Da mich das Thema "multiple Persönlichkeiten" fasziniert, habe ich mir diesen Film von Brian DePalma angesehen.
Wie ich an den anderen Rezensionen gesehen habe, spaltete er die Seher in Leute, die den Film genial finden, und andere, die ihn als Schrott bezeichnen.
Zugegeben, der Film kommt von seiner optischen Qualität nicht an Meisterwerke wie "Carrie", "Carlitos Way", "The Untouchables" oder "Mission Impossible" heran, die mit viel Aufwand fürs Kino gedreht wurden.
Brian DePalma hat aber auch noch eine andere Seite, wo er in billiger TV-Qualität Filmchen dreht, wie beispielsweise "Sisters", "Dressed to Kill" oder "Der Tod kommt zweimal", Filme, die einfach billig wirken.
"Mein Bruder Kain" liegt irgendwo dazwischen. Zwar in Cinemascope gedreht, wirkt er jedoch wie eine billige TV-Produktion, was an der Filmmusik, den Schnitten und den Schauspielern liegt.
Von der Handlung her und den optischen Effekten, mit denen dieser Film spielt, ist er jedoch (wenn auch mit minimalem Budget) ein großartiger Film geworden.
Im Detail, was mir an diesem Film so gut gefallen hat, möchte ich festhalten, nachdem ich ihn zweimal hintereinander gesehen habe:
- John Lithgow spielt eine Dreifachrolle: Den Kinderpsychiater Carter, seinen Bruder Kain und seinen Vater.
- Der Film hat einige Rückblenden, die geschickt in die Erzählweise des Films eingearbeitet wurden, sodass er clever und vertrackt ist
- Der Film arbeitet mir Realszenen und Traumszenen, die man erst als solche erkennt, wenn der Traum wieder in die Realität umschwenkt, wodurch man als Zuseher mehrmals in die Irre geführt wird.
- Der Film hat einige überraschende Wendungen
- Der Film baut hohe Spannungsmomente auf, ähnlich wie in der Schlussszene von "The Untouchalbes", wo der Kinderwagen über die Treppe am Bahnhof holpert, und in Zeitlupe sich mehrere Handlungsvorgänge überschneiden. Ähnlich gibt es auch hier einen Showdown in einem Motel
- Einige optische Effekte sind genial, z.B. die lange Kamerfahrt quer durch das Polizeigebäude, die mindestens fünf Minuten dauert, und schließlich im Keller in der Leichenhalle endet. Die Übergänge von Traum zu Realität. Die Übergänge von John Lithgows multiplen Persönlichkeitswechseln.
- Die Horror-Effekte sind sehr shocking, wie die schreckensverzerrten Gesichter der Leichen, das plötzliche Auftauchen von Personen, mit denen man nicht gerechnet hätte, oder die Szene, wo Carters Frau im Wagen im Moor ertrinkt.
Insgesamt ein sehr interessanter und vielschichtiger, aber mit minimalem Budget umgesetzter Film, der es lohnt, mehrmals angesehen zu werden.