Aus der Amazon.de-Redaktion
Nun ist es da, doch bei aller äußeren Ähnlichkeit der beiden Bücher – vom Titel bis zum fast identisch gestalteten Cover – ist Mein Deutschland – Dein Deutschland ein ganz anders geartetes Buch geworden. Der größte Unterschied: Die Leichtigkeit ist auf der Strecke geblieben. Wo das Amerika-Buch mit viel Charme, einer liebevoll-ironischen Distanz und dadurch einem hohen Spaßfaktor daherkam, ist das Buch über Deutschland ernst und nachdenklich, man könnte auch sagen: verbissen. Das geht ganz klar auf Kosten des Unterhaltungswertes; die angenehmere Lektüre war ohne jeden Zweifel das USA-Buch. Doch dieser Befund spricht nicht automatisch gegen das neue Werk; ein Buch über das eigene Land kann vielleicht gar nicht diese fröhlich-verspielte, augenzwinkernde Distanz aufweisen, wie man sie einem fremden Land gegenüber an den Tag legt. (Für einen solchen Blick auf Deutschland bedarf es daher wiederum ausländischer Autoren, wie etwa Roger Boyes mit My dear Krauts.)
Wenn man daher mit der Erwartung zu Mein Deutschland – Dein Deutschland greift, an einem humorvollen, locker-flockigen Rundflug über Deutschland und seine Bewohner mit ihren Sitten und Gebräuchen teilzunehmen, wird man enttäuscht werden. Wenn man das Buch aber ganz unvoreingenommen als die Beobachtungen zweier kluger, um ihr Heimatland besorgter Menschen liest, die sich – vor allem aus der vergleichenden Perspektive der Auslandserfahrungen in den USA und Frankreich – erhellende Gedanken über die deutsche Mentalität, unser Schulsystem oder die Lage von Migranten in Deutschland machen, kann die Lektüre ein Gewinn sein. -- Christoph Nettersheim
