufwändig recherchierte Buch - man hört , es gab eine Menge rechtlicher Probleme vor der Veröffentlichung auszuräumen- lesenswert als ein engagiertes und natürliches einseitiges Dokument persönlich gefärbter Zeitgeschichte. Seine Lebensbilanz für seinen Freund Klaus Croissant hingegen fällt eher ernüchternd aus. Als finale Bilanz eines Mannes, des kämpferischen Freigeistes, der die Frauen liebte und Deutschland so sehr hasste, notiert Chotjewitz am Ende:
"Ein Sohn - David Boris. Sieben Frauen - Ruth, Ingrid, Brigitte, Charlotte, Alice, Brigitte, Cornelia. Viele Freunde. Fünf Jahre Knast. Viele Feinde. Keine Heimat. Kein Nachlass. Ein Grab in Dahlem-Dorf. Eine Hoffnung."
Ob diese Hoffnung auch Teile seiner eigenen ist, mag der Leser entscheiden. Meine war und ist es nicht.