Eine Romanbiografie übers Dürers Frau Agnes - und gleichzeitig ein guter Einstieg in Dürers Werk. Dürer war DER große Künstler, während seine Frau schauen musste, seine Holzschnittdrucke zu vermarkten, denn darauf beruhten die sicheren Einnahmen des Haushalts. Das tat sie nicht nur in einer Bude auf dem Nürnberger Markt, sondern sie reiste auch regelmäßig zu Messen nach Frankfurt. Eine emazipierte Frau des Mittelalters und allein schon deshalb interessant. Besonders gut gefallen haben mir auch die kleinen Hinweise zum besseren Verständnis von Dürers Werk. Liest man das Buch eines Kunsthistorikers über Dürer, wird es leicht anstrengend und als Laie fühlt man sich schnell überfordert. Aber in diesem Bändchen sind viele nützliche Splitter eingestreut, z. B. in einer Szene, in der Agnes ihren Mann fragt, was sie denn den Kunden erklären soll, die auf dem Markt nach dem Sinn von ungewöhnlichen Darstellungen fragen. Tief bewegt hat mich auch das Schicksal der Familie: kurz nach der Hochzeit bricht die Pest aus und das junge Paar begibt sich auf eine Reise nach Venedig - gemeinsam, denn Dürer hat noch keine eigene Werkstatt, die seine Frau in seiner Abwesenheit verwalten müsste. Als sie ein gutes halbes Jahr später zurückkehren, sind fünf jüngere Geschwister der Malers tot und kurz darauf sterben noch zwei weitere Schwestern an Typhus oder Ruhr.
Der Verlag hat leider (in der gebundenen Ausgabe) nur einige Gemälde abgedruckt, aber nichts von den vielen Holzschnitten, deren Drucke überaus verbreitet waren und seinen Ruhm auch in einfachen Kreisen begründeten.