Carlos Ferrer, der ein eher glückloses Leben gelebt hat, könnte man durchaus den Vorwurf mache, sich an seiner Freundschaft zu Che Guevara bereichern zu wollen. Aber....
Ich habe wenige Dokumentationen und Zeitzeugen erlebt, die eine derartige Liebe zum Menschen und nicht zum Revolutionär Ernesto "Che" Guevara ausstrahlen. Hautnah erleben wir den jungen Ernesto und sein Umfeld, in dem er aufwuchs. Wir sind mitten drin im gesellschaftlichen Leben dieser Zeit und beobachten im Zeitraffer die Entwicklung des Ernesto zum künftigen Che. Berührend und nahezu zärtlich schreibt Calica über seinen Freund und dessen Stärken und Schwächen, ohne Ernsto auf ein Podest zu heben oder sich selber wichtig zu machen oder in den Vordergrund zu schieben. Menschlich berührend!!!
Nicht nur die Beschreibung des "privaten" Che ist ein herrausragendes Zeitdokument, auch diese zweite Reise durch Südamerika ist absolut lesenswert.
Viel haben die beiden Freunde, Ernesto und Calica, erlebt. Ferrer versteht es, humorvoll einen Reisebericht vorzulegen, der auch zu einer langweiligen Abfolge von Reisestationen mutieren hätte können. Stattdessen werden jedoch die gesellschaftlichen und politischen Umstände der bereisten Länder in jener Zeit interessant beleuchtet und mit den Erlebnissen der beiden Freunde verknüpft. Wir können schon recht konkret den jungen Revolutionär in Ernesto erahnen, wenn er mit Calica und anderen Gefährten politische Diskussion führt. Und wir erleben zwei junge Draufgänger, die sich in einem Raufhandel einer Gruppe Peruaner geschlagen geben müssen, da sie von der peruanischen Kampftechnik des Kopfstosses vollkommen überrascht werden....
Humorvoll, detailliert und liebevoll von Ferrer geschrieben, berührt dieses Buch menschlich und repräsentiert somit ein immens wichtiges Zeitzeugnis. Fünf Sterne für berührende Einblicke in das Werden des berühmtesten Revolutionärs der neueren Geschichte!
PS: Ich habe diese Rezension im Bewusstsein geschrieben, wie radikal letztlich der Che seine Vorhaben in Kuba umgesetzt hat (z.B. Arbeitslager) und dies auch in anderen Ländern tun wollte. Ich sehe Ferrers Buch als die Beschreibung eines Menschen und nicht als eine politische Aussage und möchte auch meine Rezension nicht als politisches Statement verstanden haben. Für mich steht der Mensch Ernesto Guevara im Mittelpunkt.