Ich darf von mir behaupten, dass ich stolzer Besitzer der 'Meilensteine der Psychologie' bin. Was mich zu dieser Rezeption bewegt ist, dass ich meine, dass es einfach an der Zeit war für ein solches Buch mit dieser Qualität, Struktur, dieser Liebe und Sorgfalt auch im Detail. Die Geschichte der Psychologie wird auf knapp 490 Seiten nach Personen, ihren Werken und ihrer Wirkung dargestellt. Jedem vorgestellten Autor ist z.B. ein eigener Steckbrief nach dem Muster "Ausgangspunkte" ' "Zeittafel" ' "Methode" ' ' "Rezeption" ' "Theoretische Nachwirkungen" ' "Praktische Nachwirkungen" gewidmet. Wer den "Schönpflug" oder den "Lück" kennt, weiss, welcher Aufwand, welche Hingabe hinter diesem Buch stecken muss. Man spürt auf jeder Seite, dass die Bücher der vorgestellten Autoren nicht nur wirklich gelesen wurden (was heutzutage beim allgemeinen Abschreibwahn gar nicht mehr selbstverständlich ist), sondern darüber hinaus gründlich und kritisch. Alle wichtigen Auseinandersetzungen und Strömungen innerhalb der Psychologie werden umfassend behandelt. Auch ist die Darstellung trotz allen Anspruchs, wie auch der nicht seltenen Schwierigkeit der Originalliteratur angenehm verständlich. Dieses Buch bietet regelrecht elegante Stringenz auf mehreren Ebenen: Personell, ideen-, sowie problemgeschichtlich: Wen kannten die Autoren persönlich? Wen zitierten sie? Mit wem stritten sie? Man kann es Galliker et al. nicht hoch genug anrechnen, dass sie diese Beziehungen zwischen den Autoren durch fettgedruckte Seitenangaben im Register hervorhoben. Methodenkritisch werden auch Grenzen der Psychologie, wie auch einzelner Ansätze hervorgehoben, z.B. die Rolle der Psychologie im Nationalsozialismus. Nur als Beispiel von vielen: Für Verfechter der Gestalttheorie ist evtl. das Beispiel von Friedrich Sander (p.309-312) während des III. Reichs aufschlussreich. Dieses Buch bietet die Gelegenheit, den Hintergrund des eigenen Arbeitens kritisch zu hinterfragen, und die Grenzen der Psychologie in der Praxis des eigenen Arbeitens auszuleuchten und selbstbestimmt zu ziehen. Die vielleicht in Teilen berechtigte Kritik meines Vorgängers am Kröner-Verlag an Galliker et al. rauszulassen halte ich nicht nur für schlechten Stil, sondern angesichts der Qualität des Buches als völlig unangebracht. Dem Verlag wird jedoch nahegelegt, dieses gelungene Werk in einer absehbaren 2.Auflage um ein Stichwortverzeichnis zu krönen. Ich kann dieses Buch jedem interessierten Leser uneingeschränkt empfehlen. Sie werden es nicht bereuen. Ich würde soweit gehen und den "Galliker" jetzt schon als -den- Klassiker zur Geschichte der Psychologie bezeichnen.