Lange hat's gedauert, nun ist es da! Das 17. offizielle Söllner Album aus dem Hause Trikont ließ die Fans 4 Jahre zittern. Es war ungewiss ob Hans Söllner nochmals eine CD am Markt bringt. "Es ist alles gesagt" wiederholt er sich immer und immer wieder in seinen Konzerten. Die Fans haben längst den Spirit und die Idee des Lebens in ihren Köpfen aufgesaugt und füllen Wirtshäuser bis Hallen ohne große Vorankündigung von Konzerten sogar am Weihnachtsabend. Den Samen in die Köpfe gesäht und mit der Fürbitte am Nachhauseweg mit eingeschalteter Warnblinkeranlage und gezielten "Schlenkerer" im Kleinen - Großes zu bewirken.
Wie kam's zu den Zuständen?
Seit 1955 wird Söllner durch's Leben gebeutelt, die schwierige Kindheit (Quelle: "Bloß a Gschicht" erschienen im Eichborn-Verlag), die traditionsreiche Gemeinde in der Söllner mit seinen polarisierenden Ideen in der Jugend keine Ansprache fand, die Reise in die größeren deutschen Städte mit Gitarrenkoffer und Zetteln voller Gedanken kehrte er mit der Gewissheit in die Heimat zurück, dass das Leben in der Stadt noch mehr abverlangte als ein paar bled plattelnde Plattler in Lederhosen. Nach einem Sängerwettstreit in Traunstein gelang es ihm eine Platte zu produzieren und wurde so als Liedermacher bekannt. Mit der Entdeckung des Reggae und dem Abenteuer Jamaika manifestierte Söllner letztlich seinen Gedanken, das Leben muss in Freiheit und Dankbarkeit der Natur und unserer Welt gegenüber erfolgen. Mit Reggae-Band und inhalierten Geist führte ihm sein Gedanke durch Deutschland um den Kampf für Legalisierung von Marihuana zu verfolgen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war Vater Staat, wie das Auge Saurons, auf ihn aufmerksam geworden. Hausdurchsuchungen, ewige und kostspielige Rechtsstreits musste Söllner über sich ergehen lassen. Demütig und erfahrungsreich wie ein Prophet erklärt Söllner, dass nicht immer alles richtig war wie es gelaufen ist. Die Wildfallen des Staates bei Seite geschoben, liest Söllner nun aus Akten und singt über Pseudonyme und Alias. Die Lückentexte können beliebig befüllt werden und so bleibt Raum für den Geist, der frei bleiben muss. Die 56 jährige gut gereifte vollmundige Südhangernte kämpft heut zu Tage mit Anfeindungen von Lehrer gegenüber seinen Kindern, mit gesellschaftpolitischen Themen wie "atomfreie Zukunft für unsere Nachkommen" und er engagiert sich für Menschen mit Behinderungen und Schicksalsschlägen - Leute die kein Gehör finden, weil sie vielleicht gar keines haben. Mit 4 Gitarrengriffen, nachdenklichen Texten und seiner perfekt arrangierten Band "Bayaman'Sissdem" spielte sich Söllner bis dato in die Herzen von zigtausenden Deutschen, Österreicher und Schweizer. Nun hat er sich in die Hände von Manfred, Stefan und Peter (Bayaman'Sissdem) fallen gelassen und Ihnen den künstlerischen Freiraum für ein "Best Of" Album gewährt. Den Text lieferte Söllner in der gewohnten zornigen aber auch nachdenklichen und gefühlvollen Stimme. Jene Lieder die Zustände beschreiben und sein Leben für immer veränderte.
Das Album
Eine Überraschung sondergleichen für jeden der Söllner nur einmal gehört hat. Der bekannte Reggaekünstler und Liedermacher aus Bayern begiebt sich auf unbekanntes Terrain. Folk, Dixie, Rock aber auch ein kleiner Hang zum Pop haucht der Platte, mit den häufig alten Liedern, ein neues Hörerlebnis ein, dass man Söllner so nicht zugetraut hätte. Viele Fans werden über das "Best Of". wohl ein wenig irritiert sein. Beim 2. oder 3. mal Reinhören hat sich aber das Ohr an den ungewohnten Dylan-Style gewöhnt. Auch Söllner merkt man die sympathische Unsicherheit auf dem neuen Studiobelag an. Großen Respekt muss man Hans Söllner jedoch aussprechen. Er hat wiedermal bewiesen, dass er sich in keine Schublade pressen lässt und eben immer noch für eine Überraschung gut ist. Er hat seiner Band großes Vertrauen ausgesprochen und ihnen die Freiheit gewährt, die alten Lieder in ein neues abgefahrenes Gewand zu kleiden. Bayaman'Sissdem hat was Großes gezaubert und ich denke, dass man noch lange von diesem Album und der Band hören wird. Ob es solche Live Konzerte jedoch jemals geben wird, bezweifle ich stark. Musikalisch sehr gut gelungen, die Pressung raumwirkend und echt. Die Dynamik des Albums für mich die größte Überraschung. Die für meinen Geschmack zu laut abgemischte Stimme trübt nur bei manchen Songs das Hörerlebnis. Schade dass man die paar neuen Songs wie "Da Rudi", "Gscheida", "Pfirsich in da Dosn" nicht mit drauf gepackt hat.
Fazit
Alles in allem eine gelungen Hommage an Söllners Leben. Obwohl ich noch immer mit einem Live-Album in Zukunft rechne, denke ich, dass wir hier das letzte Söllner Album in den Händen halten. Söllner: "Es ist alles gesagt."